Bechorot — Blatt 15a

1dies ist die Ansicht R. Šimo͑ns und seiner Gegner!? –

2Ich will dir sagen, Rabh ist der Ansicht des R. Šimo͑n b. Laqiš, welcher sagt, nach den Rabbanan war Heiliges des Tempelreparaturfonds’ hinsichtlich des Hinstellens und Schätzens einbegriffen, und Heiliges des Altars hinsichtlich des Hinstellens und Schätzens nicht einbegriffen. Unsere Mišna ist aber nicht den Rabbanan zu addizieren, denn diese lehrt im Schlußsatze, wenn sie verenden, seien sie zu begraben. –

3Woher, daß sie, wenn sie verenden, deshalb zu begraben sind, weil sie des Hinstellens und Schätzens benötigen, vielleicht deshalb, weil man nicht Heiliges auslösen darf, um es Hunden zum Fressen zu geben!? – Ich will dir sagen, wenn dem so wäre, so sollte er doch lehren: werden sie totverletzt, so sind sie zu begraben.

4Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich ist Rabh der Ansicht R. Joḥanans, und man lehre auch: dies ist die Ansicht R. Šimo͑ns und seiner Gegner.

5WENN DIE HEILIGUNG VOR &C. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Hirsch, wie ein Hirsch erstgeburtsfrei ist, ebenso sind untauglich gewordene Opfertiere erstgeburtsfrei.

6Ich könnte das Erstgeborene ausschließen und nicht die Priestergaben, so heißt es Reh; wie das Reh frei ist von der Erstgeburt und den Priestergaben, ebenso ist das untauglich gewordene Opfertier frei von der Erstgeburt und den Priestergaben.

7Demnach sollte, wie der Talg von Hirsch und Reh erlaubt ist, auch der Talg von untauglich gewordenen Opfertieren erlaubt sein!? – Es heißt nur, teilend.

8Der Meister sagte: Ich könnte das Erstgeborene ausschließen und nicht die Priestergaben. Weshalb? – Ich schließe das Erstgeborene aus, weil es nicht bei allen gleich ist, und ich schließe die Priestergaben nicht aus, weil sie bei allen gleich sind. Daher heißt es Reh.

9R. Papa sprach zu Abajje: Demnach sollte doch, wie bei Hirsch und Reh [das Gesetz vom] Vieh mit seinem Jungenkeine Geltung hat, auch bei untauglich gewordenen Opfertieren das Gesetz vom Vieh mit seinem Jungen keine Geltung haben!?

10Dieser erwiderte: Womit willst du es vergleichen: wenn mit Profanem, so gilt ja dabei [das Gesetz] vom Vieh mit seinem Jungen, und wenn mit den Opfertieren, so gilt auch dabei [das Gesetz] vom Vieh mit seinem Jungen.

11Dieser erwiderte: Demnach sollte man dies auch hinsichtlich des Talges sagen: womit willst du ihn vergleichen: wenn mit Profanem, so ist ja sein Talg verboten, und wenn mit den Opfertieren, so ist ihr Talg verboten!?

12Wahrscheinlich erklärst du: nur, nicht aber ihr Talg, ebenso erkläre: nur, nicht aber das Vieh mit seinem Jungen.

13Raba erwiderte: Das nur ist wegen [des Gesetzes] vom Vieh mit seinem Jungen nötig, und hinsichtlich des Talges ist es [aus dem Worte] Blut zu entnehmen. Es heißt nämlich:nur ihr Blut darfst du nicht essen;

14was heißt Blut: wollte man sagen, wirkliches Blut, so ist es ja nicht weniger als das Blut von Hirsch und Reh, und ist etwa das Blut von Hirsch und Reh erlaubt? Vielmehr ist unter Blut der Talg zu verstehen. –

15Sollte doch der Allbarmherzige ‘Talg’ schreiben!? – Würde der Allbarmherzige ‘Talg’ geschrieben haben, so könnte man glauben, man wende die Vergleichungan und man wende den Schriftvers an;

16man wende die Vergleichung an, es von der Ausrottung auszuschließen, denn der Schriftvers von der Ausrottung bezieht sich auf das Essen vom Talg eines Viehs, wie es heißt :denn wer Talg von einem Vieh ißt;

17und man wende den Schriftvers an, dies nur mit einem Verbote zu belegen. Daher nennt es der Allbarmherzige Blut, um zu sagen : wie das Blut mit der Ausrottung belegt ist, ebenso auch der Talg mit der Ausrottung. –

18Der Autor sagt ja aber: nur, nicht aber sein Talg!? –

19Er meint es wie folgt: hieße es nicht Blut, so würde ich gesagt haben: nur, nicht sein Blut, da es aber Blut heißt, so deutet es auf [das Gesetz] vom Vieh mit seinem Jungen.

20SIE WERDEN NICHT PROFAN. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Sollst du schlachten, aber nicht scheren; Fleisch, aber keinen Talg; du sollst essen, aber nicht für deine Hunde. Hieraus, daß man nicht Opfertiere auslösen darf, um sie Hunden zum Fressen zu geben. M

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.