Bechorot — Blatt 47a
1sage ich: ‘anerkennen’ ist [ein Begriff] für sich und ‘Gesichtsausdruck’ ist [ein Begriff] für sich.
2Es wurde gelehrt: Wenn er als Nichtjude Söhne hatte und sich bekehrt hat, so hat er, wie R. Joḥanan sagt, keinen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft, und wie Reš Laqiš sagt, einen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft. R. Joḥanan sagt, er habe keinen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft, denn er hat ja einen Erstling seiner Kraft; R. Šimo͑n b. Laqiš sagt, er habe einen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft, denn ein Proselyt, der sich bekehrt, gleicht einem neugeborenen Kinde.
3Sie vertreten hierbei ihre Ansichten, denn es wurde gelehrt: Wenn er als Nichtjude Kinder hatte und sich bekehrt hat, so hat er, wie R. Joḥanan sagt, die Fortpflanzungausgeübt, und wie R. Šimo͑n b. Laqiš sagt, die Fortpflanzung nicht ausgeübt. R. Joḥanan sagt, er habe die Fortpflanzung ausgeübt, denn [es heißt:]er hat sie nicht zur Öde geschaffen, er hat sie zur Bewohnunggebildet; R. Šimo͑n b. Laqiš sagt, er habe die Fortpflanzung nicht ausgeübt, denn ein Proselyt, der sich bekehrt, gleicht einem neugeborenen Kinde.
4Und [beide Lehren] sind nötig. Würde nur die erste gelehrt worden sein, so könnte man glauben, R. Šimo͑n b. Laqiš sei seiner Ansicht nur hierbei, weil [die Söhne] aus der Zeit, wo er Nichtjude war, nicht erbberechtigt sind, hierbei aber pflichtet er R. Joḥanan bei, denn [es heißt:] er hat sie nicht zur Öde geschaffen, er hat sie zur Bewohnung gebildet, und dies hat er ja getan.
5Und würde nur die andre gelehrt worden sein, so könnte man glauben, R. Joḥanan sei seiner Ansicht nur hierbei, da aber pflichte er R. Šimo͑n b. Laqiš bei. Daher [sind beide] nötig. –
6Wir haben gelernt: Wenn jemand, der keine Kinder hatte, eine Frau nimmt, die bereits geboren hatte als Sklavin und nachher freigelassen wurde, als Nichtjüdin und sie sich nachher bekehrt hat, und sie, nachdem sie den Jisraéliten geheiratet, geboren hat, so ist ihr Kind Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft, nicht aber Erstgeborener für den Priester.
7Von wem geboren: wollte man sagen, von einem Jisraéliten, der keine Söhne hatte, so gilt dies ja nicht nur von Proselytin und Sklavin, dies sollte doch auch von einer Jisraélitin gelten.
8Doch wohl von einem Proselyten, der Söhne hatte und sich bekehrt hat, und er lehrt, [das Kind] sei Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft!? –
9Nein, tatsächlich von einem Jisraéliten, der keine Kinder hatte, und [zu lehren] nötig ist es, daß er nicht Erstgeborener für den Priester sei.
10Dies schließt die Ansicht R. Jose des Galiläers aus, welcher sagt, er sei Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft und für den Priester, denn es heißt:Durchbruch des Mutterschoßes unter den Kindern Jisraél, nur wenn der Durchbruch des Mutterschoßes in Jisraél erfolgt ist; er lehrt uns, daß dem nicht so sei. –
11Komm und höre: Wenn er als Nichtjude Söhne hatte und sich bekehrt hat, so hat er einen Erstgeborenen hinsichtlich der Erbschaft!? Rabina, wie manche sagen R. Aḥa, erwiderte: Hier ist entschieden die Ansicht R. Jose des Galiläers vertreten, welcher sagt: Durchbruch des Mutterschoßes unter den Kindern Jisraél, nur wenn der Durchbruch des Mutterschoßes in Jisraél erfolgt ist, und er folgert von ihr auf ihn.
12R. Ada b. Ahaba sagte: Hat eine Levitin einen Sohn geboren, so ist ihr Sohn von den fünf Sela͑frei. Von wem geschwängert: wollte man sagen, wenn sie von einem Priester oder einem Leviten geschwängert worden ist, so gilt dies ja nicht nur von einer Levitin, dies gilt ja auch von einer Jisraélitin,
13und ist sie von einem Jisraéliten geschwängert worden, so heißt es ja:nach ihren Geschlechtern, nach ihrem Vaterhause!?
14R. Papa erwiderte: Wenn sie von einem Nichtjuden geschwängert wordenist. Und man sage nicht, nach demjenigen welcher sagt, man beflecke nicht das Kind, sondern auch nach demjenigen, welcher sagt, man beflecke das Kind, denn es ist ein bemakelter Levite.
15Mar, Sohn des R. Joseph, erwiderte im Namen Rabas: Tatsächlich, wenn sie von einem Jisraéliten geschwängert worden ist, und anders ist es hierbei, denn die Schrift sagt: Durchbruch des Mutterschoßes, der Allbarmherzige hat es vom Durchbruch des Mutterschoßes abhängiggemacht. –
16Wir haben gelernt: Wenn jemand Kinder hatte und eine Frau genommen hat, die noch nicht geboren hat, oder eine sich schwanger bekehrt hat, oder schwanger freigelassen wurde,
17oder wenn eine zusammen mit einer Priesterin oder einer Levitin geboren hat, oder mit einer Frau, die bereits geboren hat, oder wenn eine keine drei Monate nach [dem Tode] ihres Mannes gewartet und geheiratet und geboren hat, sodaß man nicht weiß, ob [das Kind] ein neunmonatliches vom ersten oder ein siebenmonatliches vom zweiten ist, so ist [das Kind] Erstgeborener für den Priester, nicht aber Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft.
18Demnach sind Priesterin und Levitin frei. Vom wem geschwängert: wollte man sagen, von einem Priester oder einem Leviten geschwängert, so gilt dies ja nicht nur von einer Priesterin oder Levitin, dies gilt ja auch von einer Jisraélitin;
19doch wohl von einem Nichtjuden geschwängert. Wieso ist eine Priesterin frei, R. Papa sagte ja: Raba prüfte uns [durch die Frage], wie es denn sei, wenn eine Priesterin von einem Nichtjuden geschwängert wordenist, und ich erwiderte ihm, dies sei der Fall des R. Ada b. Ahaba, denn er sagte, wenn eine Levitin geboren hat, sei ihr Sohn von den fünf Sela͑ frei.
20Hierauf sprach er zu mir: Was soll dies: allerdings bleibt eine Levitin bei ihrer Heiligkeit, denn es wird gelehrt, einer Levitin, die gefangen war oder außerehelich beschlafen worden ist, dürfe man vom Zehnten geben, daß sie esse;
21ist aber eine Priesterin beschlafen worden, so ist sie ja eine Gemeine!?
22Allerdings ist es nach Mar, dem Sohne R. Josephs, der im Namen Rabas erklärte, wenn sie von einem Jisraéliten geschwängert worden ist, auf den Fall zu beziehen, wenn sie von einem Jisraéliten geschwängert worden ist, auf welchen Fall aber ist es nach R. Papa zu beziehen!? –
23Tatsächlich, wenn sie von einem Priester geschwängert worden und sie Jisraélitin ist, und er nennt sie deshalb Priesterin, weil ihr Sohn Priester ist.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.