Bechorot — Blatt 38a

1so groß wie das Loch an der Jochdeichsel. Als er darauf schwieg, sprach R. Ḥisda zu ihm: Vielleicht lautet die Lehre: wie die des Bohrers und seiner Ausweitung.

2Hierauf sprach R. Taḥlipha zu ihm: Sage nicht vielleicht, sondern entschieden: wie die des Bohrers und seiner Ausweitung. Du kannst dich darauf verlassen, wie Ḥizqija, der Vater des I͑qqeš.

3Wir haben nämlich gelernt: Folgende Bekundung bekundete Ḥizqija, der Vater des I͑qqeš, vor R. Gamliél in Jabne im Namen R. Gamliéls des Älteren: Jedes Tongefäß, das kein Innereshat, hat kein Äußeres hinsichtlich der Teilung; wird sein Inneres unrein, so ist auch sein Äußeres unrein, wird sein Äußeres unrein, so ist auch sein Inneres unrein. –

4Beim Tongefäße hat es ja der Allbarmherzige vom Inneren abhängig gemacht: hat es ein Inneres, so wird es unrein, und hat es kein Inneres, so wird es nicht unrein!?

5R. Jiçḥaq b. Abin erwiderte: Er meint es wie folgt: Was beim Tongefäße kein Inneres hat, hat entsprechend beim Holzgefäßekein Äußeres hinsichtlich der Teilung; wird sein Inneres unrein, so ist auch sein Äußeres unrein, wird sein Äußeres unrein, so ist auch sein Inneres unrein. –

6Wozu die Anlehnung an das Tongefäß, sollte er doch sagen: was beim Holzgefäße kein Inneres hat, hat kein Äußeres hinsichtlich der Teilung!? –

7Folgendes lehrt er uns: hat es ein Inneres, so gleicht es einem Tongefäße: wie beim Tongefäße, wenn sein Inneres unrein wird, auch sein Äußeres unrein ist, und wenn sein Inneres nicht unrein wird, auch sein Äußeres nicht unrein ist, ebenso ist beim Holzgefäße, wenn sein Inneres unrein wird, auch sein Äußeres unrein, und wenn sein Inneres nicht unrein wird, auch sein Äußeres nicht unrein. –

8Allerdings sagt der Allbarmherzige beim Tongefäße ‘Inneres’, aber sagt etwa der Allbarmherzige ‘Inneres’ beim Holzgefäße!? –

9Bei einer Unreinheit nach der Tora ist demauch so, hier aber handelt es sich um die rabbanitische Unreinheit durch eine Flüssigkeit. Wir haben nämlich gelernt: Wird das Äußere eines Gefäßes durch Flüssigkeit unrein, so ist sein Äußeres unrein, sein Inneres, sein Rand, sein Henkel und sein Griff sind rein; wird aber sein Inneres unrein, so ist es vollständig unrein.

10Nach der Tora macht eine Speise kein Gefäß unrein und macht eine Flüssigkeit kein Gefäß unrein, nur haben die Rabbanan dies angeordnet, wegen der Flüssigkeit von männlichen oder weiblichen Flußbehafteten;

11daher haben die Rabbanan es der Unreinheit des Tongefäßes gleichgestellt und nicht der eigentlichen Unreinheit der Tora.

12Die Rabbanan haben nämlich hierbei ein Kennzeichengemacht, damit man nicht wegen dieser Hebe und Heiligesverbrenne. – Demnach sollten sie ein Kennzeichen machen, auch wenn es kein Inneres hat!? –

13Da sie ein Kennzeichen gemacht haben, wenn es ein Inneres hat, so weiß man, daß, wenn es kein Inneres hat, [die Unreinheit] rabbanitisch ist. –

14Ist denn ein Holzgefäß, wenn es kein Inneres hat, nach der Tora verunreinigungsfähig, es muß ja einem Sackegleichen: wie ein Sack beweglich ist und voll und leer sein kann, ebenso alles, was beweglich ist und voll und leersein kann!? –

15Solche, die es durch Auftretensein können. – Demnach sollte diesauch vom Tongefäße gelten!? – Bei Tongefäßen gibt es kein Auftreten.

16R. Papa erklärte: Wir haben esvon einem großen Bohrer gelernt. –

17Demnach ist unter einem gewöhnlichen Bohrer ein kleinerer als ein Sela͑ zu verstehen. Allerdings nach R. Meír, wie ist es aber nach den Rabbanan zu erklären!?

18Wir haben nämlich gelernt: Von welchem Bohrer sprechen sie? Wie R. Meír sagt, von einem kleinen der Ärzte; die Weisen sagen, von einem großen der Tempelkammer. –

19Stimmt es denn nach R. Meír, demnach wäre dies ja von den Erleichterungen der Schule Šammajs und den Erschwerungen der Schule Hillels, und diesgilt ja nur von solchen, von denen wir es gelernt haben, und nicht von denen wir es nicht gelernt haben!?

20R. Naḥman erwiderte: Wir haben nur von einem neronischen Sela͑ gelernt, daß er so [groß] wie ein großer Bohrer sei, ein gewöhnlicher Sela͑ aber ist kleiner als ein gewöhnlicher Bohrer.

21WENN EIN AUGENLID DURCHLÖCHERT IST, VERLETZT ODER GESPALTEN, ODER WENN AN SEINEM AUGE EIN HÄUTCHEN, EINE TRÜBUNG, EINE FÄRBUNG, EIN SCHLANGENFLECK ODER EIN WEINKERN IST. TRÜBUNG HEISST ES, WENN DAS WEISSE DIE IRIS UNTERBRICHT UND IN DAS SCHWARZE RAGT. RAGT DAS SCHWARZE IN DAS WEISSE, SO IST DIES KEIN LEIBESFEHLER.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.