Bechorot — Blatt 53b

1Man kann auch nach R. Jehuda verfahren, denn R. Jehuda sagte, man dürfe dem Erstgeborenen, bevor es in den Weltenraum kommt, einen Leibesfehler beibringen. – Auch jenemkann man ja vorher einen Leibesfehler beibringen!? –

2Weiß man denn, welches [als Zehntes] herauskommen wird. Wolltest du erwidern, man kann es als Zehntes herauskommen lassen, so sagt ja der Allbarmherzige:er suche nicht zwischen gut und schlecht.

3Wolltest du erwidern, man könne seiner ganzen Herde Leibesfehler beibringen, so kann ja binnen Kurzem der Tempel erbaut werden, und wenn wir ein Vieh zur Darbringung brauchen, ist keines da. –

4Dies gilt ja auch vom Erstgeborenen: binnen Kurzem kann der Tempel erbaut werden, und wenn wir ein Vieh zur Darbringung brauchen, ist keines da!? – Man kann Nichterstgeborene verwenden. –

5Auch dakann man ja gekaufteverwenden!? – Wenn man seiner ganzen Herde Leibesfehler bei bringt, und noch außerdem andere Leibesfehler Opfer untauglich machen, denn auch ein Häutchen am Auge macht untauglich, so fehlen sie.

6BEI PROFANEM, ABER NICHT BEI HEILIGEM. Vom Heiligen ist es ja selbstverständlich, es ist ja nicht seines!? –

7Bei Minderheiligem, nach R. Jose dem Galiläer, welcher sagt, Minderheiliges sei Eigentum des Besitzers. Es wird nämlich gelehrt:Und am Herrn eine Veruntreuung begeht, dies schließt Minderheiliges ein, das Eigentum des Besitzers ist – so R. Jose der Galiläer. Man könnte glauben, es sei zu verzehnten, so lehrt er uns. –

8Vielleicht ist dem auch so!? – Der Allbarmherzige sagt: soll heilig sein, nicht aber, was bereits heilig ist. –

9Nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: soll heilig sein, sonst aber würde man gesagt haben, die Heiligkeit des Zehnten erstrecke sich auf dieses. Wenn aber die schwere Heiligkeit die leichte Heiligkeit nicht erfaßt, um wieviel weniger die leichte Heiligkeit die leichte Heiligkeit!? –

10Welches Bewenden hat es damit? – Wir haben gelernt: Man darf weder Heiliges für den Altar, noch Heiliges für den Tempelreparaturfonds von einer Heiligkeit auf eine andre Heiligkeit abändern, wohl aber darf man ihren Schätzungswert heiligen oder als Banngut weihen. –

11Man könnte glauben, dies nur da, weil nicht jedes Vieh Brandopferist, hierbei aber, wo jedes Vieh zur Verzehntung bestimmt ist, entziehe man es nicht dem Verbote des Zehnten, auch wenn man es geheiligt hat. –

12In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich [des Verbots]:es darf nicht ausgelöst werden. So lehrt er uns.

13ES HAT GELTUNG BEIM RINDE UND BEIM KLEINVIEH, JEDOCH DARF DER ZEHNT NICHT VON DEM EINEN FÜR DAS ANDRE ENTRICHTET WERDEN; BEI SCHAFEN UND BEI ZIEGEN &C. Sollte doch [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden, daß diesjährige und vorjährige für einander verzehntet werden dürfen: wenn Schafe und Ziegen, die miteinander eine verbotene Mischung sind, für einander verzehntet werden dürfen, um wieviel mehr dürfen diesjährige und vorjährige, die miteinander keine verbotene Mischung sind, für einander verzehntet werden!? –

14Es heißt:einen Zehnten verzehnten sollst du, die Schrift spricht von zwei Zehnten, vom Vierzehnten und vom Getreidezehnten, und man vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten; wie den Getreidezehnten nicht von diesjährigen für vorjährige, ebenso den Viehzehnten nicht von diesjährigen für vorjährige. –

15Demnach sollte man dies auch von Schafen und Ziegen sagen, man vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten, wie den Getreidezehnten nicht von einer Art für eine andre Art, ebenso den Viehzehnten nicht von einer Art für eine andre Art!? – Der Allbarmherzige [schreibt] einschließend: Kleinvieh. –

16Demnach sollte dies auch von diesjährigen und vorjährigen gelten!? – Es heißt ja: einen Zehnten sollst du verzehnten. – Was veranlaßt dich dazu!? Raba erwiderte: Die Schrift sagt:Jahr für Jahr, ich habe sie nur hinsichtlich des Jahresverglichen und nicht hinsichtlich einer andren Sache.

17Dort haben wir gelernt: Man darf nicht die Hebe entrichten von einer Art für die andre Art; hat man bereits entrichtet, so ist die Abhebung ungültig. Woher dies? R. Ami erwiderte im Namen R. Jannajs, manche sagen, R. Ami im Namen des R. Šimo͑n b. Laqiš:Alles Beste vom Öl und alles Beste vom Most und vom Getreide; die Tora sagt damit, daß man das Beste von diesem und das Beste von jenem [besonders] entrichte.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.