Bechorot — Blatt 39a
1Und wenn du entscheidest, bei der ersten Mahlzeit, – vor dem Fressen oder nach dem Fressen? Vor dem Fressen ist es entschieden dienlich, wie jede Medizin, wie ist es aber nach dem Fressen? Vor dem Saufen oder nach dem Saufen? Vor dem Saufen ist es entschieden dienlich, wie Gerste, wie ist es aber nach dem Saufen?
2Gefesselt oder frei? Freiist es entschieden dienlich, wie ist es aber gefesselt? Allein oder zusammen mit einem anderen [Vieh]? Mit einem anderen zusammen ist es entschieden dienlich, wie ist es aber allein?
3In der Stadt oder auf dem Felde? Auf dem Felde ist es entschieden dienlich, wie ist es aber in der Stadt? R. Aši fragte: Wie ist es, wenn du entscheidest, auf dem Felde, in einem Garten nahe der Stadt? – Dies bleibt unentschieden.
4R. ḤANANJA B. ANTIGONOS SAGTE &C. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Nur müssen es drei gleiche Teilesein.
5Pinḥas, der Bruder Mar Šemuéls, fragte Šemuél: Ist es, wenn es gefressen hat und nicht genesen ist, rückwirkend fehlerbehaftet oder von jetzt abfehlerbehaftet? –
6In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich der Veruntreuungan seiner Lösung. Wenn du sagst, es sei rückwirkend fehlerbehaftet, hat man eine Veruntreuung begangen,
7und wenn es von jetzt ab fehlerbehaftet ist, hat man keine Veruntreuung begangen. Wie ist es nun? Da las Šemuél hierüber:die Lahmen plünderten Beute.
8WENN DIE NASE DURCHLÖCHERT, VERLETZT ODER GESPALTEN IST, WENN DIE OBERLIPPE DURCHLÖCHERT, VERLETZT ODER GESPALTEN IST.
9GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Sind die Nasen[flügel] von einem zum andren von außen durchlöchert, so ist dies ein Leibesfehler, wenn [die Nasenwand] von innen, so ist dies kein Leibesfehler. WENN DIE OBERLIPPE DURCHLÖCHERT, VERLETZT ODER GESPALTEN IST. R. Papa sagte: Der äußere Rand der Lippe.
10WENN DIE VORDEREN ZÄHNE BESCHÄDIGT ODER ABGEBROCHEN SIND, ODER WENN DIE HINTEREN ENTWURZELT SIND. R. ḤANINA B. ANTIGONOS SAGT, MAN UNTERSUCHE NICHT VON DEN BACKENZÄHNENEINWÄRTS, UND AUCH NICHT DIE BACKENZÄHNE SELBST.
11GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Was heißt Backenzähne? Von den Backenzähnen einwärts; und die Backenzähne selbst gelten als einwärts. R. Jehošua͑ b. Qapusaj sagt, man schlachte nur auf Grund der vorderen. R. Ḥanina b. Antigonos sagt, man beachte die Backenzähne überhaupt nicht. –
12Wie meint er es? Und ferner sagt ja R. Jehošua͑ b. Qapusaj dasselbe, was der erste Autor!? –
13[Die Lehre] ist lückenhaft und es muß wie folgt lauten: Welche heißen hintere? Von den Backenzähnen einwärts, und die Backenzähne selbst gelten als hintere. Dies gilt nur von dem Falle, wenn sie verletzt oder abgebrochen sind, wenn aber entwurzelt, so schlachte man daraufhin.
14R. Jehošua͑ b. Qapusaj sagt, man schlachte nur auf Grund der vorderen; wenn aber die hinteren entwurzelt sind, so schlachte man nicht auf Grund dieser, jedoch ist es untauglich. R. Ḥanina b. Antigonos sagt, man beachte die Backenzähne überhaupt nicht, und es ist nicht einmal untauglich.
15R. Aḥadboj b. Ami fragte: Gilt das Fehlen eines inneren Organes als Fehlen oder gilt das Fehlen eines inneren Organes nicht als Fehlen. – In welcher Hinsicht: wenn hinsichtlich der Erstgeburt, so heißt es ja:lahm oder blind,
16und wenn hinsichtlich der Opfer, so heißt es ja:blind oder gebrochen. – Hinsichtlich des Schlachtens und Auslösens ist es uns nicht fraglich, fraglich ist es uns nur hinsichtlich der Untauglichkeit;
17der Allbarmherzige sagt:fehlerfrei soll es sein, zum Wohlgefallen, nur fehlerfrei, nicht aber, wenn etwas fehlt, oder aber: fehlerfrei soll es sein, zum Wohlgefallen, einschließend; keinen Leibesfehler darf es haben, wie ein Leibesfehler äußerlich, ebenso das Fehlen äußerlich. –
18Komm und höre: Und die beiden Nieren, nicht aber, wenn es eine Niere oder wenn es drei Nieren hat. Dagegen aber lehrt ein Andres:Er soll sie entfernen, dies schließt eines mit einer Niere ein.
19Sie glaubten, alle seien der Ansicht, es gebe kein Geschöpf mit einer Niere, vielmehr fehlt sie ihm, somit besteht wohl ihr Streit in folgendem: nach einer Ansicht gilt das Fehlen innen als Fehlen, und nach einer Ansicht gilt das Fehlen innen nicht als Fehlen.
20R. Ḥija b. Joseph erwiderte: Alle sind der Ansicht, es gebe ein Geschöpf mit einer Niere, auch gelte das Fehlen innen als Fehlen, dennoch besteht hier kein Widerspruch; eines in dem Falle, wenn es mit zwei erschaffen wurde und eine fehlt, und eines in dem Falle, wenn es von Anfang an mit einer erschaffen wurde. –
21Er lehrt ja aber gleichlautend mit dem Falle von drei [Nieren]: wie drei von Anfang an, ebenso auch eine von Anfang an!? –
22Vielmehr, sie streiten, ob es ein Geschöpf mit einer [Niere] gebe: nach einer Ansicht gibt es ein Geschöpf mit einer, und nach einer Ansicht gibt es kein Geschöpf mit einer.
23R. Joḥanan aber sagte: Alle sind der Ansicht, es gebe kein Geschöpf mit einer, auch gilt das Fehlen innen als Fehlen, dennoch besteht hier kein Widerspruch; eines in dem Falle, wenn sie bereits vor dem Schlachten gefehlt hat, und eines in dem Falle, wenn sie erst nach dem Schlachten fehlt. – Ist es denn erlaubt, wenn nach dem Schlachten vor der Blutaufnahme,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.