Bechorot — Blatt 37b

1Nur wenn ganz entwurzelt, nicht aber wenn beschädigt oder abgebrochen!? – Nur wenn es ein böser Leibesfehler ist, was hierbei nicht der Fall ist.

2Demnach sollte es auch von einem vorübergehenden Leibesfehler gelten, während wir gelernt haben: nicht aber an der Haut!? – Vom vorübergehenden Leibesfehler ist es einleuchtend: wenn man auf Grund eines solchen nicht einmal auslösen darf, wie sollte man daraufhin schlachten dürfen!?

3Es wird nämlich gelehrt:Wenn irgend ein unreines Vieh, wie man davon dem Herrn kein Opfer darbringen darf; die Schrift spricht von [ausgelösten] fehlerbehafteten. Du sagst, die Schrift spreche von ausgelösten fehlerbehafteten, vielleicht ist dem nicht so, sondern von einem wirklich unreinen Vieh!? Wenn es heißt: wenn vom unreinen Vieh, so wird ja vom unreinen Vieh gesprochen, wozu heißt es weiter: wie man davon kein Opfer darbringen darf? Sage, von fehlerbehafteten, die ausgelöst worden sind.

4Man könnte glauben, sie seien wegen eines vorübergehenden Leibesfehler auszulösen, so heißt es: wie man davon dem Herrn kein Opfer darbringen darf, die überhaupt nicht dargebracht werden dürfen, ausgenommen ein solches, das heute nicht dargebracht werden darf, wohl aber morgen.

5Wenn du aber willst, sage ich: wozu hieße es demnach lahm oder blind?

6WENN ES GESPALTEN IST, AUCH WENN NICHTS FEHLT. Die Rabbanan lehrten: Gespalten, irgendwie; verletzt, einerlei ob durch Menschenhände oder durch den Himmel. – Demnach nicht, wenn durch den Himmel gespalten? –

7Vielmehr, gespalten oder verletzt, einerlei ob durch den Himmel oder durch Menschenhände. – Wie groß muß die Verletzung sein? – Daß der Nagel daran haken bleibt.

8EIN LOCH GROSS &C. Die Rabbanan lehrten: Wie groß muß das Loch am Ohre sein? In der Größe einer Wicke. R. Jose b. R. Jehuda sagt, einer Linse. Was heißt verdorrt? Wenn man es durchsticht und kein Tropfen Blut herauskommt. R. Jose b. Hamešullam sagt, verdorrt, wenn es bröckelt.

9Es wird gelehrt: Ihre Ansichten sind nahezu einander ähnlich. – Wessen Ansichten: wollte man sagen, die des ersten Autors und des R. Jose b. Hamešullam, so ist ja der Unterschied groß!? – Vielmehr, die des ersten Autors und des R. Jose b. R. Jehuda. –

10Nur wie eine Linse, nicht aber kleiner als eine Linse; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Pfriemen, ich weiß dies vom Pfriemen, woher, daß auch Stachel, Dorn, Nadel, Bohrer und Griffel einbegriffen sind?

11Es heißt: du sollst nehmen, alles, was mit der Hand genommen werden kann – so R. Jose b. R. Jehuda. Rabbi sagte: Pfriemen, wie ein Pfriemen aus Metall ist, ebenso alles andre, was aus Metall ist.

12Und im Schlußsatze wird gelehrt: R. [Elea͑zar] sagte: Jodan Berabbi trug vor: Beim Bohren durchbohre man das Läppchen.

13Die Weisen sprachen: Ein hebräischer Sklave, der Priester ist, wird nicht angebohrt, weil er dadurch fehlerbehaftet wird; wieso wird, wenn du sagst, man durchbohre das Läppchen, ein Sklave, der Priester ist, dadurch fehlerbehaftet!? Vielmehr durchbohre man den Oberteil des Ohrs.

14R. Ḥana b. Qaṭṭina erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines hinsichtlich der Schlachtung und eines hinsichtlich der Untauglichmachung.

15Was heißt Wicke? R. Šerebja erwiderte:

16Hinda. R. Hoša͑ja fragte R. Hona den Großen: Daß eine Wicke hinein- und herauskommt, oder daß eine Wicke stecken bleibt? Dieser erwiderte: Dies habe ich nicht gehört, aber ähnliches habe ich gehört:

17Wir haben gelernt: Wenn vom Rückgrat oder vom Schädel etwas fehlt. Was gilt beim Rückgrat als Fehlen, um nicht mehr durch Bezeltung zu verunreinigen? Die Schule Šammajs sagt, zwei Wirbel; die Schule Hillels sagt, ein Wirbel. Und vom Schädel? Die Schule Šammajs sagt, die Dicke eines Bohrers; die Schule Hillels sagt, daß ein Lebender, wenn es von ihm genommen wird, sterben muß.

18R. Ḥisda saß und warf folgende Frage auf: Daß ein Lebender, wenn es von ihm genommen wird, sterben muß. Wieviel ist dies? R. Taḥlipha b. Evdämi sprach zu ihm: Folgendes sagte Šemuél: einen Sela͑ [groß].

19Es wurde gelehrt: R. Saphra sagt, er habe es ihm als [mündliche] Lehre gesagt, und R. Šemuél b. Jehuda sagt, er habe es ihm als aufgezeichnete Lehre gesagt. Als Merkzeichen diene dir: R. Šemuél b. Jehuda lehrte.

20Jener erwiderte: Demnachhast du ja die Ansicht der Schule Šammajs und die Ansicht der Schule Hillels zu einer und derselben gemacht!? Wir haben nämlich gelernt: Ein nicht durch Menschenhände entstandenes Lichtloch, in der Größe einer großen Faust. Das ist die Faust des Ben Baṭiaḥ. R. Jose sagte: Es gibt solche so groß wie ein großer Menschenkopf.

21Ist es durch Menschenhände entstanden, wenn es so groß ist wie die Dicke des großen Bohrers der Tempelkammer, nämlich wie ein italischerPondion oder ein neronischer Sela͑, und (es gibt)

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.