Berachot — Blatt 14a
1und an den Absätzen aus Ehrerbietung grüßen und jedermann seinen Gruß erwidern.
2Desgleichen wird gelehrt: Wenn jemand das Šema͑ liest, und sein Lehrer oder ein vornehmer Mann ihm begegnet, so darf er ihn an den Absätzen aus Ehrerbietung grüßen und selbstverständlich seinen Gruß erwidern; in der Mitte aber darf man nur aus Furcht grüßen und selbstverständlich den Gruß erwidern – so R. Meír. R. Jehuda sagt, in der Mitte dürfe man aus Furcht grüßen und aus Ehrerbietung den Gruß erwidern, an den Absätzen aber dürfe man aus Ehrerbietung grüßen und jedermann seinen Gruß erwidern.
3Aḥi, ein Schüler der Schule R. Ḥijas, fragte R. Ḥija: Darf man das Lesen des Lobliedes und der Esterrolle [durch einen Gruß] unterbrechen? Sagen wir, es sei [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn man das Šema͑, ein Gebot der Tora, unterbrechen darf, um so mehr das Loblied, das rabbanitisch ist, oder ist das Bekanntmachen der Wundertaten bedeutender?
4Jener erwiderte: Man unterbreche es, es ist nichts dabei. Rabba lehrte: An den Tagen, an denen man das ganze Loblied liest, darf man zwischen den Absätzen unterbrechen, nicht aber darf man in der Mitte des Absatzes unterbrechen; an den Tagen aber, an denen man nicht das ganze Loblied liest, darf man auch in der Mitte unterbrechen. –
5Dem ist ja nicht so, einst traf ja Rabh b. Šaba bei Rabina ein, es war gerade an den Tagen, an denen man nicht das ganze Loblied liest, und dieser unterbrach nicht!? –
6Anders verhielt es sich bei Rabh b. Šaba, den Rabina nicht würdigte.
7Ašjan, ein Schüler der Schule R. Amis, fragte R. Ami: Darf der Fastende [eine Speise] kosten? Hat er nur dem Essen und Trinken entsagt, und dies ist es nicht, oder hat er dem Genüsse entsagt, und dies ist es?
8Dieser erwiderte: Er darf kosten, es ist nichts dabei. Desgleichen wird gelehrt: Die Kostende braucht keinen Segen zu sprechen; der Fastende darf kosten, es ist nichts dabei. –
9Wieviel? –
10R. Ami und R. Asi kosteten bis zum Quantum eines Viertellog.
11Rabh sagte: Wenn jemand seinen Nächsten grüßt, bevor er gebetet, so ist es ebenso, als hätte er ihn zur Opferstätte gemacht, denn es heißt: lasset ab von dem Menschen, dem ein Odem in der Nase, denn wofür wird er geachtet, und man lese nicht bamme [wofür], sondern Bama [Opferstätte].
12Šemuél erklärte: Wofür hast du diesen und nicht Gott geachtet.
13R. Šešeth wandte ein: An den Absätzen darf man aus Ehrerbietung grüßen und den Gruß erwidern!?
14R. Abba erklärte dies: Wenn er ihm morgens [den Gruß] zur Tür bringt.
15R. Jona sagte im Namen R. Zeras: Wenn jemand seine Geschäfte verrichtet, bevor er gebetet, so ist es ebenso, als hätte er eine Opferstätte errichtet. Man sprach zu ihm: Du sagst eine Opferstätte! Dieser erwiderte: Nein, ich meine, daß es verboten sei.
16Dies nach R. Idi b. Abin, denn R. Idi b. Abin sagte im Namen des R. Jiçḥaq b. Asjan: Man darf seine Geschäfte nicht verrichten, bevor man gebetet, denn es heißt: Rechtschaffenheit gehe vor ihm einher, und er lenke seine Schritte zum Wege.
17Ferner sagte R. Idi b. Abin im Namen des R. Jiçḥaq b. Asjan: Wer vorher betet und erst nachher seine Reise antritt, dem erfüllt der Heilige, gepriesen sei er, seine Wünsche, denn es heißt: Rechtschaffenheit gehe vor ihm einher, und er lenke seine Schritte zum Wege.
18Ferner sagte R. Jona im Namen R. Zeras: Wer sieben Tage ohne Traum übernachtet, heißt ein Böser, denn es heißt: Wer gesättigt übernachtet, ohne bedacht zu werden, ein Böser, und man lese nicht sabea͑ [gesättigt], sondern šeba͑ [sieben].
19R. Aḥa, Sohn des R. Ḥija b. Abba, sprach zu ihm: Folgendes sagte R. Ḥija im Namen R. Joḥanans: Wer sich vorher mit Worten der Tora sättigt und dann übernachtet, dem verkündet man keine schlechten Botschaften, denn es heißt: wer gesättigt übernachtet, wird mit Bösem nicht bedacht.
20FOLGENDE [STELLEN] SIND ABSÄTZE &C.
21R. Abahu sagte im Namen des R. Joḥanan: Die Halakha ist wie R. Jehuda, der lehrt, man unterbreche nicht zwischen den Worten euer Gott und Wahr und feststehend. R. Abahu sagte im Namen des R. Joḥanan: Folgendes ist der Grund R. Jehudas: es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.