Bechorot — Blatt 61a

1die Lehre, daß sie darzubringen seien, gilt nach R. Šimo͑n, welcher sagt, man bringe Heiliges in den Untauglichenraum;

2und die Lehre, daß man sie verenden lasse, gilt nach R. Jehuda, welcher sagt, das irrtümlich als Zehnt bezeichnete gelte als Eingetauschtes, und R. Jehuda ist der Ansicht, das Eingetauschte des Zehnten lasse man verenden. –

3Ist R. Jehuda denn der Ansicht, man lasse das Eingetauschte des Zehnten verenden, wir haben ja gelernt: Man erwiderte im Namen R. Meírs: Wäre es Eingetauschtes, so würde es nicht dargebracht werden können. Demnach ist R. Jehuda der Ansicht, es sei darzubringen.

4Wolltest du erwidern: R. Meír sage es nach seiner Ansicht, so wird ja gelehrt: ein Unterschied zwischen dem elften und dem Heilsopfer bestehe nur darin, indem dieses Heiligkeit zur Darbringung überträgt und jenes keine Heiligkeit zur Darbringung überträgt – so R. Jehuda. Heiligkeit zur Darbringung überträgt es nicht, wohl aber ist es selber darzubringen.

5Ferner wird gelehrt:Wenn vom Rinde, dies schließt das elfte als Heilsopfer ein.

6Man könnte glauben, auch das neunte sei einzuschließen, so ist zu erwidern: überträgt das Heilige die Heiligkeit vorangehend oder folgend? Doch wohl folgend.

7Eine anonyme Lehre im Siphra ist ja von R. Jehuda, und eine solche lehrt: vom Rinde, dies schließt das elfte als Heilsopfer ein!? –

8Vielmehr, R. Šimo͑n b. R. Abba erklärte es vor R. Joḥanan, dies gelte vom Zehnten in der Jetztzeit, und zwar wegen eines Verstoßes. –

9Wieso demnach zwei, dies sollte doch auch von einem gelten!? Dies ist selbstverständlich; selbstverständlich ist dies von einem, da kein [großer] Schaden vorliegt, zwei aber, wobei der Schaden groß ist, [könnte man glauben,] halte man bis sie einen Leibesfehler bekommen und verzehre sie, so lehrt er uns.

10Es wurde gelehrt: Wenn jemand zu seinem Vertreter gesagt hat, daß er gehe; und für ihn den Zehnten entrichte, so ist, wie R. Papi im Namen Rabas sagt, wenn dieser das neunte als zehntes bezeichnet hat, dieses heilig, und wenn das elfte als zehntes, dieses nicht heilig. R. Papa aber sagt, auch wenn er das neunte als zehntes bezeichnet hat, sei es nicht heilig, denn er kann zu ihm sagen: ich habe dich zur Nutzbringung beauftragt und nicht zur Schädigung. –

11Womit ist es hierbei anders als bei der folgenden Lehre: Wenn jemand zu seinem Vertreter gesagt hat, daß er gehe und für ihn die Hebe absondere, so hebe er sie nach dem Wunsche des Hausherrnab,

12und wenn er den Wunsch des Hausherrn nicht kennt, so entrichte er sie eines von fünfzig vom Mittelmäßigen; hat er zehn weniger oder zehnmehr abgehoben, so ist seine Abhebung gültig!? –

13Ich will dir sagen, da kann er, da mancher mit scheelem Auge und mancher mit gönnendem Auge die Hebe entrichtet, sagen, er habe ihn auf soviel eingeschätzt, hierbei aber liegt ein Irrtum vor, und jener kann zu ihm sagen: du solltest dich nicht irren.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.