Bechorot — Blatt 14b

1Dürfen sie fehlerfrei ausgelöst werden oder dürfen sie fehlerfrei nicht ausgelöst werden? –

2Komm und höre: Wenn man mit bleibendem Fehler behaftete [Tiere] für den Altar erfassen ließ und sie geworfen haben, so sind [die Jungen] fehlerfrei zu verkaufen, denn die Heiligkeit erstreckt sich nicht auf diese, weil es bei der Nebensachenicht strenger sein darf als bei der Hauptsache.

3Nur aus dem Grunde, weil es bei der Nebensache nicht strenger sein darf als bei der Hauptsache, hat man aber ein Männchen wegen seines Geldwertesgeweiht, ist es sachlich heilig. Dies ist somit eine Stütze für Raba, denn Raba sagte, wenn man ein Männchen wegen seines Geldwertes geweiht hat, sei es selbst heilig.

4WER SIE AUSSERHALB SCHLACHTET, IST FREI. R. Elea͑zar lehrte : schuldig, und er bezieht es auf eine Privatanhöhe.

5R. Elea͑zar sagte nämlich: Woher, daß, wer zur Zeit, wo die Anhöhen erlaubt sind, ein fehlerbehaftetes Vieh auf einer Privatanhöhe schlachtet, ein Verbot übertrete? Es heißt :du sollst dem Herrn, deinem Gott, kein Rind oder Schaf schlachten, und da dies nicht auf eine öffentliche Anhöhezu beziehen ist, denn es heißt :ein blindes oder gebrochenes &c., so beziehe man es auf eine Privatanhöhe. –

6Vielleicht aber: da es nicht auf Geheiligtes zu beziehen ist, so beziehe man es auf das Erstgeborene!? Man könnte glauben, daß es, da es fehlerbehaftet heilig ist, auch fehlerbehaftet dargebracht werde, so lehrt er uns, daß dem nicht so ist. –

7Ich will dir sagen, vom Erstgeborenen heißt es ausdrücklich :lahm oder blind darfst du es nicht schlachten. –

8Vielleicht aber: da es nicht auf Geheiligtes zu beziehen ist, so beziehe man es auf den Zehnten!? Man könnte nämlich glauben, daß es, da es fehlerbehaftet heilig ist, denn es heißt :er soll zwischen gut und schlecht nicht untersuchen, auch fehlerbehaftet dargebracht werde, so lehrt er uns, daß dem nicht so ist. –

9Ich will dir sagen, hinsichtlich des Zehnten ist es ebenfalls durch [den Ausdruck] vorüberziehenvom Erstgeborenen zu folgern. –

10Vielleicht aber beziehe man es auf das Eingetauschte des Geheiligten!? Man könnte nämlich glauben, daß es, da es fehlerbehaftet heilig ist, denn es heißt :er darf es nicht vertauschen und nicht einwechseln &c., auch fehlerbehaftet dargebracht werde, so lehrt er uns, daß dem nicht so ist. –

11Die Schrift sagt:so sei es und das Eingetauschte heilig, man vergleiche das Eingetauschte mit ihm; wie es selbst nicht fehlerbehaftet, ebenso das Eingetauschte nicht fehlerbehaftet.

12R. Zee͑ra wandte ein: Vielleicht beziehe man es auf die Jungen des Geheiligten!? Man könnte nämlich glauben, da sie fehlerbehaftet durch ihre Mutter heilig sind, seien sie auch fehlerbehaftet darzubringen, so lehrt er uns, daß dem nicht so ist.

13Raba erwiderte : Dies hat bereits der Autor der Schule R. Jišma͑éls entschieden, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt :Nur deine Heiligtümer, die du haben wirst, und deine Gelübde. Nur deine Heiligtümer, das sind die Eingetauschten; die du haben wirst, das sind die Jungen; und deine Gelübde, die Schrift hat sie mit dem Gelobten verglichen: wie das Gelobte nicht fehlerbehaftet, ebenso auch diese nicht fehlerbehaftet.

14SIE ÜBERTRAGEN NICHT [DIE HEILIGKEIT] AUF DAS EINGETAUSCHTE. Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt: er soll es nicht vertauschen und nicht einwechseln &c.; wenn du sagst, nicht ein schlechtes auf ein gutes, um wieviel weniger ein gutes auf ein schlechtes!? Vielmehr: was vorher gut war, erfaßt das Eingetauschte, was vorher schlecht war, erfaßt das Eingetauschte nicht.

15WENN SIE VERENDEN, SIND SIE AUSZULÖSEN. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dies ist die Ansicht des R. Šimo͑n, welcher sagt, Heiliges des Altars war einbegriffen hinsichtlich des Hinstellens und Schätzens, Heiliges des Tempelreparaturfonds’ war nicht einbegriffen hinsichtlich des Hinstellens und Schätzens.

16Wir haben nämlich gelernt: R. Šimo͑n sagte: Heiliges des Tempelreparaturfonds’ ist, wenn es verendet, auszulösen. Jedoch pflichtet R. Šimo͑n bei, daß es, wenn es von vornherein fehlerbehaftet war, auszulösensei. Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt:es, das es schließt das von vornherein fehlerbehaftete aus.

17Die Weisen aber sagen, wenn es verendet, sei es zu begraben. – Wer sind die Weisen? – Es ist der Autor aus der Schule Levis, denn in der Schule Levis wurde gelehrt: Alle waren einbegriffen hinsichtlich des Hinstellens und Schätzens, auch das von vornherein fehlerbehaftete.

18Ebenso lehrte Levi in seiner Barajtha: selbst das Wild und selbst das Geflügel. – Es heißt ja es!? – Das es ist nach dem Autor der Schule Levis nicht zu erklären. –

19Nach den Rabbanan aber, die gegen R. Šimo͑n streiten, ist es also, wenn es verendet, auszulösen, demnach sollte es ja heißen:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.