Berachot — Blatt 20a

1wohl aber verunreinige er sich an einem Pflichttoten. Warum denn, man sollte doch sagen: keine Weisheit, keine Einsicht und keinen Ausweg wider den Herrn!? –

2Anders ist es dort: es heißt ja: wegen seiner Schwester. –

3Folgere man doch hieraus!? Anders ist es bei einer Unterlassung.

4R. Papa sprach zu Abajje: Inwiefern anders waren die Früheren, daß ihnen Wunder geschahen, während uns keine Wunder geschehen? Sollte es auf das Gesetzesstudium ankommen, so bestand ja in den Jahren R. Jehudas das ganze Studium in [der Abteilung von den] Schäden, während wir alle sechs Abteilungen studieren. Als nämlich R. Jehuda im Traktat U͑qçin [zum Passus] «Eine Frau, die Kräuter in einen Topf eingelegt hat», manche sagen, [zum Passus] «Oliven, die man mit ihren Blättern eingelegt hat, sind rein», herankam, rief er: die Disputationen von Rabh und Šemuél finden wir hier! Wir aber lernen U͑qçin in dreizehn Vorlesungen. Und dennoch, sobald R. Jehuda einen Schuh abzuziehen pflegte, kam Regen, wir aber kasteien uns und schreien, doch achtet niemand auf uns.

5Jener erwiderte: Die Früheren haben für die Heiligung des [Gottes]namens ihr Leben eingesetzt, wir aber setzen unser Leben für die Heiligung des [Gottes]namens nicht ein. So sah R. Ada b. Ahaba einst eine Nichtjüdin auf der Straße einen Turban tragen, und da er glaubte, sie wäre eine Jisraélitin, machte er sich auf und riß ihn ihr ab. Als es sich herausgestellt, daß sie Nichtjüdin war, bestrafte man ihn mit vierhundert Zuz. Hierauf fragte er sie: Wie heißt du? Sie erwiderte: Mathon. Da sprach er zu ihr: Gelassen, gelassen ist vierhundert Zuz wert.

6R. Gidel pflegte hinzugehen und sich vor den Toren der Reinigungsbäder zu setzen; er belehrte sie: taucht so unter, und taucht so unter. Die Rabbanan sprachen zu ihm: Fürchtet der Meister nicht vor dem bösen Trieb? Er erwiderte ihnen: Sie kommen mir wie die weißen Löffelgänse vor.

7R. Joḥanan pflegte hinzugehen und sich vor den Toren der Reinigungsbäder zu setzen, indem er sagte: mögen die Töchter Jisraéls, wenn sie heraufsteigen und vom Bade kommen, auf mich schauen, damit sie Kinder bekommen, die so schön sind, wie ich. Die Rabbanan sprachen zu ihm: Fürchtet der Meister nicht das böse Auge? Er erwiderte ihnen: Ich stamme vom Samen Josephs ab, über den das böse Auge keine Gewalt hat; denn es heißt: ein fruchttragendes Reis ist Joseph, ein fruchttragendes Reis an einer Quelle, worüber R. Abahu sagte, man lese nicht a͑le-a͑jin [an einer Quelle], sondern o͑le-a͑jin [das Auge übersteigend].

8R. Jose b. Ḥanina folgerte dies hieraus: Sie mögen sich fischähnlich auf Erden vermehren; wie die Fische im Meere das Wasser bedeckt und das böse Auge keine Gewalt über sie hat, so hat auch über die Kinder Josephs das böse Auge keine Gewalt.

9Wenn du aber willst, sage ich: Über das Auge, das von Fremdem nicht genießen wollte, hat das böse Auge keine Gewalt.

10FRAUEN, SKLAVEN UND MINDERJÄHRIGE SIND VOM ŠEMA͑LESEN

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.