Berachot — Blatt 19b

1VON DEN IN DER REIHE STEHENDEN &C. Die Rabbanan lehrten: Die Reihe, die das Innere sieht, ist befreit, und die das Innere nicht sieht, ist verpflichtet; R. Jehuda sagt, die wegen des Leidtragenden kommen, sind befreit, die um ihrer selbst willen, sind verpflichtet.

2R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wer in seinem Gewände Mischgewebe findet, lege es ab, selbst auf offener Straße. Denn es heißt: keine Weisheit, keine Einsicht and keinen Ausweg wider den Herrn; wenn der [Gottes]name entweiht wird, erweise man auch einem Lehrer keine Ehre.

3Man wandte ein: Wenn sie den Toten bestattet haben und umkehren, und zwei Wege vor sich haben, einen reinen und einen unreinen, so gehen sie, wenn [der Leidtragende] den reinen geht, mit ihm den reinen, und wenn er den unreinen geht, mit ihm den unreinen, ihm zu Ehren. Warum denn, man sollte doch sagen: keine Weisheit, keine Einsicht wider den Herrn!? –

4R. Abba bezieht dies auf einen Gräberpflug, der nur rabbanitisch [verunreinigend] ist.

5R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls: Man darf auf einem Gräberpfluge [die Erde] wegblasen und weitergehen. Ferner sagte R. Jehuda b. Aši im Namen Rabhs: Ein ausgetretener Gräberpflug ist rein. –

6Komm und höre: R. Elea͑zar b. Çadoq sagte: Wir sind, jisraélitische Könige [zu sehen], über Särge gesprungen. Und nicht nur bei jisraélitischen Königen erlaubten sie es, sondern auch bei Königen der weltlichen Völker, damit man, wenn es einem beschieden ist, zwischen jisraélitischen Königen und Königen der weltlichen Völker unterscheiden könne. Warum denn, man sollte doch sagen: keine Weisheit, keine Einsicht und keinen Ausweg wider den Herrn!? –

7Dies nach Raba, denn Raba sagte, nach der Tora sei ein Zelt, das eine Höhlung von Faustgröße hat, eine Schutzwand gegen die Unreinheit, und das keine Höhlung von Faustgröße hat, keine Schutzwand gegen die Unreinheit.

8Die meisten Särge haben zwar eine Höhlung von Faustgröße, trotzdem haben die Rabbanan über die, die sie haben, wegen derer, die sie nicht haben, [Unreinheit] verhängt. Wenn aber die Ehrung von Königen zu berücksichtigen ist, haben die Rabbanan es nicht angeordnet. –

9Komm und höre: Groß ist die Ehre der Menschen, daß sie sogar ein Verbot der Tora verdrängt.

10Warum denn, man sollte doch sagen: keine Weisheit, keine Einsicht und keinen Ausweg wider den Herrn!? – Rabh b. Šaba bezog dies vor R. Kahana auf das Verbot: du sollst nicht abweichen. Man lachte über ihn: auch das Verbot: du sollst nicht abweichen, ist ja aus der Tora!?

11Da sprach R. Kahana: Ein großer Mann hat etwas gesprochen, spottet seiner nicht; alle Verordnungen der Rabbanan haben sie durch das Verbot: du sollst nicht abweichen, gestützt, wo aber Ehre zu berücksichtigen ist, haben die Rabbanan es erlaubt. –

12Komm und höre: Du darfst dich ihrer entziehen; bisweilen darfst du dich ihrer entziehen, bisweilen darfst du dich ihrer nicht entziehen.

13Zum Beispiel: wenn er Priester ist, und jenes sich auf einem Begräbnisplatze befindet, oder er ein vornehmer Mann ist, und es seiner Ehre nicht ziemend, oder wenn dadurch sein Verlust größer sein würde als der seines Nächsten. Diesbezüglich heißt es: du darfst dich ihrer entziehen. Warum denn, man sollte doch sagen: keine Weisheit, keine Einsicht und keinen Ausweg wider den Herrn!? –

14Anders dort, da es ja heißt: du darfst dich ihrer entziehen. – Folgere man doch hieraus!? – Wir folgern nicht von Geldangelegenheiten auf Verbote. –

15Komm und höre:

16Und wegen seiner Schwester. Was lehrt dies? Man könnte glauben, daß, wenn jemand sein Pesaḥopfer schlachten oder seinen Sohn beschneiden geht und hört, daß ihm jemand gestorben ist, er umkehren und sich verunreinigen solle, so heißt es: er darf sich nicht verunreinigen.

17Man könnte nun glauben, wie an jenen nicht, so dürfe er sich auch wegen eines Pflichttoten nicht verunreinigen, so heißt es: und wegen seiner Schwester, an seiner Schwester verunreinige er sich nicht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.