Berachot — Blatt 13b

1sei in deinem Herzen, hieraus ersiehst du, daß der ganze Abschnitt der Intensität bedarf.

2Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen des R. Joḥanan: Die Halakha ist wie R. A͑qiba.

3Manche beziehen dies auf folgende Lehre: Wer das Šema͑ liest, muß seinen Sinn darauf richten. R. Aḥa sagt im Namen R. Jehudas: Hat er beim ersten Abschnitt seinen Sinn darauf gerichtet, so ist dies weiter nicht nötig. Hierzu sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Aḥa, der im Namen R. Jehudas lehrte.

4Ein Anderes lehrt: Sie sollen sein, man darf sie nicht rückwärts lesen; in deinem Herzen, R. Zuṭra deutete: bis hier das Gebot der Intensität, von da ab das Gebot des Lesens; R. Jošija deutete: bis hier das Gebot des Lesens, von da ab das Gebot der Intensität.

5Von da ab das Gebot des Lesens wohl deshalb, weil es darin heißt: davon zu sprechen, aber auch in jenem heißt es ja: du sollst davon sprechen!? –

6Er meint es wie folgt: bis hier das Gebot der Intensität und des Lesens, von da ab des Lesens ohne Intensität. –

7Bis hier das Gebot der Intensität und des Lesens wohl deshalb, weil es darin heißt: in deinem Herzen, und: du sollst davon sprechen, aber auch in jenem heißt es ja: in euerem Herzen, und: davon zu sprechen!? –

8Da deutet dies auf eine Lehre R. Jiçḥaqs hin, welcher sagte: Ihr sollt diese meine Worte [in euer Herz] tun, das Tun muß gegenüber dem Herzen erfolgen.

9Der Meister sagte: R. Jošija deutete: bis hier das Gebot des Lesens, von da ab das Gebot der Intensität. Von da ab das Gebot der Intensität wohl deshalb, weil es darin heißt: in eurem Herzen, aber auch in jenem heißt es ja: in deinem Herzen!? –

10Er meint es wie folgt: bis hier das Gebot des Lesens und der Intensität, von da ab Intensität ohne das Lesen. –

11Bis hier das Gebot des Lesens und der Intensität wohl deshalb, weil es darin heißt: in deinem Herzen, und: du sollst davon sprechen; aber auch in jenem heißt es ja: in euerem Herzen, und: davon zu sprechen!? –

12Da bezieht sich dies auf die Worte der Tora, und der Allbarmherzige meint es wie folgt: lehrt euere Söhne die Tora, damit sie davon sprechen.

13Die Rabbanan lehrten: Höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig; bis hier ist die Intensität erforderlich – so R. Meír. Raba sagte: Die Halakha ist wie R. Meír.

14Es wird gelehrt: Symmachos sagte: Wer [das Wort] einzig lange dehnt, dem werden Tage und Jahre verlängert. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: das Daleth. R. Aši sagte: Jedoch verschlucke man das Ḥeth nicht.

15Einst saß R. Jirmeja vor R. [Ḥija b. Abba], und als dieser ihn sehr lange dehnen hörte, sprach er zu ihm: Sobald du [Gott] als König droben und hienieden, sowie in allen vier Himmelsrichtungen anerkannt hast, brauchst du nicht länger.

16R. Nathan b. Mar U͑qaba sagte im Namen R. Jehudas: [Die Worte] in deinem Herzen [lese man] stehend. – Nur [die Worte] in deinem Herzen, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: bis zu [den Worten] in deinem Herzen lese man stehend, von da ab ist dies nicht mehr nötig. R. Joḥanan aber sagt, man lese den ganzen Abschnitt stehend.

17R. Joḥanan vertritt hierin seine Ansicht, denn Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Aḥa, der im Namen R. Jehudas lehrte.

18Die Rabbanan lehrten: Höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig, dies ist das Šema͑ R. Jehuda des Fürsten. Rabh sprach zu R. Ḥija: Ich sah Rabbi nicht [das Joch der] himmlischen Herrschaft auf sich nehmen. Jener erwiderte: Fürstensohn, während er mit den Händen über das Gesicht fährt, nimmt er das Joch der himmlischen Herrschaft auf sich, –

19Pflegte er es nachher zu beenden, oder pflegte er es nicht zu beenden? Bar Qappara sagte, er pflegte es nicht zu beenden; R. Šimo͑n b. Rabbi sagte, er pflegte es wohl zu beenden. Bar Qappara sprach zu R. Šimo͑n b. Rabbi: Erklärlich ist es nach meiner Ansicht, er pflegte es nicht zu beenden, daß Rabbi [täglich] nach einer Lehre suchte, in der der Auszug aus Miçrajim vorkommt, wozu aber suchte er nach einer solchen nach deiner Ansicht, daß er es nachher wohl zu beenden pflegte!? –

20Um des Auszuges aus Miçrajim zur festgesetzten Zeit zu gedenken.

21R. IIa, Sohn des R. Šemuél b. Martha, lehrte im Namen Rabhs: Wer nur [den Vers:] Höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig, las und vom Schlafe übermannt wurde, hat seiner Pflicht genügt. R. Naḥman sprach zu seinem Diener Daro: Beim ersten Verse quäle mich, weiter aber quäle mich nicht. R. Joseph fragte R. Joseph, den Sohn des Raba: Wie pflegte dein Vater zu handeln? Dieser erwiderte: Beim ersten Verse pflegte er sich zu quälen, weiter pflegte er sich nicht zu quälen.

22R. Joseph sagte, man lese das Šema͑ nicht auf dem Rücken liegend. Darf man etwa nur das Šema͑ nicht so lesen, wohl aber sonst schlafen, R. Jehošua͑ b. Levi fluchte ja dem, der auf dem Rücken schläft!? –

23Ich will dir sagen, schlafen ist etwas seitlich erlaubt, das Šema͑lesen aber ist auch etwas seitlich verboten. –

24R. Joḥanan pflegte es ja aber etwas seitlich zu lesen!? –

25Anders R. Joḥanan, er war sehr beleibt.

26AN DEN ABSÄTZEN DARF MAN &C. GRÜSSEN.

27Aus welcher Veranlassung erwidern: wollte man sagen, aus Ehrerbietung, so ist ja sogar zu grüßen erlaubt, selbstverständlich einen Gruß zu erwidern!? – Vielmehr aus Ehrerbietung grüßen und jedermann den Gruß erwidern. – Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: in der Mitte aber darf man nur aus Furcht grüßen und einen Gruß erwidern.

28Aus welcher Veranlassung erwidern: wollte man sagen, aus Furcht, so ist sogar zu grüßen erlaubt, selbstverständlich einen Gruß zu erwidern!? – Vielmehr, aus Ehrerbietung. – Dies ist ja die Ansicht R. Jehudas, denn wir haben gelernt: R. Jehuda aber sagt, in der Mitte dürfe man aus Furcht grüßen und aus Ehrerbietung einen Gruß erwidern und an den Absätzen aus Ehrerbietung grüßen und jedermann seinen Gruß erwidern!? –

29[Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: an den Absätzen darf man aus Ehrerbietung grüßen und selbstverständlich einen Gruß erwidern; in der Mitte aber darf man aus Furcht grüßen und selbstverständlich einen Gruß erwidern – so R. Meír; R. Jehuda aber sagt, in der Mitte dürfe man aus Furcht grüßen und den Gruß erwidern

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.