Bechorot — Blatt 38b

1GEMARA. Was heißt Lid? R. Papa erwiderte: Die äußere Partie des Auges. HÄUTCHEN, TRÜBUNG. Die Rabbanan lehrten: Das tiefe Häutchenist ein Leibesfehler, das vorstehende Häutchenist kein Leibesfehler. –

2Es gibt ja aber eine entgegengesetzte Lehre!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt vom Schwarzen und eines gilt vom Weißen. – Beim Weißengilt es ja nicht als Leibesfehler!? – Vielmehr, eines gilt von einem weißen Häutchen und eines gilt von einem schwarzen Häutchen.

3Rabba b. Bar Ḥana sagte nämlich: R. Jošija aus Uša sagte mir, das schwarze vertiefte Häutchen sei ein Leibesfehler, das vorstehende sei kein Leibesfehler; das weiße vertiefte Häutchen sei kein Leibesfehler, das vorstehende sei ein Leibesfehler. Als Merkzeichen diene dir der Star.

4EINE FÄRBUNG, EIN SCHLANGENFLECK ODER EIN WEINKERN. Sie fragten: ist Färbung identisch mit Schlangenfleck, oder heißt es: Färbung oder Schlangenfleck ?–

5Komm und höre: Rabba b. Bar Ḥana sagte, R. Joḥanan b. Elea͑zar habe ihm folgendes erzählt: In unserer Nachbarschaft war ein Greis namens R. Šimo͑n, Sohn des Jose b. Laqonja, an dem ich nie im Leben vorüber gekommen war. Als ich eines Tages an ihm vorüberging, sprach er zu mir: Setz dich, mein Sohn, setz dich; diese Färbungist ein bleibender Leibesfehler, um daraufhin schlachten zu dürfen. Dies ist der Schlangenfleck, von dem die Weisen sprechen.

6Und obgleich sie gesagt haben, niemand dürfe für sich selber Leibesfehler besichtigen, so darf man dennoch die Schüler die Halakha lehren, und die Schüler entscheiden es ihm. –

7R. Abba sagte ja aber im Namen R. Honas, daß, wenn ein Gelehrter eine Halakha entscheidet, und der Fall eintritt, man auf ihn höre, wenn er sie vor dem Eintreten des Falles gelehrt hat, sonst aber höre man auf ihn nicht!? – Auch er hatte die Entscheidung vorher getroffen.

8TRÜBUNG HEISST ES, WENN DAS WEISSE DIE IRIS UNTERBRICHT. Wer ist der Autor unserer Mišna? – Es ist R. Jose, denn es wird gelehrt: Wenn das Weiße in das Schwarze ragt oder wenn das Schwarze in das Weiße ragt, so ist dies ein Leibesfehler – so R. Meír. R. Jose sagt, wenn das Weiße in das Schwarze ragt, sei dies ein Leibesfehler, wenn das Schwarze in das Weiße ragt, sei dies kein Leibesfehler, denn beim Weißen gilt dies nicht als Leibesfehler.

9Rabh sagte: Folgendes ist der Grund R. Joses: es heißt: es gehe vom Fett ihr Auge; es heißt Fett des Auges, nicht aber Auge schlechthin. – Was ist der Grund R. Meírs? – Trübung heißt das, was das Auge mischt.

10WEISSE PUNKTE UND WASSER, WENN SIE BLEIBEND SIND. WELCHE WEISSEN PUNKTE GELTEN ALS BLEIBEND? DIE ACHTZIG TAGE ANHALTEN. R. ḤANANJA B. ANTIGONOS SAGT, MAN UNTERSUCHE SIE INNERHALB DER ACHTZIG TAGE DREIMAL.

11DAS WASSER GILT ALS BLEIBEND, WENN [DAS VIEH] FRISCHES UND GETROCKNETESVON REGENFEUCHTEN FELDERN GEFRESSEN HAT; FRISCHES UND GETROCKNETES VON RIESELFELDERN, ODER WENN ES ZUERST GETROCKNETES UND NACHHER FRISCHESGEFRESSEN HAT, SO IST DIES KEIN LEIBESFEHLER. NUR WENN ES ZUERST FRISCHES UND NACHHER TROKKENES GEFRESSEN HAT.

12GEMARA. Wer ist der Autor unserer Mišna? – Es ist R. Jehuda, denn es wird gelehrt: Die weißen Flecke sind bleibend, wenn sie vierzig Tage, und das Wasser ist bleibend, wenn es achtzig Tage [anhält] – so R. Meír. R. Jehuda sagt, die weißen Flecke achtzig Tage.

13Das Wasser gilt als bleibend, wenn [das Vieh] Frisches und Getrocknetes von [regenbewässerten Feldern gefressen hat]; wenn von Rieselfeldern, oder wenn es zuerst Getrocknetes und nachher Frisches gefressen hat, so ist es kein Leibesfehler; nur wenn es Getrocknetes nach dem Frischen gefressen hat und drei Monate verstrichen sind. –

14Wir haben ja beides gelernt: wenn es Frisches und Getrocknetes von regenbewässerten Feldern gefressen hat oder Frisches und Getrocknetes von Rieselfeldern!? –

15[Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: wenn es Frisches und Getrocknetes von regenbewässerten Feldern gefressen hat, so ist es ein Leibesfehler, wenn aber von Rieselfeldern, so ist dies kein Leibesfehler, und auch wenn von regenbewässerten, ist es, wenn es zuerst Getrocknetes und nachher Frisches gefressen hat, kein Leibesfehler; nur wenn es Getrocknetes nach dem Frischen gefressen hat und drei Monate verstrichen sind. –

16Dem ist ja aber nicht so, R. Idi b. Abin sagte ja im Namen des R. Jiçḥaq b. Ašjan: Im Adar und im Nisan ist es frisch, im Elul und im Tišri ist es getrocknet!? – Lies: Im Adar und in der Hälfte von Nisan frisch, im Elul und in der Hälfte von Tišri getrocknet.

17Sie fragten: Frisches zur Zeit des Frischen und Getrocknetes zur Zeit des Getrockneten, oder Frisches und Getrocknetes zur Zeit des Frischen? –

18Komm und höre: R. Idi b. Abin sagte im Namen des R. Jiçḥaq b. Ašjan: Im Adar und im Nisan frisch, im Elul und im Tišri getrocknet. – Vielleicht gebe man ihm die Ernte von Elul und Tišri im Adar und im Nisan zu fressen. –

19Wieviel gebe man ihm [täglich] davon zu fressen? – R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Pinḥas b. A͑ruba: Das Quantum einer Dörrfeige. Raba sagte: Im Westen fragten sie: das Quantum einer Dörrfeige bei der ersten Mahlzeit oder bei jeder Mahlzeit?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.