Bechorot — Blatt 6b
1sind wie folgt zu verstehen : was von Wiederkäuern und [Tieren] mit gespaltenen Klauen kommt, und du dennoch nicht essen darfst? Es heißt :Kamel &c. es ist unrein; es ist unrein, nicht aber ist ein von einem reinen [Vieh] geworfenes unreines unrein, sondern rein.
2R. Šimo͑n sagte : Es heißt zweimalKamel, Kamel, sowohl ein von einem Kamele geworfenes Kamel als auch ein von einer Kuh geworfenes Kamel. –
3Wofür verwenden die Rabbanan [die Wiederholung des Wortes] Kamel? – Eines, daß es selbst verboten ist, und eines, daß seine Milch verboten ist. – Woher entnimmt R. Šimo͑n, daß seine Milch verboten ist? – Dies folgert er aus [dem Artikel] das Kamel. – Und die Rabbanan!? – Sie verwenden [den Artikel] das nicht zur Schriftforschung.
4Es wird nämlich gelehrt: Šimo͑n I͑msoni interpretierte sämtliche eth in der Tora, und als er herankam [zum Schriftverse :]den [eth] Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, zog er sich zurück. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Meister, was soll aus all den Forschungen werden, die du aus eth eruiert hast? Er erwiderte ihnen: Wie ich einen Lohn für die Forschung zu erwarten hätte, ebenso habe ich einen Lohn für die Zurücktretung zu erwarten.
5Als aber R. A͑qiba kam, lehrte er: Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, dies schließt die Schriftgelehrten ein.
6R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: Demnach folgern die Rabbanan aus [der Wiederholung] Kamel, Kamel, und R. Šimo͑n folgert aus [dem Artikel] das Kamel, sonst aber würde man geglaubt haben, die Milch eines unreinen Viehs sei erlaubt;
7womit aber ist es hierbei anders, als bei folgender Lehre:die unrein sind, daß nämlich auch Tunke, Gallerte und Bodensatz verboten sind!? –
8Dies ist nötig. Man könnte glauben, da diesauch bei einem reinen Vieh ein Novum ist, denn der Meister sagte, das Blut trübe und werde Milch, und da dies ein Novum ist, sei auch die eines unreinen Viehs erlaubt, so lehrt er uns. –
9Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, das Blut trübe und werde Milch, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, ihreGlieder lösen sich und ihre Lebenskraft kehre erst nach vierundzwanzig Monaten zurück!? –
10Dies ist nötig. Man könnte glauben, da der Allbarmherzige nichts vom Lebenden erlaubt hat, die Milch aber trotzdem erlaubt ist, obgleich sie einem Gliede vom Lebenden gleicht, somit sei auch die eines unreinen Viehs erlaubt, so lehrt er uns. –
11Woher, daß die Milch eines reinen Viehs erlaubt ist: wollte man sagen, da der Allbarmherzige Fleisch mit Milch verboten hat, so ist sie wohl gesondert erlaubt, so ist vielleicht die Milch gesondert nur zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt, während Fleisch mit Milch auch zur Nutznießung verboten ist!?
12Und nach R. Šimo͑n, nach dem es zur Nutznießung erlaubt ist, [unterscheidet es sich] dadurch, daß das Kochen mit der Geißelung belegt ist. –
13Vielmehr, da der Allbarmherzige von untauglichen Opfertieren sagt:schlachten, nicht aber scheren, Fleisch, nicht aber Milch, so ist die eines profanen Viehs erlaubt. –
14Vielleicht aber ist die des profanen nur zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt, und die des Heiligen auch zur Nutznießung verboten!? –
15Vielmehr, es heißt :und genug Ziegenmilch zu deiner Kost und der Kost deines Hauses, und Lebensmittel für deine Mägde. –
16Vielleicht für den Handel!? – Vielmehr, weil es heißt :und die zehn Rahmschnitte. –
17Vielleicht für den Handel!? – Ist denn der Handel Kriegsbrauch!? Wenn du aber willst, sage ich, hieraus:ein Land, das Milch und Honig fließt; wieso würde, wenn diese nicht erlaubt wäre, die Schrift [das Land] einer Sache gelobt haben, die nicht verwendbar ist.
18Wenn du aber willst, sage ich, hieraus :geht, schaffet Vorrat und esset, geht, schaffet Vorrat ohne Geld, ohne Kaufpreis, Wein und Milch. –
19Demnach deutet ja auch [die Wiederholung]Kaninchen, Kaninchen, Hase, Hase, Schwein, Schwein, hierauf!?
20Vielmehr wegen der folgenden Lehre: Weshalb sind siewiederholt worden? Beim Vieh wegen des Geteiltenund beim Geflügel wegen des Raá. –
21Ebenso deutet ja auch [die Wiederholung] Kamel, Kamel, hierauf!? – Wo man hieraus etwas deuten kann, deute man.
22Die Rabbanan lehrten: Hat ein Schaf Ziegenartiges geworfen, oder hat eine Ziege Schafartiges geworfen, so ist es erstgeburtsfrei; hat es manche Kennzeichen, so ist es pflichtig. R. Šimo͑n sagt, nur wenn der Kopf und der größere Teil [des Körpers] der Mutter gleicht.
23Sie fragten: Ist nach R. Šimo͑n der Kopf und der größere Teil [des Körpers] auch hinsichtlich des Essens erforderlich oder nicht.
24Hinsichtlich der Erstgeburt heißt es:jedoch das Erstgeborene eines Rindes, nur wenn es selbst ein Rind ist und sein Erstgeborenes ein Rind ist, hinsichtlich des Essens aber sagte der Allbarmherzige
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.