Bechorot — Blatt 60b
1HAT MAN DAS NEUNTE ALS ZEHNTES, DAS ZEHNTE ALS NEUNTES UND DAS ELFTE ALS ZEHNTES BEZEICHNET. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß, wenn man das neunte als zehntes, das zehnte als neuntes und das elfte als zehntes bezeichnet hat, alle drei heilig sind?
2Es heißt:alles zehnte vom Rinde und vom Kleinvieh, alles, was unter dem Stabe vorübergeht, das zehnte soll heilig sein. Man könnte glauben, auch das achte und das zwölfte seien einzuschließen,
3so ist zu erwidern: dieses ist heilig und das dafür fehlerhaft [gezählte] ist heilig, wie bei diesem selbst das nächste heilig ist, ebenso ist beim fehlerhaft [gezählten] das nächste heilig. –
4Es wird ja aber gelehrt: wie dieses einzig ist, ebenso auch das fehlerhaft [gezählte] einzig!? –
5Ein Jünger lehrte vor R. Joḥanan, hier ist R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n vertreten, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagte, das elfte ist nur dann heilig, wenn man beim neunten geschwiegen und das zehnte als neuntes und das elfte als zehntes bezeichnet hat. –
6Er ist der Ansicht R. Jehudas, welcher sagt, das irrtümlich als Zehnt bezeichnete gilt als Eingetauschtes, und er ist der Ansicht seines Vaters, welcher sagt, man könne nicht eintauschen und abermals eintauschen.
7Raba sagte: Wenn beim neunten zwei herausgekommen sind, und er sie als neuntes bezeichnet hat, so sind Zehnt und Profanes mit einander vermischt, denn das zehnte ist von selbst heilig und das neunte bezeichnete er als neuntes;
8hat er sie als zehntes bezeichnet, so sind das zehnte und das neunte mit einander vermischt, denn er bezeichnete beide als zehntes.
9Wenn beim zehnten zwei herausgekommen sind und er sie als zehntes bezeichnet, hat, so sind das zehnte und das elfte mit einander vermischt; hat er sie als elftes bezeichnet, so sind Zehnt und Profanes mit einander vermischt. –
10Wozu ist dies weiter nötig, es ist ja dasselbe!? – Folgendes lehrt er uns: wenn gleichzeitig, sind beide heilig, obgleich ihm die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht gänzlich entzogen ist.
11R. Kahana saß und trug diese Lehre vor, da sprach R. Aši zu R. Kahana: Diesem ist ja die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht entzogen worden, und wir haben gelernt: die Regel hierbei sei, solange ihm die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht entzogen worden ist. sei das elfte nicht heilig!? – Dies nur, wenn nacheinander, wenn aber gleichzeitig, sind beide heilig. –
12Der Fall, wenn nacheinander, wird ja ausdrücklich gelehrt: wenn er das neunte als zehntes, das zehnte als zehntes und das elfte als zehntes bezeichnet hat, so ist das elfte nicht heilig, und die Regel schließt wohl den Fall ein, wenn es gleichzeitig erfolgt ist!? –
13Nein, sie schließt den Fall ein, wenn das zehnte herausgekommen ist und er nichts gesagt hat, so daß ihm die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht entzogen worden ist.
14Es wird ja auch gelehrt, wenn beim zehnten zwei herausgekommen sind, eines nicht früher als das andre, und er sie als zehntes bezeichnet hat, seien das zehnte und das elfte miteinander vermischt, und wenn man nicht so erklären wollte, [wäre ja einzuwenden:] ihm ist ja die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht entzogen worden!? Wahrscheinlich sagen wir, wenn gleichzeitig, seien beide heilig. –
15Wenn nur dies, so beweist dies nichts, denn hier handelt es sich um den Fall, wenn eines den Kopf zuerst herausgesteckt und er es als elftes bezeichnet hatte. dann aber beide vermischt worden; und zusammen herausgekommen sind und er sie als zehntes bezeichnet hat; ihm ist ja die Bezeichnung ‘zehntes’ entzogen worden. –
16Er lehrt ja ‘nicht früher’!? – Unter ‘nicht früher’ ist zu verstehen: wenn sie wieder vermischt worden sind. –
17Also nicht nach Rabbi, denn wenn nach Rabbi, so sagt er ja, die Zählung des elften sei keine Entziehung? –
18Du kannst auch sagen, nach Rabbi, denn Rabbi sagt es nur von dem Falle, wenn man viel Viehhat, denn wir sagen, er habe ‘einZehnt’ verstanden, hierbei aber gilt dies von dem Falle, wenn er nicht viel Vieh hat. –
19Was ist dies für eine Lehre Rabbis? – Es wird gelehrt: Hat er das zehnte als elftes und das elfte als zehntes bezeichnet, so ist das elfte nicht heilig – so Rabbi. R. Jose b. R. Jehuda sagt, das elfte sei heilig. Rabbi sagte eine Regel: Solange jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht entzogen ist, ist das elfte nicht heilig. Raba erklärte: Hier handelt es sich um den Fall, wenn er viel Vieh hat, denn wir sagen, er habe ‘ein Zehnt’ verstanden.
20Sind beim zehnten zwei herausgekommen, so lasse man sie, wie Eines lehrt, weiden, ein Andres lehrt, sie seien darzubringen, und ein Drittes lehrt, man lasse sie verenden.
21Das ist aber kein Widerspruch. Die Lehre, daß man sie weiden lasse, gilt nach den Rabbanan, welche sagen, man bringe kein Heiliges in den Untauglichenraum;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.