Bava Mezia — Blatt 87a
1er drang inständig in sie!? R. Elea͑zar erwiderte: Hieraus, daß man sich von einem Unbedeutenden nötigen lasse, nicht aber lasse man sich von einem Bedeutenden nötigen.
2Es heißt:ich will ein Stück Brot holen, und es heißt: und Abraham lief zu den Rindern? R. Elea͑zar erklärte: Hieraus, daß die Frommen wenig versprechen und viel halten; die Frevler aber versprechen viel und halten nicht einmal wenig. –
3Woher dies? – Von E͑phron; zuerst heißt es:ein Stück Land von vierhundert Šeqel, und nachher heißt es:und Abraham hörte auf E͑phron, und Abraham wog E͑phron den Kaufpreis dar, von dem er im Beisein der Kinder Ḥeths gesprochen hatte: vierhundert Šeqel Silber im Handel gangbar. Er nahm von ihm nur richtige Centenare. Es gibt nämlich [Leute], die auch den gewöhnlichen Šeqel Centenar nennen.
4Es heißtgewöhnliches Mehl und es heißt feines Mehl? R. Jiçḥaq erklärte: Hieraus, daß eine Frau gegen Gäste geiziger istals ein Mann.
5Es heißt:knete und mache Kuchen, und es heißt: er holte Butter und Milch und das junge Rind; das Brot aber setzte er ihnen nicht vor.
6Ephrajim der Fragende, ein Schüler R. Meírs, erklärte im Namen R. Meírs: Unser Vater Abraham aß Profanes unter Beobachtung der [levitischen Reinheitsgesetze, und unsere Mutter Sara bekam an jenem Tage ihre Menstruation.
7Sie sprachen zu ihm: Wo ist deine Frau Sara? Da antwortete er ihnen: Drinnen im Zelte. Dies bekundet, daß unsere Mutter Sara keusch war. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, nach anderen R. Jiçḥaq: Die Dienstengel wußten, daß unsere Mutter Sara im Zelte war, nur fragten sie deshalb, um sie ihrem Ehemanne beliebtzu machen.
8R. Jose b. R. Ḥanina erklärte: Um ihr den Kelch des Segensspruches zu senden. Im Namen R. Joses wurde gelehrt: Weshalb stehen Punkte über den Buchstaben ejv[des Wortes] eljv [ihm]? Die Tora lehrt eine Lebensregel, daß man sich nach dem Wohlbefinden der Hauswirtin erkundige. – Šemuél sagte ja aber, daß man sich nach dem Wohlbefinden einer Frau überhaupt nicht erkundige!? – Anders ist es, wenn durch ihren Ehemann.
9Nachdem ich welk geworden bin, sollte ich noch der Liebe pflegen. R. Ḥisda sagte : Nachdem das Fleisch welk geworden war und zahlreiche Runzeln gehabt hatte, wurde das Fleisch wieder geschmeidig; die Runzeln wurden geglättet und die Schönheit kehrte zurück.
10Es heißt:und mein Herr ist alt, und es heißt:und ich bin alt; der Heilige, gepriesen sei er, berichtete also nicht das, was sie gesprochen hatte? –
11In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Bedeutend ist der Friede, daß sogar der Heilige, gepriesen sei er, seinetwegen [ein Wort] geändert hat; es heißt:und Sara lachte in ihrem Innern &c. und mein Herr ist alt, und darauf heißt es: da sprach der Herr zu Abraham &c. und ich bin alt.
12Und sie sprach: Wer hätte je zu Abraham gesagt, daß Sara Kinder säugen würde. Wieviel Kinder säugte denn Sara!? R. Levi erklärte: An jenem Tage, an dem Abraham seinen Sohn Jiçḥaq entwöhnte, veranstaltete er ein großes Gastmahl. Da räsonnierten alle Völker der Welt und sprachen: Habt ihr gesehen, dieser Greis und diese Greisin haben einen Findling von der Straße heimgebracht, sagen, er sei ihr Sohn, und sie veranstalten sogar ein großes Gastmahl, um ihre Worte zu bekräftigen.
13Was tat nun unser Vater Abraham? Er ging und lud alle bedeutenden Leute des Zeitalters ein, und Sara lud ihre Frauen ein. Von diesen brachte jede ihr Kind mit, ohne jedoch die Amme mitzunehmen. Da geschah ein Wunder an unserer Mutter Sara, daß ihre Brüste sich wie zwei Quellen öffneten, und die säugte sie alle. Aber noch immer räsonnierten sie und sprachen: Wenn schon die neunzigjährige Sara geboren hat, sollte auch der hundertjährige Abraham gezeugt haben!? Sogleich verwandelte sich das Gesicht Jiçḥaqs und glich dem des Abraham. Hierauf hüben sie alle an und sprachen :Abraham zeugte den Jiçḥaq.
14Bis Abraham gab es kein Altern; wer mit Abraham sprechen wollte, sprach mit Jiçḥaq, und wer mit Jiçḥaq sprechen wollte, sprach mit Abraham. Da kam Abraham und flehte um Erbarmen, und das Altern entstand, denn es heißt:Abraham war alt geworden und wohlbetagt.
15Bis Ja͑qob gab es keine Krankheit, da kam Ja͑qob und flehte um Erbarmen, und die Krankheit entstand, denn es heißt :da berichtete man Joseph: dein Vater liegt krank. Bis Eliša gab es keinen, der krank war und wieder genas, da kam Eliša͑, flehte um Erbarmen und genas, denn es heißt :als Eliša͑ in die Krankheil verfallen war, an der er sterben sollte, demnach war er bereits einer anderen Krankheit verfallen.
16Die Rabbanan lehrten: Dreimal erkrankte Eliša͑; einmal, weil er Geḥzimit beiden Händen fortstieß; einmal, weil er Bären auf die Kinderhetzte; und einmal, infolgedessen er starb, denn es heißt: als Eliša͑ in die Krankheit verfallen war, an der er sterben sollte.
17BEVOR SIE NOCH DIE ARBEIT ANFANGEN, GEH HIN UND SAGE IHNEN: UNTER DER BEDINGUNG, DASS IHR VON MIR NUR BROT UND HÜLSENFRÜCHTE ZU BEANSPRUCHEN HABT &C. R. Aḥa, Sohn des R. Joseph, fragte R. Ḥisda : Heißt es Brot aus Hülsenfrüchtenoder Brot und Hülsenfrüchte? Dieser erwiderte: Bei Gott, das ‘und’ ist hier so notwendig wie ein Bootshaken auf dem Labruth.
18R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGTE : ER BRAUCHTE DIES NICHT ZU SAGEN, DENN MAN RICHTE SICH BEI ALLEM NACH DEM LANDESBRAUCHE. Was Schließt das ‘bei allem’ ein? – Dies schließt folgende Lehre ein: Wenn jemand einen Löhner gemietet und zu ihm gesagt hat: wie diesem oder jenem der Stadtleute, so zahle er ihm den niedrigsten der [üblichen] Löhne – so R. Jehošua͑; die Weisen sagen, den durchschnittlichen.
19FOLGENDE DÜRFEN NACH DER TORA ESSEN: WER BEI AM BODEN HAFTEN DEM BEI DER ABSCHLUSSARBEITARBEITET, UND WER BEI VOM BODEN GETRENNTEM VOR DER ABSCHLUSSARBEITARBEITET, ABER NUR BEI BODEN ERZEUGNISSEN. FOLGENDE DÜRFEN NICHT ESSEN: WER BEI AM BODEN HAFTENDEM
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.