Bechorot — Blatt 29a
1WIE ILA IN JABNE, DEM DIE WEISEN ERLAUBTEN, VIER ASSAR FÜR EIN KLEINVIEH UND SECHS FÜR EIN GROSSVIEH ZU NEHMEN, EINERLEI OB FEHLERFREI ODER FEHLERBEHAFTET.
2GEMARA. Aus welchem Grunde? – Bei diesem ist die Mühe mehr und bei jenem ist die Mühe weniger.
3EINERLEI OB FEHLERFREI ODER FEHLERBEHAFTET. Allerdings für ein fehlerbehaftetes, weil er es erlaubt, weshalb aber für ein fehlerfreies? – Weil man ihn verdächtigen und sagen könnte, dieses (fehlerbehaftete) sei tatsächlich fehlerfrei, und nur wegen der Belohnung habe er es erlaubt. –
4Demnach könnte man doch auch bei einem fehlerfreien sagen, es sei fehlerbehaftet, und er habe es nur deshalb nicht erlaubt, damit er ein zweites Maleine Belohnung erhalte!? – Wegen eines Males haben die Rabbanan eine Vorsorge getroffen, wegen eines zweiten Males haben die Rabbanan keine Vorsorge getroffen.
5WER FÜR SEINE RECHTSPRECHUNG EINE BELOHNUNG NIMMT, DESSEN RECHTSPRECHUNG IST NICHTIG: WER FÜR SEINE ZEUGENAUSSAGE, DESSEN ZEUGENAUSSAGE IST NICHTIG; WER FÜR DAS BESPRENGENUND DAS WEIHEN, DESSEN [WEIH]WASSER IST HÖHLENWASSERUND DESSEN [GEWEIHTE] ASCHE IST HERDASCHE.
6WENN ERPRIESTER IST UND DABEI UNREIN GEWORDEN UND HEBE [ZU ESSEN] VERHINDERT IST, SO MUSS ER IHM SPEISE, TRANK UND SALBUNG GEBEN; IST ER ALT, SO LASSE ER IHN AUF EINEM ESEL REITEN. AUCH BEZAHLE ER IHN WIE EINEN LOHNARBEITER.
7GEMARA. Woher dies? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Die Schrift sagt:siehe, ich lehre euch &c.; wie ich umsonst, ebenso auch ihr umsonst.
8Ebenso wird gelehrt:Wie mein Gott, der Herr, mir geboten; wie ich umsonst, ebenso auch ihr umsonst. Woher, daß man, wenn man [keinen Lehrer] umsonst gefunden hat, für das Lehren bezahle? Es heißt: Wahrheit kaufe. Woher ferner, daß man nicht sage, wie ich gegen Belohnung gelernt habe, ebenso will ich gegen Belohnung lehren? Es heißt: Wahrheit kaufe und verkaufe nicht.
9WER FÜR DAS BESPRENGEN UND DAS WEIHEN, DESSEN [WEIH]WASSER IST HÖHLENWASSER UND DESSEN [GEWEIHTE] ASCHE IST HERDASCHE. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn jemand sich [eine Frau] antraut mit Entsündigungswasseroder mit Entsündigungsasche, so ist sie ihm angetraut, auch wenn er Jisraélitist!?
10Abajje erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines, wenn es mit dem Lohne für das Bringen und das Füllenerfolgt, und eines, wenn es mit dem Lohne für das Besprengen und das Weihen erfolgt.
11Dies ist auch zu beweisen, denn hier heißt es: für das Besprengen und das Weihen, dort aber heißt es: wenn jemand sich [eine Frau] antraut mit Entsündigungswasser oder mit der Entsündigungsasche. Schließe hieraus.
12WENN ER PRIESTER IST UND DABEI UNREIN GEWORDEN UND HEBE [ZU ESSEN] VERHINDERT IST &C. Wieso darf er überhaupt hingehen? –
13Auf einem Gräberpfluge, der nur rabbanitisch [unrein] ist. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs : Man blase auf einem Gräberpfluge [die Erde] wegund gehe weiter.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.