Bechorot — Blatt 55a

1Man wandte ein: Hat jemand fünf in Kephar Ḥananja und fünf in Kephar O͑thni, so werden sie nicht vereinigt, es sei denn, daß er eines in Sepphoris hat. Dies ist eine Widerlegung Rabhs.

2Šemuél erklärte es nach Rabh: Wenn er neun da, neun dort und eines in der Mitte hat, denn dieses kann zu diesen und kann zu jenen gezählt werden.

3R. Papa sprach: Nach Šemuél vereinigt siesogar der Hirt, und sogar die Geräte des Hirten vereinigen sie.

4R. Aši fragte: Wie ist es mit dem Hunde des Hirten: werden sie, da er, wenn man ihn anruft, herankommt, nicht vereinigt, oder aber, es kommt vor, daß er nicht herankommt und er selber hingehen muß? – Dies bleibt unentschieden.

5R. MEÍR SAGT, DER JARDEN GELTE BEIM VIEHZEHNTEN ALS TRENNUNG. R. Ami sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn da keine Brücke ist, ist da aber eine Brücke, vereinigt sie die Brücke.

6Also aus dem Grunde, weil sie einander nicht nahe kommen. Man wandte ein: Hat jemand [Vieh] an beiden Seiten des Jarden, da und dort, oder in zwei Bezirken, wie bespielsweise Namer und Namori, so werden sie nicht vereinigt, und umso weniger, wenn außerhalb des Landes und im Lande.

7Wenn außerhalb des Landes und im Lande, gleicht dies ja einem Orte, wo eine Brücke ist, und er lehrt, daß sie nicht vereinigt werden!?

8Vielmehr, erwiderte R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans, ist folgendes der Grund R. Meírs. Die Schrift sagt:der Jarden begrenze es nach der östlichen Seite, die Schrift machte ihn zur sondernden Grenze. –

9Es heißt ja auch:dann bog die Grenze um, und die Grenze stieg; demnach hat sie die Schrift zu gesonderten Grenzgebietengemacht!? –

10Anders verhält es sich da, wo die Schrift sagt:dies soll euch das Land sein nach seinen Grenzen ringsum, das ganze Jisraélland ist ein Gebiet. –

11Demnach sollte dies auch vom Jarden gelten!? – Das Land, nicht aber der Jarden. –

12Erklärlich ist es nach R. Ḥija b. Abba, daß er es vom Jarden lehrt, nach R. Ami aber sollte er es doch von allen Flüssen lehren!? – Ein Einwand.

13Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten.Denn ihr zieht über den Jarden in das Land Kenaa͑n; das Land ist das Land Kenaa͑n, nicht aber ist der Jarden das Land Kenaa͑n – so R. Jehuda b. Bethera.

14R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Es heißt:jenseits des Jarden vor Jereḥo, in Morgen-Ost; wie Jereḥo zum Lande Kenaa͑n gehört, ebenso gehört der Jarden zum Lande Kenaa͑n.

15Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Der Jarden gilt als solcher nur von Beth Jereḥo abwärts. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung: wollte man sagen, hinsichtlich der Gelübde, so richtet man sich ja dabei nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche der Leute, und verboten ist einem nur das, was die Leute Jarden nennen!? – Vielmehr, hinsichtlich des Viehzehnten.

16Desgleichen wird gelehrt: Der Jarden entspringt aus der Höhle von Paneas und mündet in das Meer von Sikhni, in das Meer von Tiberias und in das Meer von Sedom; dann geht er weiter und gelangt in das große Meer. Jarden heißt er nur von Beth Jereḥo abwärts.

17R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Jonathans: Er heißt deshalb Jarden, weil er von Dan abwärtsfließt. R. Abba sprach zu R. Aši: Ihr entnehmt dies hieraus, wir entnehmen es aus folgendem:Lešem aber benannten sie Dan, nach dem Namen ihres Vaters Dan, und R. Jiçḥaq sagte, Lešem sei Paneas, und ferner wird gelehrt, der Jarden entspringe aus der Höhle von Paneas.

18R. Kahana sagte: Die Kraft des Jarden ist die Höhle von Paneas. Wenn jemand gesagt hat, er werde kein Wasser aus der Höhle von Paneas trinken, so ist ihm der ganze Jarden verboten.

19Die Kraft des Blutes ist die Leber. Dies nach R. Jiçḥaq, denn R. Jiçḥaq sagte: Die zerriebene Leber ist im Quantum eines Viertellog verunreinigend.

20Die Kraft der Gewässer ist der Euphrat. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Wer sich das Wasser des Euphrat abgelobt hat, dem sind alle Gewässer der Welt verboten. –

21In welchem Falle: wollte man sagen, wenn er gesagt hat, er werde vom Wasser des Euphrat nicht trinken, so sagte er ja, nur er werde vom Wasser des Euphrat nicht trinken, wohl aber werde er solches aus einem andren Flusse trinken!? –

22Vielmehr, wenn er gesagt hat, er werde kein Wasser trinken, das aus dem Euphrat kommt. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Alle Flüsse fließen unterhalb der dreiFlüsse, und die drei Flüsse unterhalb des Euphrat. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.