Bechorot — Blatt 40a
1in der Sušankammer, eines in der nordöstlichen Ecke und eines in der südöstlichen Ecke; das nordöstliche war um einen halben Finger größer als die [Elle zur Zeit] Mošes, und das südöstliche war um einen halben Finger größer als diese, also um einen Finger größer als die [Elle zur Zeit] Mošes.
2Weshalb war eines größer und eines kleiner? Damit die Handwerker mit dem kleineren übernehmen und mit dem größeren abliefern, um nicht zu einer Veruntreuungzu kommen. –
3Wozu waren zwei nötig? – Eines für Gold und Silber und eines für Bauarbeiten.
4R. Naḥman b. Jiçḥaq, manche sagen, R. Hona b. Nathan, [erwiderte:] Hinsichtlich dessen, was wir gelernt haben: wenn zwischen einem Gelenke und dem anderen eine Fingerbreite Fleisches ist.
5WENN ES GAR KEINE HODEN ODER NUR EINE HODE HAT. R. JIŠMA͑ÉL SAGTE: HAT ES ZWEIHODENSÄCKE, SO HAT ES ZWEI HODEN, HAT ES KEINE ZWEI HODENSÄCKE, SO HAT ES NUR EINE HODE. R. A͑QIBA SAGTE: MAN SETZE ESAUF DEN STEISS UND DRÜCKE; IST NOCH EINE HODE VORHANDEN, SO KOMMT SIE ENDLICH HERVOR. EINST EREIGNETE ES SICH, DASS MAN DRÜCKTE, JEDOCH KAM KEINE HERVOR; NACHDEM MAN ES ABER GESCHLACHTET HATTE, FAND MAN SIE AN DEN LENDEN HAFTEN. R. A͑QIBA ERLAUBTE ES, UND R. JOḤANAN B. NURI VERBOT ES.
6GEMARA. Wenn du sagst, es sei ein Leibesfehler, falls es nur eine Hode hat, um wieviel mehr, wenn es gar keinehat!? – [Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: wenn es nicht zwei Hoden in zwei Hodensäcken hat, sondern in einem Hodensacke, oder wenn es zwei Hodensäcke und eine Hode hat, so ist dies ein Leibesfehler.
7R. Jišma͑él sagte: Hat es zwei Hodensäcke, so hat es entschieden zwei Hoden, und hat es nur einen Hodensack, so ist es ebenso, als hätte es nur eine Hode. Hierzu sagte R. A͑qiba: Sicher ist dies nicht, vielmehr setze man es auf den Steiß, und drücke; ist noch eine Hode vorhanden, so kommt sie endlich hervor.
8EINST EREIGNETE ES SICH, DASS MAN DRÜCKTE, JEDOCH KAM NICHTS HERVOR &C. Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Einst ereignete es sich in Peran im Hause Menaḥems, daß man drückte und nichts hervorkam, und als man es schlachtete, fand man sie an der Lende haften.
9R. A͑qiba erlaubte es, und R. Joḥanan b. Nuri verbot es. Da sprach R. A͑qiba zu R. Joḥanan b. Nuri: Wie lange noch wirst du das Geld Jisraéls zugrunde richten? Hierauf sprach R. Joḥanan b. Nuri zu R. A͑qiba: Wie lange noch wirst du die Kinder Jisraél Aas essen lassen? – Hat man es etwa nicht geschlachtet!? –
10Vielmehr, Totverletztes. – Es unterliegt ja nicht dem Verbote des Totverletzten!? – Vielmehr, wie lange noch willst du Jisraél Heiliges außerhalbessen lassen?
11WENN ES FÜNF BEINE ODER NUR DREI BEINE HAT; WENN SEINE FÜSSE RUNDHUFIG SIND, WIE DIE EINES ESELS; WENN ES VERRENKT ODER HOCHHÜFTIG IST. WAS HEISST VERRENKT? WENN EINE HÜFTE [AUS DEM GELENKE] GEKOMMEN IST; HOCHHÜFTIG? WENN EINE DER HÜFTEN HÖHER IST.
12GEMARA. R. Hona sagte: Dies nur, wenn von den Vorderfüßen einer fehlt oder zuviel ist, wenn aber von den Hinterfüßen, so gilt es sogar als totverletzt, denn alles, was zuviel ist, gilt als fortgenommen.
13R. Papa sagte: Man glaube nicht, nur wenn [die Hufe] rund und nicht gespalten sind, sondern rund, auch wenn gespalten.
14VERRENKT UND HOCHHÜFTIG &C. Die Rabbanan lehrten: Was heißt hochhüftig und was heißt verrenkt? Verrenkt heißt es, wenn eine Hüfte [aus dem Gelenke] gekommen ist; hochhüftig, wenn ein Fuß in der Lende und ein Fuß über der Lende ist. Es wird gelehrt: Das Gestreckte und das Rundhufige. Gestreckt, wenn eine Hüfte sich ihm nachschleppt; rundhufig, dessen Füße rundhufig sind, wie die eines Esels oder Pferdes.
15WENN IHM EIN KNOCHEN DES VORDERFUSSES ODER DES HINTERFUSSES GEBROCHEN IST, AUCH WENN ES NICHT ZU MERKEN IST. DIESE LEIBESFEHLER ZÄHLTE ILA IN JABNE AUF, UND DIE WEISEN PFLICHTETEN IHM BEI;
16ALS ER ABER NOCH DREI HINZUFÜGTE, SPRACHEN SIE ZU IHM: WIR HABEN ES VON DIESEN NICHT GEHÖRT. DESSEN AUGENHÖHLE RUND IST, WIE DIE EINES MENSCHEN, DESSEN MAUL DEM EINES SCHWEINES GLEICHT, UND DEM DER GRÖSSERE TEIL DER VORDERZUNGEFEHLT. DAS GERICHT NACH IHNEN SAGTE, DIESE SEIEN LEIBESFEHLER.
17GEMARA. Ist es denn, wenn es nicht zu merken ist, ein Leibesfehler? R. Papa erwiderte: Wenn es sonst nicht zu merken ist, wohl aber bei der Arbeit.
18DIESE LEIBESFEHLER ZÄHLTE &C. Demnach ist diesungewöhnlich; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Hat sie eine Art Vieh, Wild oder Geflügel abortiert, ob unrein oder rein, so muß sie, wenn es männlich ist, wie bei [der Geburt] eines Knaben,
19wenn es weiblich ist, wie bei [der Geburt] eines Mädchens, und wenn es nicht erkennbar ist, wie bei [der Geburt] eines Knaben und eines Mädchens verweilen– so R. Meír.
20Hierzu sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen B. Joḥanans: Folgendes ist der Grund R. Meírs: weil seine Augenhöhle rund wie die eines Menschen ist!? R. Joseph erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt vom Schwarzen und eines gilt vom Weißen.
21DESSEN MAUL DEM EINES SCHWEINES GLEICHT. R. Papa sagte: Man sage nicht, nur wenn es spitz und gerundet ist, sondern gerundet, auch wenn es nicht spitz ist.
22WENN DER GRÖSSERE TEIL DER VORDERZUNGE FEHLT. Wer ist der Autor unserer Mišna? – Es ist R. Jehuda, denn es wird gelehrt: Wenn der größere Teil der Zunge fehlt; R. Jehuda sagt, wenn der größere Teil der Vorderzunge fehlt.
23EINST KAM EIN FALL VOR, DASS DIE UNTERE KINNLADE ÜBER DIE OBERE VORSTAND, UND ALS R. GAMLIÉL DIE WEISEN BEFRAGTE, SAGTEN SIE, ES SEI EIN LEIBESFEHLER.
24GEMARA. Was lehrt er auf diesen Fall bezüglich? – Er lehrt: dessen Maul dem eines Schweines gleicht, und die Rabbanan streiten gegen Rabbi, und hierzu sagt er, die Rabbanan streiten gegen Rabbi nur über den Fall, wenn die obere Lippe über die untere vorsteht, wenn aber die untere über die obere vorsteht, so ist dies ein Leibesfehler,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.