Bechorot — Blatt 20b
1Nach seiner Lehre sagen wir nicht, es könne vor der Frist werfen, nach seiner Ansicht abersagen wir, es könne vor der Frist werfen.
2Wenn du aber willst, sage ich, wir sagen nicht, es könne [vor der Frist] werfen, und sie streiten, ob ein Teil des Tages als voller gilt. Nach seiner Ansicht sagen wir, ein Teil des Tages gelte als voller, nach seiner Lehre aber sagen wir nicht, ein Teil des Tages gelte als voller.
3«R. A͑qiba sprach: Ich komme nicht zu dieser Norm. Vielmehr, ist es sicher &c.» Welchen Unterschied gibt es zwischen R. A͑qiba und R. Jehošua͑?
4R. Ḥanina aus Sura erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, ob die Milch befreie. R. A͑qiba ist der Ansicht, die Milch befreie, denn man richte sich nach der Mehrheit der Tiere, und die meisten Tiere geben Milch nur dann, wenn sie geworfen haben, und R. Jehošua͑ ist der Ansicht, es gibt ja wenige, die Milch geben, auch wenn sie nicht geworfen haben. –
5Berücksichtigt R. Jehošua͑ denn die Minderheit, wir haben ja gelernt: Hatte sieeine Schwiegermutter, so braucht sie nichts zu berücksichtigen; verreiste sie, als diese schwanger war, so berücksichtigesie es. R. Jehošua͑ sagt, sie brauche es nicht zu berücksichtigen.
6Hierzu sagten wir, der Grund R. Jehošua͑s sei, weil er der Ansicht ist, die meisten Schwangeren gebären und die wenigsten abortieren, ferner besteht bei den Gebärenden die Hälfte aus männlichen und die Hälfte aus weiblichen [Kindern], somit verbinde man die Minderheit der Abortierenden mit der Hälfte der weiblichen [Kinder], sodaß die männlichen in der Minderheit sind, und die Minderheit berücksichtige man nicht!? –
7Vielmehr, man wende es um. Es wird auch gelehrt: Die Milch befreit – so R. Jehošua͑; R. A͑qiba sagt, die Milch befreie nicht.
8Die Rabbanan lehrten : Wenn eine Ziege drei Junge geworfen hat und die drei Jungen je drei Jungen geworfen haben, so kommen sie alle in die Hürde, um verzehntet zu werden. R. Šimo͑n sagte: Ich sah [eine Ziege], bei der eine solche Verzehntung innerhalb des Jahres erfolgt war. – Wozu lehrt er den Fall, wenn je drei, dies gilt ja auch dann, wenn eines von ihnen drei und die anderen je zweigeworfen haben!? –
9Da es bei einem von ihnen drei sein müssen, lehrt er von allen, wenn sie je drei geworfen haben. – Wozu müssen es überhaupt drei sein, sollte er [doch den Fall lehren], wenn alle je zwei geworfen haben und auch [die Mutter] selbst geworfenhat !?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.