Bechorot — Blatt 7a
1nur von einem Kamel, daß es verboten sei, wenn es aber einem Kamel unähnlich ist, ist es erlaubt, oder aber gibt es hierbei keinen Unterschied? –
2Komm und höre: Hat ein reines Vieh ein unreinartiges geworfen, so ist es zum Essen verboten; gleicht aber der Kopf und der größere Teil [des Körpers] der Mutter, so ist es erstgeburtspflichtig. Hieraus ist also zu entnehmen, daß nach R. Šimo͑nauch hinsichtlich des Essens der Kopf und der größere Teil [des Körpers] erforderlich ist. –
3Nein, nur hinsichtlich der Erstgeburt. Dies ist auch zu beweisen, denn er läßt das Essen und bezieht sich auf die Erstgeburt. Schließe hieraus, daß nach R. Šimo͑n nur hinsichtlich der Erstgeburt der Kopf und der größere Teil [des Körpers] erforderlich ist, nicht aber hinsichtlich des Essens. –
4Tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist es nach ihm auch hinsichtlich des Essens erforderlich, nur ist dies von der Erstgeburt zu lehren nötig. Da es heißt: jedoch die Erstgeburt eines Rindes, so könnte man glauben, dies gelte nur dann, wenn es selbst ein Rind ist und sein Erstgeborenes ein Rind ist, Kopf und größerer Teil [des Körpers] aber genügen nicht, sondern nur dann, wenn es ganz ein solches ist, so lehrt er uns. –
5Komm und höre:Nur das dürft ihr nicht essen von den Wiederkäuern und Behuften; dieses darfst du nicht essen, jedoch darfst du essen, was ein Kennzeichen hat.
6Was ist das, was ein Kennzeichen hat? Das ist ein von einem reinen [Vieh] geworfenes unreines, wenn die Schwängerung von einem reinen erfolgt ist.
7Man könnte glauben, auch wenn die Schwängerung von einem unreinen erfolgt ist, so heißt es :Schaflamm und Ziegenlamm, nur wenn der Vater ein Schaf ist und die Mutter ein Schaf ist – so R. Jehošua͑.
8R. Elie͑zer sagt, die Schrift komme nicht das Erlaubte zu erlauben, sondern zum Erlaubten hinzuzufügen, und zwar das von einem reinen [Vieh] geworfene unreine, wenn die Schwängerung von einem unreinen erfolgt ist. – Vielleicht ist dem nicht so, sondern nur dann, wenn die Schwängerung von einem reinen erfolgt ist? Es heißt: (Rind,) Schaflamm und Ziegenlamm, in jedem Falle. –
9Er nennt es unrein, nach R. Šimo͑n, und er sagt, man dürfe es essen, wenn es ein Kennzeichen hat!? –
10Dieser Autor ist seiner Ansicht in einer Hinsicht und streitet gegen ihn in einer Hinsicht. Manche führen dies als Einwurf und Erwiderung an:
11«Die Schwängerung von einem unreinen.» Kann es denn geschwängert werden,
12R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, nie könne ein unreines von einem reinen oder ein reines von einem unreinen geschwängert werden, noch ein Großvieh von einem Kleinvieh oder ein Kleinvieh von einem Großvieh, noch ein Vieh von einem Wilde oder ein Wild von einem Vieh,
13ausgenommen der Fall, über den R. Elie͑zer und seine Gegnerstreiten, denn sie sagen, ein Wild könne von einem Vieh geschwängert werden,
14und hierzu sagte R. Jirmeja, wenn es von einem von einer Kuh geworfenen Einhufer geschwängert wurde, nach R. Šimo͑n, und er lehrt, man dürfe es essen, wenn es ein Kennzeichen hat!?
15Dieser Autor ist seiner Ansicht in einer Hinsicht und streitet gegen ihn in einer Hinsicht. –
16Demnach ist R. Elie͑zer der Ansicht, wenn es zwei Einwirkungensind, sei es erlaubt, und R. Jehošua͑ der Ansicht, wenn es zwei Einwirkungen sind, sei es verboten,
17während wir doch von ihnen wissen, daß sie entgegengesetzter Ansicht sind: das Junge eines Totverletzten darf, wie R. Elie͑zer sagt, nicht auf dem Altar dargebracht werden, und wie R. Jehošua͑ sagt, wohl auf dem Altar dargebracht werden!? –
18Sonst ist R. Elie͑zer der Ansicht, wenn es zwei Einwirkungen sind, sei es verboten, nur ist es hierbei anders, denn der Schriftvers sollte lauten: Schaf- und Ziegenlamm, wenn es aber Lamm, Lamm heißt, so ist hieraus zu entnehmen, jede Art von Lamm.
19Und ebenso ist, kann ich dir erwidern, R. Jehošua͑ sonst der Ansicht, wenn es zwei Einwirkungen sind, sei es erlaubt, nur ist es hierbei [anders]. Der Schriftvers könnte ja lauten: Rind, Schaf und Ziege, wenn es aber Schafe und Ziegen heißt, so ist hieraus zu entnehmen, nur wenn der Vater ein Schaf ist und die Mutter ein Schaf ist. –
20Komm und höre : R. Šimo͑n sagt, es heißt Kamel, Kamel, zweimal, sowohl ein Kamel, das von einer Kamelin geworfen wurde, als auch ein Kamel, das von einer Kuh geworfen wurde; wenn aber der Kopf und der größere Teil [des Körpers] der Mutter gleicht, so ist es zum Essen erlaubt.
21Schließe hieraus, daß nach R. Šimo͑n auch hinsichtlich des Essens der Kopf und der größere Teil [des Körpers] erforderlich ist. Schließe hieraus.
22WAS VOM UNREINEN KOMMT &C. Man fragte R. Šešeth: Wie verhält es sich mit dem Urin des Esels? –
23Sollten sie es doch hinsichtlich des Pferdes und des Kamels gefragt haben!? – Von dem des Pferdes und des Kamels ist dies nicht fraglich, denn dieser ist nicht trübe und gleicht nicht der Milch, Wasser kam hinein und Wasser kommt heraus; fraglich ist es nur von dem des Esels, der trübe ist und der Milch gleicht. Wie ist es nun ist er, weil vom Körper absorbiert, verboten, oder aber: Wasser kam hinein und Wasser kommt heraus, und trübe ist er nur durch die Körperwärme.
24R. Šešeth erwiderte ihnen: Ihr habt es gelernt: Was vom Unreinen kommt, ist unrein, und was vom Reinen kommt, ist rein. Es heißt nicht: vonUnreinem,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.