Bechorot — Blatt 18a

1ist der Ansicht R. Jose des Galiläers, welcher sagt, wenn durch den Himmel, könne man präzisieren, und um so mehr, wenn durch Menschen.

2Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten. Findet man ihn genau zwischen zwei Städten, so hat das Genickbrechen nicht zu erfolgen. R. Elie͑zer sagt, beide bringen zwei Kälber. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: der erste Autor ist der Ansicht, man könne nichtpräzisieren, und R. Elie͑zer ist der Ansicht, man könne präzisieren. –

3Glaubst du: wieso hat, wenn der erste Autor der Ansicht ist, man könne nicht präzisieren, das Genickbrechen nicht zu erfolgen, sie sollten doch gemeinsam ein Kalb bringen und vereinbaren.

4Vielmehr sind nach diesen Autoren alle der Ansicht, man könne präzisieren, und hierbei streiten sie, ob dies nur von der nahen und nicht den nahen gilt. Der erste Autor ist der Ansicht, die nahe, nicht aber die nahen, und R. Elie͑zer ist der Ansicht, die nahe, und auch die nahen. –

5Wie bleibt es damit? R. Ḥija b. Abin erwiderte im Namen R. A͑mrams : Es wird gelehrt : Findet man ihn genau zwischen zwei Städten, so müssen, wie R. Elie͑zer sagt, beide zwei Kälber bringen; die Weisen sagen, sie bringen gemeinsam ein Kalb und vereinbaren.

6Welcher Ansicht sind die Rabbanan: sind die Rabbanan der Ansicht, man könne präzisieren, und dies gelte von der nahen und auch von den nahen, so sollten sie doch zwei bringen, und wenn von der nahen und nicht von den nahen, so sollten sie auch eines nichtbringen !? Wahrscheinlich sind die Rabbanan der Ansicht, man könne nicht präzisieren, selbst wenn durch Menschen. Schließe hieraus.

7R. TRYPHON SAGT, DER PRIESTER SUCHE SICH DAS BESSERE AUS. Was ist der Grund R. Tryphons? – Er ist der Ansicht, das kräftigere komme zuerst hervor.

8R. A͑QIBA SAGT, MAN SCHÄTZE &C. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Der Priester erhält das magerere. R. Ḥija b. Abba sprach zu R. Joḥanan: Wir haben ja gelernt, daß sie unter sich schätzen!? Dieser erwiderte : Als du noch in Babylonien Holzdatteln aßest, erklärten wir dies bereits aus dem Schlußsatze,

9denn der Schlußsatz lehrt: Verendet eines von ihnen, so müssen sie, wie R. Tryphon sagt, teilen; R. A͑qiba sagt, wer vom andren fordert, habe den Beweis zu erbringen. Wenn man nun sagen wollte, ‘unter sich schätzen’ heiße, sie teilen gleichmäßig, so sollten sie auch hierbei untereinanderteilen!? Vielmehr ist unter ‘schätzen’ zu verstehen, sie haben über das fettereunter sich abzumachen. Er kann nämlich zum Priester sagen: bringe den Beweis, daß dieses das Erstgeborene ist, und nimm.

10UND DAS ANDERE WEIDE, BIS ES EINEN LEIBESFEHLER BEKOMMT. ES IST ZU DEN PRIESTERGABEN PFLICHTIG; NACH R. JOSE ABER FREI. Was ist der Grund R. Meírs? R. Joḥanan erwiderte: Weil der Priester an ihn von beiden Seiten herantreten kann, denn er kann zu ihm sagen: Ist es das Erstgeborene, so gehört es mir ganz, und ist es nicht das Erstgeborene, so gib mir davon die, Priestergaben. –

11Was ist der Grund R. Joses? Raba erwiderte: Sie haben die, die noch nicht geeignet haben, denen gleichgestellt, die bereits geeignet haben. Obgleich es noch nicht in seine Handgekommen ist, ist es ebenso, als wäre es in seine Hand gekommen und hätte er es dem Jisraéliten fehlerbehaftet verkauft.

12R. Elea͑zar sagte: Alle stimmen überein über ein zweifelhaftes Erstgeborenes, von dem kein Eingetauschtes in der Hand des Priesters ist, daß es zu den Priestergaben pflichtig ist. –

13‘Alle’, die übereinstimmen, ist wohl R. Jose, und dies ist ja selbstverständlich!? R. Jose befreit ja nur da, wo Eingetauschtes in der Hand des Priesters ist, weil sie die, die noch nicht geeignet haben, denen gleichgestellt haben, die bereits geeignet haben, nicht aber, wo kein Eingetauschtes in der Hand des Priesters ist. –

14Man könnte glauben, der Grund R. Joses sei, weil er der Ansicht ist, er könnte, wenn man ihn zu den Priestergaben verpflichten würde, es zur Schur und zur Arbeit verwenden, auch wenn kein Eingetauschtes in der Hand des Priesters ist, so lehrt er uns. –

15Wieso kannst du dies sagen, er lehrt ja im Schlußsatze : denn R. Jose sagt, wenn Eingetauschtes in der Hand des Priesters ist, sei es frei von den Priestergaben ; nach R. Meír aber pflichtig.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.