Bava Mezia — Blatt 92a
1und das Gehen gleicht dem Arbeiten.
2EBENSO EIN ESEL, WENN ER ABGELADEN WIRD. Wovon sollte er, wenn er abgeladen wird, fressen!? — Lies: bis er abgeladenwird. Wir lernen also das, was die Rabbanan gelehrt haben: Ein Esel und ein Kamel dürfen von dem fressen, was sie auf dem Rücken haben, nur darf man nicht mit der Hand nehmen und ihnen zu fressen geben.
3DER LÖHNER DARF SOGAR FÜR EINEN DENAR GURKEN AUFESSEN, SOGAR FÜR EINEN DENAR GETROCKNETE DATTELN. R. ELEA͑ZAR ḤASMA SAGT, DER LÖHNER DÜRFE NICHT MEHR ESSEN ALS SEIN LOHN BETRÄGT. DIE WEISEN ERLAUBEN DIES; DOCH BELEHRE MAN EINEN MENSCHEN, KEIN FRESSER ZU SEIN, DENN ER WÜRDE DIE TÜR VOR SICH ABSCHLIESSEN.
4GEMARA. Die Weisen lehren ja dasselbe, was der erste Autor!? — Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen hinsichtlich der Belehrung; der erste Autor hält nichts von der Belehrung, die Weisen halten wohl von der Belehrung.
5Wenn du aber willst, sage ich: einen Unterschied gibt es zwischen ihnen hinsichtlich einer Lehre R. Asis, denn R. Asi sagte: Selbst wenn er ihn gemietet hat, nur eine Rebe zu winzern, darf er sie aufessen. Ferner sagte R. Asi: Selbst wenn er nur eine Rebe gewinzerthat, darf er sie aufessen.
6Und beides ist nötig. Würde er nur das erste gelehrt haben, so könnte man glauben, weil nichts zurückbleibt, in das Gefäß des Eigentümerszu legen, wenn aber vorhanden ist, in das Gefäß des Eigentümerszu legen, lege er es zuerst hinein und esse nachher.
7Und würde er nur das andere gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er später hineinlegenkann, nicht aber, wenn er später nichts hineinlegenkann. Daher ist beides nötig.
8Wenn du aber willst, sage ich: ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich einer Lehre Rabhs. Rabh sagte nämlich, er habe bei R. Ḥija eine Geheimrollegefunden, in der geschrieben stand: Isi b. Jehuda erklärte: Wenn du in den Weinberg deines Nächsten kommst, die Schrift spricht von jedem Menschender hineinkommt.
9Hierzu sagte Rabh: Isi läßt keinem Menschen seinen Lebensunterhalt.
10R. Aši sagte: Ich trug diese Lehre R. Kahana vor, und er erwiderte mir: vielleicht in dem Falle, wenn sie für das Essenarbeiten. — Und die Rabbanan? — Jeder mietet lieber Arbeiter, die ihm den Obstgarten pflücken, als daß alle Welt komme und ihn aufesse.
11Sie fragten: Ißt der Löhner seinesoder des Himmels? —
12In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? — Wenn er sagt, daß man es seiner Frau und seinen Kindern gehe; wenn du sagst, er esse seines, so gehe man es ihnen, wenn du aber sagst, er esse des Himmels, so hat der Allbarmherzige es nur ihm selbst zuerkannt, nicht aber seiner Frau und seinen Kindern. —
13Komm und höre: Der Löhner darf sogar für einen Denar Gurken aufessen, sogar für einen Denar Datteln. Wieso dürfte er nun, wenn du sagen wolltest, er esse seines, für einen Zuz essen, wenn er für ein Danakagemietet ist!? — Auch wenn er des Himmels ißt, ist ja ebenfalls einzuwenden: er ist für ein Danaka gemietet und ißt für einen Zuz!? Du mußt also erklären, der Allbarmherzige hat es ihm zugesprochen, ebenso hat es ihm der Allbarmherzige auch in diesem Falle zugesprochen. —
14Komm und höre: R. Elea͑zar Ḥasma sagt, der Löhner dürfe nicht mehr essen als sein Lohn beträgt. Die Weisen erlauben dies. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: nach der einen Ansicht ißt er seinesund nach der anderen Ansicht ißt er des Himmels. —
15Nein, alle sind der Ansicht, er esse seines, und sie streiten vielmehr über [das Wort] nach deinem Belieben, nach der einen Ansicht ist auszulegen: nach deinem Belieben, soweit er sein Beliebenopfert,
16und nach der anderen Ansicht ist auszulegen: nach deinem Belieben, wie du freibist, wenn du dir das Maul schließest, ebenso ist man wegen des Maulschließens des Löhners frei. —
17Komm und höre: Wenn ein Nazirgesagt hat, daß man sieseiner Frau und seinen Kindern gebe, so höre man nicht auf ihn. Weshalb höre man nicht auf ihn, wenn du sagen wolltest, er esse seines? — Aus dem Grunde, weil man zu sagen pflegt: Weiter, weiter, Nazir, herum, herum, nähere dich nicht dem Weinberge. —
18Komm und höre: Wenn ein Löhner sagt, daß man sieseiner Frau und seinen Kindern gebe, so höre man nicht auf ihn. Weshalb höre man nicht auf ihn, wenn du sagen wolltest, er esse seines? — Unter Löhner ist ein Nazir zu verstehen. — Es wird ja aber vom Nazir besonders und vom Löhner besonders gelehrt!? — Wird denn beides nebeneinander gelehrt!? —
19Komm und höre: Woher, daß man auf den Löhner nicht höre, wenn er sagt, daß man es seiner Frau und seinen Kindern gebe? Es heißt:aber in dein Gefäß darfst du nichts tun. Wolltest du sagen, hier werde ebenfalls von einem Nazir gesprochen, so braucht dies ja nicht entnommen zu werden aus [den Worten]: aber in dein Gefäß darfst du nichts tun, sondern weil man zu sagen pflegt: Weiter, weiter, Nazir!? —
20Dem ist auch so, da er aber von diesem als Löhner spricht, so führt er den Schriftvers vom Löhner an. —
21Komm und höre: Wenn jemand einen Löhner zum Trocknen von Feigen mietet,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.