Bechorot — Blatt 39b

1R. Zera sagte ja im Namen Rabhs, wenn man das Ohr des Farren schlitzt und nachher das Blut aufnimmt, sei er untauglich, denn es heißt:er nehme vom Blute des Farren, vom Farren, wie er vorher war!? – Vielmehr, eines in dem Falle, wenn sie bereits vor der Blutaufnahme gefehlt hat, und eines in dem Falle, wenn sie erst nach der Blutaufnahme fehlt. –

2Ist es denn erlaubt, wenn nach der Blutaufnahme vor dem Sprengen, es wird ja gelehrt:Ein fehlerfreies Schaf, männlich, erstjährig soll es euch sein, es muß beim Schlachten fehlerfrei und erstjährig sein.

3Woher, daß auch bei der Blutaufnahme, beim Hinbringenund beim Sprengen? Es heißt sein, bei all seinem Sein muß es fehlerfrei und erstjährig sein? –

4Dies ist auf die Erstjährigkeit zu beziehen. Dies ist auch einleuchtend, denn es wird gelehrt: R. Jehošua͑ sagte: Wenn von einem aller in der Tora genannten Schlachtopfer ein olivengroßes Stück Fleisch oder ein olivengroßes Stück Fett zurückbleibt, so sprenge man das Blut. Schließe hieraus. –

5Ist es denn möglich, daß es beim Schlachten erstjährig und bei der Blutaufnahme und dem Hinbringen zweitjährig ist!? Raba erwiderte: Dies besagt, daß bei den Opfern auch einzelne Stundenuntauglich machen.

6Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten:Zerdrückt, zerquetscht, abgerissen oder abgeschnitten, dies alles gilt von den Hoden – so R. Jehuda. –

7Nur von den Hoden und nicht vom Gliede!? – Lies: auch von den Hoden – so R. Jehuda. R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, dies alles gilt vom Gliede. R. Jose sagt, ‘zerdrückt’ und ‘zerquetscht’ gilt auch von den Hoden, ‘abgerissen’ und ‘abgeschnitten’ nur vom Gliede und nicht von den Hoden.

8Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, das Fehlen innen gelte als Fehlen, und einer ist der Ansicht, es gelte nicht als Fehlen. –

9Glaubst du: welcher Ansicht ist demnach R. Jose: ist er der Ansicht, das Fehlen innen gelte als Fehlen, so sollte es auch von dem Falle gelten, wenn abgerissen oder abgeschnitten, und ist er der Ansicht, es gelte nicht als Fehlen, so sollte es auch von dem Falle nicht gelten, wenn zerdrückt oder zerquetscht.

10Vielmehr streiten sie hier über sichtbare Leibesfehler. R. Jehuda ist der Ansicht, zerdrückt und zerquetscht heiße es ein Leibesfehler, weil sie einschrumpfen, abgerissen und abgeschnitten heiße es ein Leibesfehler, weil sie hängen; R. Elie͑zer b. Ja͑qob ist der Ansicht, zerdrückt und zerquetscht heiße es kein Leibesfehler, denn auch vorher schrumpfen sie zuweilen ein, abgerissen und abgeschnitten heiße es kein Leibesfehler, denn auch vorher hängen sie zuweilen;

11und R. Jose ist der Ansicht, zerdrückt und zerquetscht heiße es ein Leibesfehler, denn sie sind ja nicht vorhanden, abgerissen und abgeschnitten heiße es kein Leibesfehler, denn sie sind ja vorhanden.

12WENN DIE GLIEDHAUT ODER BEI OPFERTIERENBEIM WEIBCHEN DIE SCHAM VERLETZT IST, ODER WENN DER SCHWANZ AM KNOCHEN, NICHT ABER AM GELENKE VERLETZT IST, ODER WENN DAS ENDE DES SCHWANZES SICH SCHÄLT, (WENNDIE HAUT UND DAS FLEISCH SICH ABLÖSEN UND DER KNOCHEN ZURÜCKBLEIBT,) ODER WENN ZWISCHEN EINEM GELENKE UND DEM ANDEREN EINE FINGERBREITE FLEISCHES IST.

13GEMARA. R. Elea͑zar sagte: Beschädigt, nicht aber ganz entfernt; der Sack, nicht aber das Gliedselbst. Ebenso wird gelehrt: Beschädigt, nicht aber ganz entfernt; der Sack, nicht aber das Glied selbst. R. Jose b. Hamešullam sprach: Einst ereignete es sich in E͑nbul, daß ein Wolf einem [Vieh die Haut] fortnahm, und es genas.

14WENN DER SCHWANZ AM KNOCHEN BESCHÄDIGT IST &C. Es wird gelehrt: Die Fingerbreite, von der sie sprechen, ist ein Viertel der Faustbreite eines Durchschnittsmenschen. In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? Rabba erwiderte: Hinsichtlich der Purpurfäden. Es wird nämlich gelehrt: Wieviel Fäden knüpfe manein? Die Schule Šammajs sagt, vier, die Schule Hillels sagt, drei.

15Wieviel mußnachhängen? Die Schule Šammajs sagt, vier [Fingerbreiten], die Schule Hillels sagt, drei. Die drei, von denen die Schule Hillels spricht, sind solche, von denen jede den vierten Teil der Faustbreite eines Durchschnittsmenschen mißt.

16R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, erwiderte: Hinsichtlich der zwei Ellenmaße. Wir haben nämlich gelernt: Zwei Ellenmaße befanden sich

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.