Bechorot — Blatt 36a

1R. Meír sagte nur, es sei zu befürchten, sagt er etwa, daß man sie dafür halte!?

2Sie fragten: Wie verhält es sich beim Erstgeborenen mit der Aussage eines Zeugen aus dem Munde eines Zeugen? – R. Athaj verbietet es und R. Aši erlaubt es. R. Athaj sprach zu R. Aši: In der Schule R. Menašes wurde ja gelehrt, die Aussage eines Zeugen aus dem Munde eines Zeugen sei nur bei einem Weibezulässig!? –

3Lies: nur bei einer Aussage, zu der ein Weib zulässig ist.

4R. Jemar erklärte beim Erstgeborenen die Aussage eines Zeugen aus dem Munde eines Zeugen als gültig. Da rief Meremar über ihn: Jemar, der Erstgeborene erlaubt. Die Halakha ist, die Aussage eines Zeugen aus dem Munde eines Zeugen ist beim Erstgeborenen gültig.

5R. Ilea͑ sagte: Wenn es von einem [Vieh] nicht bekannt war, daß es Erstgeborenes ist, und jemand kommt und sagt, es sei Erstgeborenes und habe einen Leibesfehler, so ist er glaubhaft. –

6Er lehrt uns damit, daß der Mund, der verboten gemacht hat, auch erlaubt machen könne, und dies haben wir ja bereits gelernt: Wenn eine Frau sagt, sie war Ehefrau und sei geschieden worden, so ist sie glaubhaft, denn derselbe Mund, der verboten macht, macht es erlaubt!? –

7Man könnte glauben, dies gelte nur da, denn wenn sie wollte, brauchte sie überhaupt nichts zu sagen, hierbei aber, wo es nicht angängig ist, überhaupt nichts zu sagen, denn er ißt nicht Heiligesaußerhalb,

8heiße es nicht, derselbe Mund, der verboten macht, macht es erlaubt, so lehrt er uns. Wenn dem so wäre, könnte er ihm einen kenntlichen Leibesfehlerbeibringen und es essen.

9Mar b. R. Aši wandte ein: Womit ist es hierbei anders als im folgenden Falle. Einst vermietete jemand seinem Nächsten einen Esel und sprach zu ihm: Geh nicht den Weg am Strome Peqod, denn dort ist Wasser, geh den Weg über Naraš, wo kein Wasser ist. Er aber ging den Weg am Strome Peqod, und der Esel verendete. Hierauf kam er und sagte: Ich ging den Weg am Strome Peqod, jedoch war da kein Wasser.

10Da entschied Raba: Er hat keinen Grund zu lügen, denn wenn er wollte, könnte er sagen, er sei den Weg über Naraš gegangen. Abajje aber sagte: Wo Zeugen vorhandensind, sagen wir nicht, er habe keinen Grund zu lügen. –

11Ist es denn gleich: da war entschieden Wasser vorhanden, aber hat er ihm hierbei etwa entschieden einen Leibesfehler beigebracht, es ist ja nur eine Befürchtung, und wo es sich um eine Befürchtung handelt, sagen wir, er habe keinen Grund zu lügen. Rabina saß und trug diese Lehre ohne Nennung von Personen vor. Da sprach Raba der Kleine zu Rabina: Wir lehren dies im Namen R. Ilea͑s.

12R. Çadoq hatte ein Erstgeborenes, und als er ihm einst Gerste in den Korbschüttete, wurde ihm beim Fressen die Lippe gespalten. Als er zu R. Jehošua͑ kam, sprach er: Unterscheiden wir zwischen einem Genossen und einem Menschen aus dem gemeinenVolke? Da sprach R. Jehošua͑ zu ihm: Freilich.

13Hierauf kam er zu R. Gamliél und sprach: Unterscheiden wir zwischen einem Genossen und einem Menschen aus dem gemeinen Volke? Da sprach R. Gamliél zu ihm: Nein. Jener entgegnete: R. Jehošua͑ sagte mir ja, man unterscheide? Dieser erwiderte: Warte bis die Schildträgerins Lehrhaus kommen.

14Als diese ins Lehrhaus kamen, stand der Fragende auf und fragte: Unterscheiden wir zwischen einem Genossen und einem Menschen aus dem gemeinen Volke? Da sprach R. Jehošua͑: Nein. Hierauf sprach R. Gamliél zu ihm: Man sagte mir ja in einem Namen, [man unterscheide] wohl!

15Jehošua͑, steh auf (auf deine Füße), und man soll gegen dich zeugen. Da stand R. Jehošua͑ auf (auf seine Füße) und sprach: Was ist nun zu machen; würde ich leben und er tot sein, so könnte der Lebende den Toten der Lüge zeihen; nun aber, da ich lebe und er ebenfalls lebt, wie kann der Lebende den Lebenden der Lüge zeihen!?

16R. Gamliél saß und trug vor, während R. Jehošua͑ auf seinen Füßen stand, bis das ganze Volk zu murren begann und dem Dolmetsch Ḥuçpith zurief: Höre auf. Da hörte er auf.

17DER PRIESTER IST ZU SAGEN GLAUBHAFT, ER HABE DIESES ERSTGEBORENE GEZEIGT, UND ES SEI FEHLERBEHAFTET.

18GEMARA. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Ein Priester ist zu sagen glaubhaft, dieses Erstgeborene habe ihm ein Jisraélit fehlerbehaftet gegeben. – Aus welchem Grunde? – Bei einer Sache, die sich später herausstellt, pflegt man nicht zu lügen. R. Aši sagte: Auch wir haben demgemäß gelernt: Der Priester ist zu sagen glaubhaft, er habe dieses Erstgeborene gezeigt, und es sei fehlerbehaftet. Doch wohl aus dem Grunde, weil wir sagen, bei einer Sache, die sich herausstellt, pflegt man nicht zu lügen. –

19Daaus dem Grunde, weil er nicht Heiliges außerhalb ißt, hierbei aber stehen sie im Verdachte, und sie sind verdächtig.

20R. Šezbi wandte ein: Wenn jemand einen, der hinsichtlich des Zehnten nicht glaubwürdig ist, beauftragt, für ihn etwas von einem zu kaufen, der glaubwürdig ist, oder von einem, der den Zehnten absondert, so ist dieser nicht glaubhaft. Weshalb denn, man sollte doch sagen, bei allem, was sich herausstellt, pflege man nicht zu lügen!? –

21Anders ist es da,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.