Bechorot — Blatt 10a
1Wieso wird demnach hinsichtlich des Fleisches in Milch begründet: weil es eine Zeit der Tauglichkeit hatte, es sollte doch schon der Umstand ausreichend sein, weil es eine Speise ist, die man anderen zu essen geben darf!?
2Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Jehuda sagte im Namen R. Šimo͑ns : Fleisch in Milch ist zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt, denn hierbei heißt es:du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott, und dortheißt es: heilige Leute sollt ihr mir sein; wie es dort zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt ist, ebenso ist es auch hier zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt. –
3Zu diesem Grunde führt er noch einen anderen an; erstens ist es eine Speise, die man anderen zu essen geben darf, und zweitens hatte es auch für ihn selbst eine Zeit der Tauglichkeit.
4Wenn man nun sagen wollte, R. Šimo͑n erlaube es nach dem Genickbrechen, so sollte er doch lehren, R. Šimo͑n pflichte bei hinsichtlich des Erstlings eines Esels und des Fleisches in Milch, daß sie als Speisen verunreinigungsfähig sind!? –
5Wenn er es beabsichtigthat, ist dem auch so, hier aber handelt es sich um den Fall, wenn er es nicht beabsichtigt hat. –
6Weshalb ist es demnach nach den Rabbanan verunreinigungsfähig? – Die Jünger erklärten vor R. Šešeth, im Verbote liege seine Bedeutung. –
7Sagen wir denn nach den Rabbanan, im Verbote liege seine Bedeutung, wir haben ja gelernt: dreizehn Dinge sagten sie vom Aase eines reinen Vogels, und dies ist eines davon; es benötigt der Beabsichtigungund benötigt nicht der Befähigung.
8Wozu ist, wenn im Verbote seine Bedeutung besteht, die Beabsichtigung erforderlich!? – Hier ist die Ansicht R. Šimo͑nsvertreten. –
9Komm und höre: Das Aas eines unreinen Viehs überall, und das Aas eines reinen Vogels und Talg in Dörfern benötigen der Beabsichtigung, und sie benötigen nicht der Befähigung. Wozu ist, wenn du sagst, im Verbot liege seine Bedeutung, die Beabsichtigung nötig? – Hier ist die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten. –
10Komm und höre : Das Aas eines reinen Viehs überall, und das Aas eines reinen Vogels und Talg in den Straßen benötigen nicht der Beabsichtigung noch der Befähigung. Das eines unreinen benötigt demnach der Befähigung.
11Wolltest du sagen, hier sei die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten, so ist ja, wenn der Schlußsatz die Ansicht R. Šimo͑ns lehrt, der Anfangsatz nicht von R. Šimo͑n. Der Schlußsatz lehrt nämlich: R. Šimo͑n sagt, auch das Kamel, der Hase, das Kaninchen und das Schwein benötigen weder der Beabsichtigung noch der Befähigung, weil sie Merkmale der Reinheit haben. –
12Vielmehr, erwiderte Raba, alle sind der Ansicht, wir sagen nicht, im Verbote liege seine Bedeutung; hat er ihm das Genick gebrochen, so ist dem auch so,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.