Bechorot — Blatt 12a

1MAN DARF NICHT MIT EINEM KALBE AUSLÖSEN, NICHT MIT EINEM WILDE, NICHT MIT GESCHLACHTETEM, NICHT MIT TOTVERLETZTEM, NICHT MIT EINEM MISCHLINGEUND NICHT MIT EINEM KOJ. R. ELIE͑ZER ERLAUBT ES MIT EINEM MISCHLINGE, WEIL ESEIN LAMM IST, UND VERBIETET ES MIT EINEM KOJ, WEIL ES ZWEIFELHAFTES IST. HAT MAN ESDEM PRIESTER GEGEBEN, SO DARF DER PRIESTER ES NICHT [LEBEND] HALTEN, BIS ER DAFÜR EIN LAMM ABSONDERT.

2GEMARA. Wer ist [der Autor] unsrer Mišna? – Es ist Ben Bag Bag, denn es wird gelehrt: Ben Bag Bag sagte: Hierheißt es Lamm und dortheißt es Lamm, wie dort all diese genannten ausgeschlossen sind, ebenso sind auch hierbei all diese genannten ausgeschlossen.

3Demnach sollte es, wie es dort männlich, fehlerfrei und einjährig sein muß, auch hierbei männlich, fehlerfrei und einjährig sein müssen!? Eis heißt [zweimal] auslösen, auslösen, und dies ist einschließend. –

4Wenn [die Wiederholung des Wortes] auslösen einschließend ist, so sollten auch jene alle eingeschlossen sein!? – Welche Bedeutung hätte dann [die Wortanalogie] Lamm.

5Sie fragten : Darf man mit einer Schlitzgeburt auslösen? Nach R. Meír ist dies nicht fraglich, denn da nach R. Meír die Schlitzgeburt der Schlachtung benötigt, so ist sie ein richtiges Lamm, fraglich ist es nur nach den Rabbanan, welche sagen, die Schlachtung der Mutter mache sie rein : g

6leicht sie dem Fleische im Korbe, oder aber ist sie, da sie immer hin und her läuft, Lamm zu nennen?

7Mar Zuṭra sagte, man dürfe damit nicht auslösen, und R. Aši sagte, man dürfe damit auslösen.

8R. Aši sprach zu Mar Zuṭra: Wohl aus dem Grunde, weil du es vom Pesaḥopferfolgerst, demnach sollte es, wie dieses männlich, fehlerfrei und einjährig sein muß, auch hierbei männlich, fehlerfrei und einjährig sein müssen!? – Es heißt [zweimal] auslösen, auslösen, und dies ist einschließend. –

9Wenn [die Wiederholung des Wortes] auslösen einschließend ist, so sollte es auch von der Schlitzgeburt gelten!? – Welche Bedeutung hätte demnach [die Wortanalogie] Lamm.

10Sie fragten : Darf man mit einem Abnormenauslösen? Nach R. Elie͑zer ist dies nicht fraglich, wenn man mit einem Mischling auslösen darf, so darf man dies um so mehr mit einem Abnormen,

11fraglich ist es nur nach den Rabbanan : darf man nur mit einem Mischling nicht auslösen, wohl aber mit einem Abnormen, oder aber gibt es hierbei keinen Unterschied? –

12Komm und höre : Hat eine Kuh Ziegenartiges geworfen, so darf man damit nicht auslösen. Demnach darf man, wenn ein Schaf Ziegenartiges geworfen hat, damit auslösen. Nach wessen Ansicht, wenn nach R. Elie͑zer, so darf man ja auch mit einem Mischling auslösen, doch wohl nach den Rabbanan. –

13Nein, tatsächlich nach R. Elie͑zer, denn dies eben lehrt er uns, daß man nämlich, wenn eine Kuh Ziegenartiges geworfen hat, damit nicht auslösen darf; man sage nicht, man richte sich nach diesem selbst, und es ist eine richtige Ziege, vielmehr richte man sich nach der Mutter, und es ist ein Kalb. –

14Komm und höre: Rabba b. Šemuél lehrte: Welches heißt Mischling? Wenn ein Schaf Ziegenartiges geworfen hat und der Vater ein Schafbock ist. Wenn der Vater ein Schafbock ist, so ist es ja kein Mischling, sondern ein Abnormes!? Vielmehr, was ist das, was dem Mischlinge gleicht, das die Rabbanan dem Mischlinge gleichgestellt haben? Wenn ein Schaf Ziegenartiges geworfen hat und der Vater ein Schafbock ist.

15In welcher Hinsicht: wenn hinsichtlich der Heiligung, so wird ja, woher der Mischling ausgeschlossen wird, auch das Abnorme ausgeschlossen!? Es wird nämlich gelehrt: Rind oder Schaf, ausgenommen der Mischling; oder eine Ziege, ausgenommen das Abnorme.

16Wenn hinsichtlich der Erstgeburt, so sagt ja der Allbarmherzige :nur das Erstgeborene eines Rindes, nur wenn es selbst ein Rind ist und sein Erstgeborenes ein Rind ist.

17Und wenn hinsichtlich des Zehnten, so ist es ja durch [das Wort] untervom Heiligen zu folgern. Doch wohl hinsichtlich des Erstlings eines Esels. –

18Nein, tatsächlich hinsichtlich des Zehnten, und zwar wenn es manche Kennzeichenhat ; man könnte glauben, man folgere durch [das Wort] vorüberziehenvon der Erstgeburt,

19so lehrt er uns, daß man durch [das Wort] unter vom Heiligen folgere.

20Sie fragten: Darf man mit untauglich gewordenen Opfertieren auslösen?

21Nach R. Šimo͑n ist dies nicht fraglich, denn er sagt, es sei zur Nutznießung erlaubt, somit ist es profan, fraglich ist es nur nach R. Jehuda, welcher sagt, es sei zur Nutznießung verboten.

22Wie ist es: kann, da es zur Nutznießung verboten ist, ein Verbot sich nicht auf Verbotenes erstrecken,

23oder aber ist, da die Lösungnicht erfaßt wird, dies nichts weiter als ein Ausscheiden des Verbotes.

24R. Mari, Sohn des R. Kahana, erwiderte : Ist denn zu unterschätzen, was von ihnen geschrieben steht :wie Hirsch und Reh!? Wie man mit Hirsch und Reh nicht auslösen kann, ebenso kann man mit untauglich gewordenen Opfertieren nicht auslösen.

25Da du nun darauf gekommen bist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.