Berachot — Blatt 13a

1nicht etwa, daß der Name Ja͑qob ganz abgeschafft werde, vielmehr soll Jisraél Hauptname und Ja͑qob Nebenname sein. Desgleichen heißt es: Gedenket des Ersteren nicht und nach dem Früheren sehet euch nicht um. Gedenket des Ersteren nicht, dies ist die Knechtschaft der Regierungen, und nach dem Früheren sehet euch nicht um, dies ist der Auszug aus Miçrajim.

2Siehe, ich lasse Neues eintreten, jetzt soll es hervorsprießen. R. Joseph lehrte: Das ist der Krieg von Gog und Magog.

3Ein Gleichnis. Dies ist mit einem Menschen zu vergleichen, der auf dem Wege gehend auf einen Wolf stieß und gerettet wurde, der fortwährend das Ereignis mit dem Wolfe erzählte. Als er hierauf auf einen Löwen stieß und gerettet wurde, erzählte er immerfort das Ereignis mit dem Löwen. Als er aber später auf eine Schlange stieß und abermals gerettet wurde, vergaß er das Ereignis mit jenen beiden und erzählte fortan das Ereignis mit der Schlange. So auch bei Jisraél; die späteren Leiden machen die ersteren vergessen.

4Abram, das ist Abraham.

5Vorher war er Vater von Aram, später wurde er Vater der ganzen Welt.

6Saraj, das ist Sarah.

7Vorher war sie Fürstin ihres Stammes, später wurde sie Fürstin der ganzen Welt.

8Bar Qappara rezitierte: Wer den Abraham Abram nennt, der übertritt ein Gebot, denn es heißt: dein Name soll Abraham sein. R. Elie͑zer sagte, er übertrete ein Verbot, denn es heißt: du sollst fortan nicht Abram heißen.

9– Demnach sollte dies auch der Fall sein, wenn man die Sarah Saraj nennt!? –

10Nur zu Abraham sagte der Heilige, gepriesen sei er: Deine Frau Saraj sollst du fortan nicht mit dem Namen Saraj nennen, denn Sarah soll ihr Name sein. –

11Demnach sollte dies auch der Fall sein, wenn man den Ja͑qob Ja͑qob nennt!? –

12Anders ist es da, denn die Schrift selbst wiederholte ihn nachher, wie es heißt: und Gott redete zu Jisraél in der Nachterscheinung und sprach: Ja͑qob, Ja͑qob.

13R. Jose b. Abin, nach anderen, R. Jose b. Zebida, wandte ein: Du, o Herr, Gott, hast den Abram erwählt. –

14Man erwiderte ihm: Da trägt der Prophet zur Verherrlichung des Allbarmherzigen vor, was vorher war.

15WENN JEMAND IN DER TORA LIEST, UND DIE ZEIT DES ŠEMALESENS HERANREICHT, SO GENÜGT ER, WENN ER DIES BEABSICHTIGT, SEINER PFLICHT.

16AN DEN ABSÄTZEN DARF MAN AUS EHRERBIETUNG GRÜSSEN UND EINEN GRUSS ERWIDERN; IN DER MITTE ABER DARF MAN NUR AUS FURCHT GRÜSSEN UND EINEN GRUSS ERWIDERN – SO R. MEÎR.

17R. JEHUDA SAGT, IN DER MITTE DÜRFE MAN AUS FURCHT GRÜSSEN UND AUS EHRERBIETUNG EINEN GRUSS ERWIDERN, UND AN DEN ABSÄTZEN AUS EHRERBIETUNG GRÜSSEN UND JEDERMANN SEINEN GRUSS ERWIDERN.

18FOLGENDE [STELLEN] SIND ABSÄTZE: ZWISCHEN DEM ERSTEN UND DEM ZWEITEN SEGENSSPRUCHE, ZWISCHEN DEM ZWEITEN SEGENSSPRUCHE UND ‘HÖRE JISRAÉL’, ZWISCHEN ‘HÖRE JISRAÉL’ UND ‘WENN IHR HÖREN WERDET’, ZWISCHEN ‘WENN IHR HÖREN WERDET’ UND ‘ER SPRACH’, ZWISCHEN ‘ER SPRACH’ UND ‘WAHR UND FESTSTEHEND’.

19R. JEHUDA SAGT, MAN DÜRFE ZWISCHEN ‘ER SPRACH’ UND ‘WAHR UND FESTSTEHEND’ NICHT UNTERBRECHEN.

20R. JEHOŠUE͑ B. QORḤA SAGTE: DER ABSCHNITT ‘HÖRE JISRAÉL’ GEHT [DEM ABSCHNITTE] ‘WENN IHR HÖREN WERDET’ DESHALB VORAN, DAMIT MAN VORHER DAS JOCH DER HIMMLISCHEN HERRSCHAFT UND HERNACH DAS JOCH DER GESETZE AUF SICH NEHME. UND [DER ABSCHNITT] ‘WENN IHR HÖREN WERDET’ [DEM ABSCHNITT] ‘ER SPRACH’ DESHALB, WEIL DER ERSTEHE SOWOHL AM TAGE ALS AUCH IN DER NACHT, DER LETZTERE ABER NUR AM TAGE GELTUNG HAT.

21GEMARA. Hieraus wäre zu entnehmen, daß die Ausübung der Gebote der Beabsichtigung bedarf? –

22Nein, was er beabsichtigen muß, ist das Lesen selbst. – Er liest ja!? –

23Wenn er berichtigungshalber liest.

24Die Rabbanan lehrten: Das Šema͑lesen [erfolge] in der Ursprache – so Rabbi; die Weisen sagen, in jeder Sprache.

25Was ist der Grund Rabbis? – Die Schrift sagt: sie sollen sein, sie sollen bei ihrem Sein verbleiben. –

26Was ist der Grund der Rabbanan? – Die Schrift sagt: höre, nämlich, in jeder Sprache, die du hörst. –

27Und Rabbi, es heißt ja höre!? – Dies deute man: laß deine Ohren hören, was du aus deinem Munde hervorbringst. –

28Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht desjenigen, welcher sagt, man habe seiner Pflicht genügt, auch wenn man es seine Ohren nicht hören ließ. –

29Und die Rabbanan, es heißt ja: sie sollen sein!? – Hieraus deuten sie, daß man das Šema͑ nicht rückwärts lesen darf. –

30Woraus entnimmt Rabbi, daß man das Šema͑ nicht rückwärts lese? – Er folgert dies aus [dem Artikel] die Worte. – Und die Rabbanan? – Sie verwenden [den Artikel] die Worte nicht zur Forschung. –

31Es wäre anzunehmen, daß Rabbi der Ansicht ist, die ganze Tora dürfe in jeder Sprache gelesen werden, denn wollte man sagen, sie dürfe nur in der Heiligensprache gelesen werden, so brauchte ja der Allbarmherzige sie sollen sein nicht zu schreiben? –

32Dies ist deshalb nötig, weil es höre heißt. –

33Es wäre anzunehmen, daß die Rabbanan der Ansicht sind, die ganze Tora dürfe nur in der Heiligensprache gelesen werden, denn wollte man sagen, sie dürfe in jeder Sprache gelesen werden, so brauchte ja der Allbarmherzige nicht höre zu schreiben? –

34Dies ist deshalb nötig, weil es sie sollen sein heißt.

35Die Rabbanan lehrten: Sie sollen sein, man darf sie nicht rückwärts lesen; diese Worte in deinem Herzen: man könnte meinen, der ganze Abschnitt bedarf der Intensität, so heißt es diese, bis hier ist die Intensität erforderlich, von hier ab ist die Intensität nicht erforderlich – so R. Elie͑zer.

36R. A͑qiba sprach zu ihm: Es heißt: das ich dir heute befehle,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.