Bechorot — Blatt 26b

1es zu halten, da es nicht eigentlich zur Sühne dargebracht wird, oder aber hält man es nicht, da auch ein Brandopfer sühnt, nämlich [die Übertretung] eines Gebotes. –

2Komm und höre: Hat jemand von einem fehlerfreien Erstgeborenen Wolle ausgerupft, so ist es, auch wenn es einen Fehler bekommen und man es geschlachtet hat, verboten. Nur wenn ausgerupft, ist es aber von selbst erfolgt, so ist es erlaubt, und um so mehr gilt dies von einem Brandopfer, das man nicht hält. –

3Auch wenn es von selbst erfolgt, ist es verboten, nur lehrt er deshalb ‘ausgerupft’, um dir die weitgehendere Ansicht A͑qabjas hervorzuheben, daß es bei einem fehlerbehafteten erlaubt ist, auch wenn man sie ausgerupft hat. –

4Wir haben ja aber ‘ausgefallen’ gelernt!? – Er lehrt ‘ausgefallen’, um die weitgehendere Ansicht der Rabbanan hervorzuheben, und er lehrt ‘ausgerupft’, um die weitgehendere Ansicht A͑qabjas hervorzuheben.

5DIE GELOCKERTE WOLLE &C. Was heißt: nicht [einheitlich] mit der Schurwolle erscheint? R. Elea͑zar erwiderte im Namen des Reš Laqiš: Wenn die Wurzel nach der Spitze gewendet ist. R. Nathan b. Oša͑ja erwiderte: Was sich nicht mit der Schurwolle lockt. –

6Weshalb erklärt Reš Laqiš nicht wie R. Nathan b. Oša͑ja? R. Ilea erwiderte: Reš Laqiš ist der Ansicht, es gebe keine Schurwolle ohne gelockerte Härchen.

7WIE LANGE MUSS DER JISRAÉLIT SICH MIT DEM ERSTGEBORENEN BEFASSEN? BEIM KLEINVIEH DREISSIG TAGE, BEIM GROSSVIEH FÜNFZIG TAGE. R. JOSE SAGT, BEIM KLEINVIEH DREI MONATE. SAGTE DER PRIESTER ZU IHM INNERHALB DIESER ZEIT, DASS ER ES IHM GEBE, SO DARF ER ES IHM NICHT GEBEN; WENN ES ABER FEHLERBEHAFTET IST UND ER ZU IHM SAGT, DASS ER ES IHM GEBE, UM ES ZU ESSEN, SO IST ES ERLAUBT. WENN ER ZUR ZEIT, WENN DER TEMPEL BESTEHT, ZU IHM SAGT, DASS ER ES IHM GEBE, ER WOLLE ES DARBRINGEN, UND ES FEHLERFREI IST, SO IST ES ERLAUBT.

8DAS ERSTGEBORENE IST JAHR FÜR JAHR ZU ESSEN, EINERLEI OB FEHLERFREI ODER FEHLERBEHAFTET, DENN ES HEISST : vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du es essen Jahr für Jahr. HAT ES INNERHALB DES JAHRES EINEN LEIBESFEHLER BEKOMMEN, SO DARF MAN ES VOLLE ZWÖLF MONATE HALTEN; WENN NACH ZWÖLF MONATEN, SO DARF MAN ES NUR DREISSIG TAGE HALTEN.

9GEMARA. Woher dies? R. Kahana erwiderte: Die Schrift sagt: die Erstgeborenen deiner Söhne sollst da mir geben; also tue mit deinem Schafe;

10mit deinem Getreide und deinem Moste sollst du nicht zögern; also tue mit deinem Rinde. –

11Vielleicht umgekehrt? – Es ist einleuchtend, daß das Erstere mit dem Ersteren und das Folgende mit dem Folgenden [zu vergleichen] ist. – Im Gegenteil, das Nebenstehende mit dem Nebenstehenden!?

12Raba erwiderte: Die Schrift sagt tue, damit hat die Schrift beim Rinde ein zweites Tun hinzugefügt. –

13Vielleicht sechzig!? – Die Schrift hat dies nur den Weisen überlassen.

14Ebenso wird auch gelehrt: Die Erstgeborenen deiner Söhne sollst du mir geben; also tue auch mit deinem Schafe. Man könnte glauben, auch mit deinem Rinde, so heißt es tue, die Schrift hat dir beim Rinde ein zweites Tun hinzugefügt, und die Schrift hat dies nur den Weisen überlassen.

15Hieraus folgerten sie: Wie lange muß der Jisraélit sich mit dem Erstgeborenen befassen? Beim Kleinvieh dreißig Tage und beim Großvieh fünfzig Tage. R. Jose sagt, beim Kleinvieh drei Monate, weil bei diesem die Mühewaltung größer ist. Es wird gelehrt: Weil es zarte Zähne hat.

16SAGT DER PRIESTER ZU IHM INNERHALB DIESER ZEIT, DASS ER ES IHM GEBE, SO DARF ER ES IHM NICHT GEBEN. Aus welchem Grunde? R. Šešeth erwiderte: Weil es den Anschein hat, als ob ein Priester auf der Tenne Hilfe leistet.

17Die Rabbanan lehrten : Priestern, Leviten und Armen, die bei den Hirten, auf den Tennen und in den Schlachthäusernhelfen, darf man nicht Hebe und Zehnten als Lohn geben. Tut man dies, so haben sie sie entweiht. Über sie spricht die Schrift :ihr habt den Band des Leviten verletzt. Ferner heißt es:ihr sollt die Heiligtümer der Kinder Jisraél nicht entweihen, daß ihr nicht sterbet. –

18Wozu ist das ‘ferner’nötig? – Man könnte glauben, sterben nicht, so heißt es: ihr sollt die Heiligtümer der Kinder Jisraél nicht entweihen, daß ihr nicht sterbet.

19Die Weisen wollten siemaßregeln, daß man sie hierfür Hebe vom ihrigen absondern lasse, jedoch haben sie sie nicht gemaßregelt, weil man dadurch dazu kommen könnte, von Freiemfür das Pflichtige abzusondern.

20Bei allem aber

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.