Bechorot — Blatt 45a
1DER KLUMPFÜSSIGE UND DER KRUMMBEINIGE. WER HEISST KRUMMBEINIG? DER DIE FÜSSE ZUSAMMENSCHLÄGT UND DIE KNIE EINANDER NICHT BERÜHREN. WENN EIN WULST AUS SEINEM GROSSEN ZEH HERVORSTEHT, WENN SEINE FERSE HINTEN HINAUSRAGT, WENN SEINE FUSSOHLEN BREIT SIND WIE BEI EINER GANS.
2WENN SEINE FINGER AUFEINANDER LIEGEN, ODER NACH OBEN BIS ZUM GELENKE ZUSAMMENGEWACHSEN SIND, SO IST ER TAUGLICH, WENN UNTERHALB DES GELENKES UND ER SIE AUSEINANDERGESCHNITTEN HAT, SO IST ER TAUGLICH. WENN ER EINEN ÜBERFINGER HATTE UND IHN ABGESCHNITTEN HAT, SO IST ER, WENN ER EINEN KNOCHEN HATTE, UNTAUGLICH, WENN ABER NICHT, TAUGLICH.
3WENN ER EINEN ÜBERFINGER AN HÄNDEN UND FÜSSEN HAT, JE SECHS, ALSO VIERUNDZWANZIG, SO IST ER NACH R. JEHUDA TAUGLICH UND NACH DEN WEISEN UNTAUGLICH. WER BEIDE HÄNDE BEHERRSCHT, IST NACH RABBI UNTAUGLICH UND NACH DEN WEISEN TAUGLICH.
4GEMARA. Die Rabbanan lehrten:Beinbruch, ich weiß dies nur vom Beinbruch, woher, daß auch der Krummfüßige, der Krummbeinige und der Veitstänzer einbegriffen sind? Es heißt: oder Beinbruch. Es wird gelehrt. Der Klumpfüßige und der Plattfüßige. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Der Klumpfüßige, der viel [Fleisch]polster hat; der Plattfüßige, der gar kein [Fleisch]polster hat.
5WENN EIN WULST AUS SEINEM GROSSEN ZEH HERVORSTEHT, WENN SEINE FERSE NACH HINTEN HINAUSRAGT. R. Elea͑zar sagte: Wenn ihm das Bein in der Mitte des Fußes sitzt. WENN SEINE FUSSOHLEN BREIT SIND WIE BEI EINER GANS. R. Papa sagte: Man sage nicht, wenn sie flach und [die Zehen] nicht getrennt sind, sondern wenn sie flach sind, auch wenn [die Zehen] getrennt sind.
6WENN SEINE FINGER AUFEINANDER LIEGEN ODER ZUSAMMENGEWACHSEN SIND. Die Rabbanan lehrten:Handbruch, ich weiß dies nur vom Handbruche,
7woher dies von dem Falle, wenn die Finger aufeinander liegen oder unterhalb des Gelenkes zusammengewachsen sind und er sie auseinandergeschnitten hat? – Du sagtest ja, er sei dann tauglich!? – Vielmehr, und er sie nicht auseinandergeschnitten hat. Woher dies? Es heißt oder Handbruch.
8WENN ER EINEN ÜBERFINGER HATTE UND IHN ABGESCHNITTEN HAT, SO IST ER, WENN ER EINEN KNOCHEN HATTE, UNTAUGLICH, WENN ABER NICHT, TAUGLICH. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Nur wenn er an der Hand mitgezähltwird.
9Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Überfingereinen Knochen, aber keinen Nagel hat, so ist er durch Berühren und durch Tragen verunreinigend, durch Bezeltung verunreinigend, und er wird zur Zahl hundertfünfundzwanzigmitgezählt. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn er an der Hand mitgezählt wurde.
10R. Ḥisda sagte: Folgendes sagte unser großer Meister, Gott gewähre ihm Hilfe: Wenn ein Überfinger einen Knochen, aber keinen Nagel hat, so ist er durch Berühren und durch Tragen verunreinigend, aber nicht verunreinigend durch Bezeltung. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn er an der Hand nicht mitgezählt wird.
11R. Joḥanan sprach: Sie haben ihre Worte zu Prophetenwortengemacht; wie du es nimmst: ist er ein Glied, so sollte er auch durch Bezeltung verunreinigen, und ist er kein Glied, so sollte er auch durch Tragen und durch Berühren nicht verunreinigen!?
12R. Hona b. Manoaḥ erwiderte im Namen R. Aḥas, des Sohnes R. Iqas: Hierbei haben sie die Bestimmung vom gerstengroßen Knochenberücksichtigt.
13R. Papa erwiderte: Der nicht mitgezählte mit Rücksicht auf den mitgezählten. – Demnach sollte der nicht mitgezählte auch durch Bezeltung verunreinigen!? –
14Die Rabbanan haben hierbei ein Merkzeichen gegeben, damit man nicht wegen dessen Hebe und Heiligesverbrenne.
15Dort haben wir gelernt: Der größere Teil des Körperbaues und der größere Teil der Gliederzahl von einem Toten, auch wenn sie kein Viertelkab ausmachen, sind unrein. Die Rabbanan lehrten: Was heißt größerer Teil des Körperbaues? Zwei Schenkel und eine Hüfte, weil diese bei einem Erwachsenen den größeren Teil der Statur ausmachen. Was heißt größerer Teil der Gliederzahl? Hundertfünfundzwanzig.
16Rabina sprach zu Raba: Sollte der Autor uns die Anzahl lehrenwollen!? – Er lehrt uns das, was in folgendem gelehrt wird: Hat erweniger, nur zweihundert, oder mehr, zweihunderteinundachtzig, so werden sie bei der Anzahl hundertfünfundzwanzig mitgerechnet, denn man richte sich nach den meisten Menschen.
17R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Einst kochtendie Schüler R. Jišmaa͑éls eine Hure, die von der Regierung zum Tode durch Verbrennen verurteilt worden war, und als sie sie untersuchten, fanden sie bei ihr zweihundertzweiundfünfzig [Glieder]. Da sprach er zu ihnen: Ihr habt wohl bei einem Weibe untersucht, bei der die Schrift noch zwei Türangeln und zwei Türenzugefügt hat.
18Es wird gelehrt: R. Elea͑zar sagte: Wie ein Haus Türpfannen hat, so hat das Weib Türpfannen, denn es heißt:sie sank nieder und gebar, denn ihre Wehenüberkamen sie. R. Jehošua͑ sagte: Wie ein Haus Türen hat, so hat ein Weib Türen, denn es heißt:denn er hat meines Leibes Türen nicht geschlossen.
19R. A͑qiba sagte: Wie ein Haus einen Schlüssel hat, so hat das Weib einen Schlüssel, denn es heißt:und er öffnete ihren Muttermund. – R. A͑qibabefindet sich ja in Widerspruch mit den Schülern R. Jišma͑éls!? – Erwar wahrscheinlich, weil er sehr klein ist, aufgelöst worden.
20Rabh sagte: Sie alleverunreinigen nicht durch Bezeltung, denn es heißt:dies ist das Gesetz, wenn ein Mensch im Zelte stirbt; nur das, was bei allen Menschen gleich ist.
21Abajje sprach zu ihm: Hat sie ein Mann etwa nicht, es heißt ja:Wehenergriffen mich, wie die Wehen einer Gebärenden!? – Türpfannen aus Fleisch. – Es heißt ja:Herr, bei deiner Erscheinung überkommen mich Wehen!? – Türpfannen aus Fleisch. Dies ist auch zu beweisen, denn wieso sind es, wenn man nicht so sagen wollte, zweihundertachtundvierzig, dies stimmt ja weder beim Manne noch beim Weibe.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.