Bechorot — Blatt 54b
1sollte doch von einer Art für die andre entrichtet werden!? Dieser erwiderte: Die Schrift sagt:das Zehnte; beziehe das ‘Zehnte’ auf dieses und beziehe das ‘Zehnte’ auf jenes. – Demnach sollte dies auch von Schaf und Ziege gelten!? – Und Kleinvieh, dies heißt, alles Kleinvieh ist eins. –
2Sollte man auch hierbei sagen, alle Getreidearten seien eins!? Abajje erwiderte:Ihr Erstes. Ebenso erklärte R. Ilea͑: Ihr Erstes.
3Raba erwiderte: Auch abgesehen [vom Worte] ihr Erstes kannst du nicht sagen, daß alle Getreidearten eins seien. Allerdings sagen wir da: und Kleinvieh, dies heißt, alles Kleinvieh sei eins, denn wenn man sagen wollte, Schafe und Ziegen, so sollte es doch heißen: jeder Zehnt vom Vieh.
4Wollte man aber einwenden, hieße es: jeder Zehnt vom Vieh, so könnte man glauben, dies gelte auch von einem Wilde, so ist durch [das Wort] untervom Heiligenzu folgern.
5Da es nun [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere vom diesjährigen und vorjährigen zu folgernist und es dennoch heißt: Rind und Kleinvieh, so bedeutet dies: nur Rind und Kleinvieh sind nicht für einander zu verzehnten, wohl aber sind Schafe und Ziegen für einander zu verzehnten.
6Aber kann denn hierbei [das Wort] Getreide, zur Ausschließung andrer Arten, fortgelassen werden!?
7R. Hona, Sohn des R. Naḥman, wandte ein: Vielleicht deutet dies auf die Mischung von Rind und Kleinvieh!? Mar Zuṭra, Sohn des R. Naḥman, erwiderte ihm: Auch Raba deutet [das Wort] das Zehnte.
8Manche lesen: Raba sagte: Auch abgesehen [vom Worte] das Zehnte kannst du nicht sagen, daß Rind und Kleinvieh für einander zu verzehnten sind, denn der Viehzehnt wird mit dem Getreidezehnten verglichen, wie den Getreidezehnten nicht von einer Art für eine andre Art, ebenso den Viehzehnten nicht von einer Art für eine andre Art. –
9Raba aber ist es ja, welcher deutet: Jahr für Jahr, ich habe sie nur hinsichtlich des Jahres verglichen, nicht aber hinsichtlich einer andren Sache!? – Raba ist davon abgekommen. Wenn du aber willst, sage ich, eines davon sagte R. Papa.
10BEIM VIEHZEHNTEN ERFOLGT EINE VEREINIGUNG[AUF EINER AUSDEHNUNG] SOWEIT EIN WEIDENDES VIEH SICH ENTFERNT. WIEVIEL BETRÄGT [EINE AUSDEHNUNG] SOWEIT EIN WEIDENDES VIEH SICH ENTFERNT? SECHZEHN MIL. SIND ZWISCHEN DIESEN UND JENEN ZWEIUNDDREISSIG MIL, SO WERDEN SIE NICHT VEREINIGT; BEFINDEN SICH WELCHE IN DER MITTE, SO HOLE ER JENE UND VERZEHNTE SIEIN DER MITTE. R. MEÍR SAGT, DER JARDEN GILT BEIM VIEHZEHNTEN ALS TRENNUNG.
11GEMARA. Woher dies?
12Rabba b. Šila erwiderte: Die Schrift sagt: noch sollen die Schafe unter des Zählenden Händen hindurchgehen, und es war den Rabbanan bekannt, daß das Auge des Hirten sechzehn Ellen beherrscht.
13SIND ZWISCHEN DEN EINEN UND DEN ANDREN ZWEIUNDDREISSIG MIL, SO WERDEN SIE NICHT VEREINIGT &C. Nur zweiunddreißig werden nicht vereinigt, weniger aber werden wohl vereinigt: er lehrt ja aber sechzehn Mil, mehr aber nicht!? – Weil er im Schlußsatze lehren will: befinden sich welche in der Mitte, so hole er jene und verzehnte sie in der Mitte. –
14Wieviel? Rabh erwiderte: Fünf da, fünf dort und fünf in der Mitte, denn diese fünf können zu diesen und können zu jenen gezählt werden.
15Šemuél aber sagt, selbst wenn fünf sich da befinden, fünf dort und eines in der Mitte, denn wir betrachten den Hirten als dabefindlich, und er kann sie zählen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.