Berachot — Blatt 30b
1außer an jenem Tage, an dem ein Kriegstrupp des Königs in die Stadt kam, wo die Rabbanan in Verwirrung gerieten und nicht das Gebet verrichteten; damals betete ich einzeln und war ein einzelner, wo keine Stadtgemeinde.
2R. Ḥanina, der Bibelkundige, saß vor R. Jannaj, (er saß) und sagte: Die Halakha ist wie R. Jehuda, der im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja lehrte. Dieser sprach zu ihm: Geh hinaus und lies deine Bibelverse draußen vor; die Halakha ist nicht wie R. Jehuda, der im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja lehrte.
3R. Joḥanan erzählte: Ich sah R. Jannaj beten und wieder beten. Da sprach R. Jirmeja zu R. Zera: Vielleicht hätte er zuerst seine Gedanken nicht andächtig gestimmt, später aber stimmte er seine Gedanken andächtig!? Dieser erwiderte: Bedenke doch, welch ein großer Mann dies bezeugt.
4R. Ami und R. Asi beteten, obgleich sie in Ṭiberias dreizehn Bethäuser hatten, dennoch nirgends als zwischen den Säulen, wo sie zu lernen pflegten.
5Es wurde gelehrt: R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte im Namen unseres Lehrers: Die Halakha ist wie R. Jehuda, der im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja lehrte. R. Ḥija b. Abba betete und betete wiederum. R. Zera sprach zu ihm: Weshalb tut dies der Meister: hat der Meister seine Gedanken nicht andächtig gestimmt, so sagte ja R. Elea͑zar, daß der Mensch sich stets prüfe, kann er sein Herz andächtig stimmen, so bete er, wo nicht, so bete er nicht; hat der Meister etwa des Neumondes nicht erwähnt,
6so haben wir ja gelernt, daß, wenn jemand sich geirrt, und des Neumondes im Abendgebete nicht erwähnt hat, man ihn nicht wiederholen lasse, weil er dessen im Morgengebete erwähnen kann; und wenn im Morgengebete, man ihn nicht wiederholen lasse, weil er dessen im Zusatzgebete erwähnen kann; und wenn im Zusatzgebete, man ihn nicht wiederholen lasse, weil er dessen im Vespergebete erwähnen kann!?
7Jener erwiderte: Ist hierüber etwa nicht gelehrt worden, R. Joḥanan sagte, dies sei bei einer Gemeinschaft gelehrt worden.
8Wie lange warte man zwischen Gebet und Gebet? R. Hona und R. Ḥisda [streiten hierüber]; einer sagt, bis seine Gedanken zum Flehen gestimmt sind, der andere sagt, bis seine Gedanken zum Beten gestimmt sind.
9Einer sagt, bis seine Gedanken zum Flehen gestimmt sind, denn es heißt: und ich flehte zum Herrn; einer sagt, bis seine Gedanken zum Beten gestimmt sind, denn es heißt: und Moše betete.
10R. A͑nan sagte im Namen Rabhs: Wenn jemand sich geirrt und des Neumondes im Abendgebete nicht erwähnt hat, so läßt man ihn nicht wiederholen, weil das Gericht den Neumond erst am Tage weiht.
11Amemar sagte: Es ist einleuchtend, daß die Worte Rabhs sich auf einen vollzähligen Monat beziehen, bei einem unvollzähligen Monate aber, lasse man ihn wohl wiederholen.
12R. Aši sprach zu Amemar: Merke, Rabh gibt ja einen Grund an, was liegt nun daran, ob unvollzählig oder vollzählig? Vielmehr besteht hierbei kein Unterschied.
13MAN STELLE SICH ZUM BETEN NICHT ANDERS ALS MIT SCHWEREM ERNST. DIE FRÜHEREN FROMMEN PFLEGTEN EINE STUNDE ZU VERWEILEN UND DANN ZU BETEN, UM ZUVOR IHR HERZ AUF IHREN VATER IM HIMMEL ZU RICHTEN. SELBST WENN EINEN DER KÖNIG GRÜSST, ERWIDERE MAN IHM NICHT; SELBST WENN EINE SCHLANGE SICH UM SEINE FERSE WINDET, UNTERBRECHE MAN NICHT.
14GEMARA. Woher dies? R. Elea͑zar erwiderte: Es heißt: und sie war betrübten Gemüts. —
15Wieso dies, vielleicht war es bei Ḥanna anders, da sie sehr betrübten Gemüts war!?
16Vielmehr, erwiderte R. Jose b. R. Ḥanina, hieraus: ich aber komme durch die Fülle deiner Liebe in dein Haus; in Furcht vor dir bücke ich mich zum Tempel deiner Heiligkeit. —
17Wieso dies, vielleicht war es bei David anders, da er sich sehr um Barmherzigkeit abhärmte. Vielmehr, erwiderte R. Jehošua͑ b. Levi, hieraus: bücket euch vor dem Herrn im Glanze der Heiligkeit, und man lese nicht behadrath [im Glanze], sondern beḥerdath [in Angst]. —
18Wieso dies, vielleicht ist wirklich Glanz zu verstehen, denn R. Jehuda pflegte sich vorher zu schmücken und dann das Gebet zu verrichten!? Vielmehr, erwiderte R. Naḥman b. Jiçḥaq, hieraus: dienet dem Herrn in Furcht und frohlocket mit Beben. —
19Was heißt: frohlocket mit Beben? — R. Ada b. Mathna sagte im Namen Rabbas: Wo das Frohlocken, dort das Beben.
20Abajje saß vor Rabba, und als dieser bemerkte, daß er sehr heiter war, sprach er zu ihm: Es heißt: und frohlocket mit Beben!
21Jener erwiderte: Ich habe Tephillin angelegt.
22R. Jirmeja saß vor R. Zera, und als dieser bemerkte, daß er sehr heiter war, sprach er zu ihm: Es heißt ja: wo Kummer, da folgt Überfluß!
23Jener erwiderte: Ich habe Tephillin angelegt.
24Mar, der Sohn Rabinas, feierte die Hochzeit seines Sohnes, und als er bemerkte, daß die Rabbanan sehr heiter waren,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.