Bechorot — Blatt 58a

1Damit die Wallfahrer Vieh zur Verfügung haben.

2Und obgleich wir gelernt haben, man dürfe vor dem Termine [unverzehntet] verkaufen und schlachten, so ist es trotzdem jedem lieb, daß mit seinem Gelde ein Gebot ausgeübt werde, und erst dann verkaufe und verzehre man es. –

3Weshalb nennt er es Tenne? – Weil [das Vieh] dann zehntpflichtig wird, wie [das Getreide] auf der Tenne. –

4Was heißt Monatshälfte? R. Jose b. R. Jehuda erklärte: Unter Monatshälfte sind mindestens fünfzehn Tage zu verstehen. –

5Woraus geht dies hervor? R. Abahu erwiderte: Die Hälfte des Durchbrochenen. – Wovon die Hälfte? – Die Hälfte der [Vorträge über die] Vorschriften des Pesaḥfestes. Es wird nämlich gelehrt: Dreißig Tage vor dem Pesaḥfeste disputiere und trage man vor über die Vorschriften des Pesaḥfestes. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, zwei Wochen.

6BEN A͑ZAJ SAGT, AM NEUNUNDZWANZIGSTEN ADAR, AM ERSTEN SIVAN. Worüber streiten R. A͑qiba und Ben A͑zaj? – R. Aqiba ist der Ansicht, der Adar vor Nisan sei zuweilen vollzähligund zuweilen unvollzählig, sodaß es zuweilen am dreißigsten Tage eintrifft, und zuweilen am neunundzwanzigsten eintrifft, somit ist hierfür keine Zeit festgesetzt; Ben A͑zaj aber ist der Ansicht, der Adar vor Nisan sei immer unvollzählig, somit ist hierfür eine Zeit festgesetzt, am neunundzwanzigsten Adar.

7AM ERSTEN SIVAN. Weil es nicht viele sind, und wenn man sagen wollte, man verzehnte sie vorher, so würden sie bis zum Feste zuende sein.

8AM NEUNUNDZANZIGSTEN AB &C. Ben A͑zaj vertritt hierbei seine Ansicht, denn er sagt, die im Elul Geborenen seien gesondert zu verzehnten. –

9Soll man sie doch am dreißigsten verzehnten!? – Es kann vorkommen, daß der Ab unvollzählig ist, und es ist eine Kenntlichmachung zwischen diesjährigen und vorjährigen erforderlich.

10R. ELEA͑ZAR UND R. ŠIMO͑N SAGEN, AM ERSTEN NISAN, AM ERSTEN SIVAN &C. Am ersten Nisan, nach R. Šimo͑n b. Gamliél, welcher sagt, zwei Wochen. Am ersten Sivan, wie wir bereits erklärthaben.

11Am neunundzwanzigsten Elul, denn R. Elea͑zar und R. Šimo͑n vertreten hierbei ihre Ansichten, denn sie sagen, der erste Tišri sei Jahresanfang für den Viehzehnten.

12WESHALB SAGTEN SIE AM NEUNUNDZWANZIGSTEN ELUL UND NICHT AM ERSTEN TIŠRI? DA DIESER EIN FEIERTAG IST &C. Sollte doch schon der Grund ausreichen, daß eine Kenntlichmachung zwischen den diesjährigen und den vorjährigen erforderlich ist!? –

13Er meint es: dies und noch etwas; erstens ist eine Kenntlichmachung zwischen diesjährigen und vorjährigen erforderlich, und zweitens, weil dieser ein Feiertag ist und man am Feiertage nicht verzehnten darf, wegen des roten Striches.

14R. MEÍR SAGT, DER ERSTE ELUL SEI JAHRESANFANG FÜR DEN VIEHZEHNTEN. BEN A͑ZAJ SAGT &C. Es wird gelehrt: Ben A͑zaj sagte: Da die einen so sagen und die andren so sagen, so sind die im Elul Geborenen besonders zu verzehnten. –

15Sollte man doch erwägen, wessen Begründung einleuchtender ist!? Wolltest du erwidern, man vermöge über ihre Gründe nicht zu entscheiden, so wird ja gelehrt: Ben A͑zaj sagte: Alle Weisen Jisraéls sind für mich wie eine Knoblauchschale, ausgenommen dieser Kahlkopf.

16R. Joḥanan erwiderte: Sie sagten es nach einer Überlieferung, aus dem Munde von Ḥaggaj, Zekharja und Maleakhi.

17Es wird gelehrt: Von welchem Falle sagte Ben A͑zaj, die im Elul Geborenen seien gesondert zu verzehnten? Sind fünf im Ab und fünf im Elul geboren, so werden sie nicht vereinigt; wenn fünf im Elul und fünf im Tišri, so werden sie nicht vereinigt, wenn fünf im Tišri und fünf im [folgenden] Ab, so werden sie vereinigt. –

18Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, wie die Jahre trennen, ebenso trennen auch die Termine, so lehrt er uns.

19Wie wir gelernt haben: Fünf vor Neujahr und fünf nach Neujahr [Geborene] werden nicht vereinigt, fünf vor dem Termine und fünf nach dem Termine [Geborene] werden vereinigt.

20Raba sagte: Nach Ben A͑zaj sind sie, wenn fünf im Ab, fünf im Elul und fünf im Tišri geboren sind, in der Hürde zur Verzehntung zu bringen;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.