Bechorot — Blatt 32b

1Wozu schrieb der Allbarmherzige demnach: es soll nicht losgekauft werden? Wenn es auf das Gebannte nicht zu beziehen ist, so beziehe man es auf den Zehnten. – Vielleicht beziehe man es auf das Erstgeborene!? – Beim Zehnten wird wie bei diesem [der Ausdruck] loskaufen gebraucht.

2R. Aši erklärte: Nicht loskaufen, das beim Zehnten gebraucht wird, heißt: nicht verkaufen. R. Aši sprach: Dies entnehme ich aus folgendem : Es heißt : so soll es und das Eingetauschte heilig sein, es soll nicht losgekauft werden.

3Der Tausch erfolgt lebend, nicht losgekauft werden darf es lebend; nach dem Schlachten aber darf es losgekauft werden. Es benötigt ja aber des Hinstellens und des Schätzens!?

4Hieraus ist also zu entnehmen, daß nicht loskaufen nicht verkaufen heiße. –

5Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, Heiliges des Altars sei in der Vorschrift vom Hinstellen und Schätzen einbegriffen, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, Heiliges des Altars sei in der Vorschrift vom Hinstellen und Schätzen nicht einbegriffen!? –

6Wir meinen es wie folgt: gibt es denn etwas, das lebend nicht ausgelöst, geschlachtet aber ausgelöst werden darf? – Wieso denn nicht, lebend ist die Heiligkeit stärker, daher darf es nicht ausgelöst werden, geschlachtet ist die Heiligkeit leichter, daher darf es ausgelöst werden!? –

7Dies ist ja widersinnig: wenn es lebend, wo [die Heiligkeit] so stark ist, die Lösung zu erfassen, nicht ausgelöst werden kann, wie sollte es nach dem Schlachten, wo [die Heiligkeit] nicht so stark ist, die Lösung zu erfassen, ausgelöst werden können!? – Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß nicht loskaufen nicht verkaufen heißt. –

8Sollte doch der Allbarmherzige geschrieben haben: nicht verkaufen!? – Würde der Allbarmherzige geschrieben haben: nicht verkaufen, so könnte man glauben, nur verkaufen nicht, weil man dann dabei auf profane Weise verfährt, auslösen aber darf man es wohl, weil man den Erlös in das Heiligtum bringt. Daher schrieb der Allbarmherzige: nicht loskaufen, weder verkaufen noch auslösen.

9DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, EIN JISRAÉLIT DÜRFE NICHT BETEILIGT WERDEN MIT EINEM PRIESTER BEIM [VERZEHREN] DES ERSTGEBORENEN, DIE SCHULE HILLELS ERLAUBT DIES, SOGAR EIN NICUTJUDE.

10GEMARA. Wer ist [der Autor] unserer Mišna? – Es ist R. A͑qiba, denn es wird gelehrt: Beim [Verzehren] des Erstgeborenen darf nur eine ganz aus Priestern bestehende Gesellschaft beteiligt sein – so die Schule Šammajs; die Schule Hillels sagt, auch Gemeine. R. A͑qiba erlaubt sogar Nichtjuden. –

11Was ist der Grund der Schule Šammajs? – Es heißt :und ihr Fleisch sei dein &c.; wie danur Priester und kein Jisraélit, ebenso auch hier nur Priester und kein Jisraélit. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.