Bechorot — Blatt 6a

1so heißt es zweimal: Erstling eines Esels, Erstling eines Esels, ich habe es dir nur vom Erstlinge eines Esels gesagt, nicht aber von den Erstlingen von Pferd und Kamel.

2R. Aḥaj wandte ein: Hätte es der Allbarmherzige nur einmal geschrieben, könnte man sagen : wenn etwas in der Generalisierung einbegriffen war und um etwas zu lehren aus der Generalisierung herausgegriffen worden ist, so ist es nicht herausgegriffen worden, um für sich allein zu lehren, vielmehr ist es herausgegriffen worden, um für die ganze Generalisierung zu lehren, daß es stets nur durch ein Schaf erfolge.

3Daher schrieb der Allbarmherzige abermals Erstling eines Esels, daß dies nämlich nur vom Erstlinge eines Esels gilt und nicht von den Erstlingen von Pferd und Kamel; somit sind sie ausgeschlossen hinsichtlich des Schafes, jedoch durch irgend etwas anderes [auszulösen].

4Demnach sollte doch der Allbarmherzige geschrieben haben: den Erstling eines Esels sollst du durch ein Schaf auslösen, einen Esel sollst du durch ein Schaf auslösen, wenn es aber [zweimal] heißt: den Erstling eines Esels sollst du durch ein Schaf auslösen, den Erstling eines Esels sollst du durch ein Schaf auslösen, so deutet dies: ich habe es dir nur vom Erstlinge eines Esels gesagt und nicht von den Erstlingen von Pferd und Kamel. –

5Woher weiß unser Autor, Pferd und Kamel auszuschließen?

6R. Papa erwiderte :all dein Vieh, was männlich, generell, Rind, Schaf und Esel, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so enthält die Generalisierung nur das, was die Spezialisierung nennt, nur Rind, Schaf und Esel, anderes aber nicht. –

7Und R. Jose der Galiläer!? – [Das Wort] Erstling unterbricht den Zusammenhang. – Und die Rabbanan!? – Die Schrift verbindet sie durch dasund. –

8Und R. Jose der Galiläer!? – Sollte sie doch weder und noch Erstling schreiben. –

9Und die Rabbanan!? – Da bei diesem nur der Geldwert heilig ist und bei jenem die Sache selbst heilig ist, so trennt sie sie und verbindet sie wieder.

10Sie fragten : Wie ist es, wenn eine Kuh Eselartiges geworfen und dieses manche Kennzeichenhat?

11Ist es, nur wenn eine Ziege Schafartiges oder ein Schaf Ziegenartiges geworfen hat, und dieses manche Kennzeichen hat, erstgeburtspflichtig, da das eine rein ist und das andre rein ist, das eine körperlich heilig ist und die andere körperlich heilig ist,

12nicht aber hierbei, wo das eine unrein und das andre rein ist, das eine körperlich heilig ist und vom andren nur der Geldwert heilig ist, oder aber, da beide durch die Erstgeburt heilig sind, so ist es heilig.

13Und wie ist es, wenn du entscheidest, es sei heilig, da beide durch die Erstgeburt heilig sind, wenn eine Eselin Pferdeartiges geworfen hat: dieses ist entschieden nicht durch die Erstgeburt heilig, oder aber, auch die unreine Art ist heilig.

14Und wie ist es, wenn du entscheidest, es sei, da es eine unreine Art ist, heilig, wenn eine Kuh Pferdeartiges geworfen hat. Hierbei ist entschieden das eine rein und das andre unrein, das eine durch die Erstgeburt heilig und das andre nicht durch die Erstgeburt heilig, oder aber sind die Kennzeichen wesentlich? –

15Komm und höre: hat ein reines Vieh ein unreinartiges Vieh geworfen, so ist es erstgeburtsfrei; hat es aber manche Kennzeichen, so ist es erstgeburtspflichtig. Doch wohl, auch wenn eine Kuh Pferdeartiges geworfen hat. – Nein, wenn eine Kuh Eselartiges geworfen hat. –

16Komm und höre: Hat eine Kuh Eselartiges geworfen, oder hat eine Eselin Pferdeartiges geworfen, so ist es erstgeburtsfrei ; hat es aber manche Kennzeichen, so ist es erstgeburtspflichtig. Dies bezieht sich wohl auf beides. – Nein, auf den Fall, wenn eine Kuh Eselartiges geworfen hat.

17Demnach lehrt er den Fall, wenn ein Esel Pferdeartiges geworfen hat, daß es nämlich frei ist, und dies ist ja selbstverständlich : wenn es sogar in dem Falle, wenn eine Kuh Eselartiges geworfen hat, wo beide durch die Erstgeburt heilig sind, nur dann [pflichtig ist,] wenn es manche Kennzeichen hat, sonst aber nicht, um wieviel mehr in dem Falle, wenn eine Eselin Pferdeartiges geworfen hat!? –

18Dies ist nötig. Man könnte glauben, nur da, wo das eine Hörner hat und das andre keine Hörner hat, das eine gespaltene Klauen hat und das andre ungespaltene Klauen hat,

19hierbei aber, wo beide keine Hörner haben, beide ungespaltene Klauen haben, könnte man glauben, es sei nichts weiter als ein brauner Esel, so lehrt er uns.

20WIE VERHÄLT ES SICH MIT IHNEN HINSICHTLICH DES ESSENS &C. Wozu begründet er: denn was kommt? –

21Es ist nur ein Merkzeichen, damit du es nicht verwechselst; damit du nicht glaubst, man richte sich nach [der Geburt], wonach diese richtig rein oder richtig unrein ist, vielmehr richte man sich nach der Mutter. –

22Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Dieses aber sollt ihr nicht essen von den Wiederkäuern und von den mit gespaltenen Klauen; du hast manches, das wiederkäuend ist und gespaltene Klauen hat, und du dennoch nicht essen darfst, und zwar ein von einem unreinen [Vieh] geworfenes reines. Vielleicht ist dem nicht so, sondern ein von einem reinen geworfenes unreines, und [die Worte:] von den Wiederkäuern und den mit gespaltenen Klauen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.