Berachot — Blatt 31b

1Unschickliches bemerkt, er ihn zur Rede stelle. Und Ḥanna antwortete und sprach: Nein, mein Herr. U͑la, manche sagen, R. Jose b. R. Ḥanina, sagte: Sie sprach zu ihm: Du bist nicht Herr in dieser Sache.

2Manche sagen, sie sprach zu ihm wie folgt: Bist du denn nicht Herr? Ist etwa nicht die Göttlichkeit und der heilige Geist bei dir, daß du mich zum Schlechten und nicht zum Guten beurteilst!? Weißt du denn nicht, daß: ich eine schwermütige Frau bin?

3Wein und Rauschtrank habe ich nicht getrunken. R. Elea͑zar sagte: Hieraus, daß wenn jemand einer Sache verdächtigt wird, die nicht an ihm, man ihm dies mitteilen muß.

4Halte deine Magd nicht für ein nichtswürdiges Weib. R. Elea͑zar sagte: Hieraus, daß, wenn ein Betrunkener das Gebet verrichtet, dies ebenso sei, als hätte er Götzendienst getrieben. Hier heißt es: für ein nichtswürdiges Weib, und dort heißt es: es sind aus deiner Mitte nichtswürdige Leute hervorgegangen; wie dort Götzendienst, ebenso hier Götzendienst.

5Und E͑li antwortete und sprach: Gehe in Frieden. R. Elea͑zar sagte: Hieraus, daß, wenn jemand seinen Nächsten einer Sache verdächtigt, die nicht an ihm, er ihn besänftigen müsse; und nicht nur dies, er segne ihn auch, wie es heißt: und der Herr Jisraéls möge deine Bitte gewähren.

6Und sie tat ein Gelübde und sprach: Herr der Heerscharen. R. Elea͑zar sagte: Seit dem Tage, da der Heilige, gepriesen sei er, seine Welt erschaffen, gab es keinen Menschen, der den Heiligen, gepriesen sei er, [Herr der] Heerscharen genannt hätte, bis Ḥanna kam und ihn [Herr der] Heerscharen nannte.

7Ḥanna sprach nämlich vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, erscheint es dir denn so schwer, mir von all den Scharen der Scharen, die du in deiner Welt geschaffen, einen einzigen Sohn zu geben!?

8Ein Gleichnis, womit diese Sache zu vergleichen ist. Ein König aus Fleisch und Blut bereitete für seine Diener ein Gastmahl, da kam ein Armer, stellte sich an die Tür und sprach zu ihnen: Gebet mir ein Stückchen [Brot]. Aber man beachtete ihn nicht. Da drängte er sich vor, trat vor den König und sprach zu ihm: Herr und König, erscheint es dir denn so schwer, mir vom ganzen Gastmahle, das du bereitet, ein Stückchen [Brot] zu geben!?

9Wenn du schauen wirst. R. Elea͑zar sagte: Ḥanna sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, schauest du, so ist es recht, wenn du aber nicht schauest,

10so will ich gehen und mich meinem Manne Elqana verbergen, und wenn ich mich verborgen habe, wird man mich das Fluchwasser trinken lassen. Du aber wirst ja deine Tora nicht falsch erscheinen lassen, und es heißt: sie bleibt rein und wird befruchtet. —

11Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, wenn sie kinderlos war, werde sie bedacht; wie ist dies aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, wenn sie mit Schmerzen gebar, werde sie leicht gebären, wenn Mädchen, werde sie Knaben gebären, wenn schwarze, werde sie weiße gebären, wenn kleine, werde sie große gebären!?

12Es wird nämlich gelehrt: Sie bleibt rein und wird befruchtet; dies lehrt, daß, wenn sie kinderlos war, sie bedacht wird — so R. Jišma͑él. R. A͑qiba sprach zu ihm: Demnach könnten ja alle Kinderlosen hingehen und sich verbergen, und diejenige, die nicht gefehlt hat, würde bedacht werden!? Vielmehr lehrt dies, daß, wenn sie sonst mit Schmerzen gebar, sie leicht gebiert, wenn kleine, gebiert sie große, wenn schwarze, gebiert sie weiße, wenn einen, gebiert sie zwei. —

13Was bedeutet: wenn du (schauen) schauen wirst!? — Die Tora gebraucht die übliche Redewendung der Menschen.

14Auf die Pein deiner Magd; nicht vergessen wirst du deiner Magd; und geben wirst du deiner Magd.

15R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Warum diese drei ‘Mägde’? Ḥanna sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, drei Prüfungen des Todes, manche lesen, drei Anhaftungen des Todes, hast du der Frau geschaffen, und zwar, die Monatsblutung, die Teighebe und das Lichtanzünden; habe ich etwa eines von diesen übertreten!?

16Und du wirst deiner Magd Mannessamen geben.

17Was heißt Mannessamen? Rabh erklärte: Einen Mann unter Männern. Šemuél erklärte: Einen Nachkommen, der zwei Männer gesalbt hat. — Wer sind diese. — Šaúl und David. R. Joḥanan erklärte: Einen Nachkommen, der zwei Männer aufwiegt. — Wer sind diese? — Moše und Ahron, denn es heißt: Moše und Ahron unter seinen Priestern, und Šemuél unter denen, die seinen Namen anrufen. Die Rabbanan erklärten: Mannessamen: einen Nachkommen, der unter Menschen nicht auffällt.

18Als R. Dimi kam, erklärte er dies: Weder hoch noch niedrig, weder winzig noch korpulent, weder zart noch rot, weder [über]klug noch dumm.

19Ich bin die Frau, die hier mit dir gestanden. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Hieraus, daß es verboten ist, innerhalb der vier Ellen des Gebetes zu sitzen.

20Um diesen Knaben habe ich gebetet. R. Elea͑zar sagte: Šemuél hatte eine Halakha vor seinem Lehrer gelehrt, denn es heißt: sie schlachteten den Farren und brachten den Knaben zu E͑li. Brachten sie den Knaben etwa deshalb zu E͑li, weil sie den Farren geschlachtet hatten!?

21Vielmehr, E͑li sprach zu ihnen: Rufet mir einen Priester, daß er komme und schlachte. Als nun Šemuél sah, daß sie einen Priester zum Schlachten suchten, sprach er zu ihnen: Weshalb sucht ihr nach einem Priester zum Schlachten? Das Schlachten ist auch durch einen Gemeinen gültig. Hierauf führte man ihn vor E͑li und dieser sprach zu ihm: Woher hast du dies? Er erwiderte: Es heißt nicht: der Priester soll schlachten, es heißt: die Priester sollen darbringen; von der Aufnahme [des Blutes] ab beginnt das Gebot durch die Priesterschaft. Hieraus, daß das Schlachten eines Gemeinen gültig ist.

22Dieser sprach zu ihm: Du hast zwar richtig gesprochen, jedoch hast du eine Halakha vor deinem Lehrer gelehrt, und wer eine Halakha vor seinem Lehrer lehrt, ist des Todes schuldig. Darauf kam Ḥanna und schrie vor ihm: Ich bin die Frau, die hier mit dir gestanden &c. Er sprach zu ihr: Laß mich ihn strafen, sodann will ich flehen, und man gibt dir einen besseren als er. Sie erwiderte: Um diesen Knaben habe ich gebetet.

23Und Ḥanna sprach in ihrem Herzen. R. Elea͑zar sagte im Namen des R. Jose b. Zimra: In der Angelegenheit ihres Herzens. Sie sprach vor ihm: Herr der Welt, von allem, was du an der Frau erschaffen, hast du nichts zwecklos erschaffen: Augen zum Schauen, Ohren zum Hören, eine Nase zum Riechen, einen Mund zum Sprechen, Hände, um Arbeit zu verrichten, Füße zum Gehen, Brüste zum Säugen. Hast du mir etwa die Brüste an meinem Herzen nicht zum Säugen gegeben!? So gib mir ein Kind, daß ich es damit säuge.

24Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen des R. Jose b. Zimra: Wer am Šabbath im Fasten weilt, dem zerreißt man seine siebzigjährige Verurteilung. Dennoch zieht man ihn später zur Rechenschaft, wegen [Störung] der Šabbathfreude. —

25Welche Gutmachung gibt es für ihn? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Er faste ob des Fastens.

26Ferner sagte R. Elea͑zar: Ḥanna hat Worte gegen oben ausgestoßen, denn es heißt: Ḥanna betete über Gott; dies lehrt, daß sie Worte gegen oben ausgestoßen hat.

27Ferner sagte R. Elea͑zar: Elijahu hat Worte gegen oben ausgestoßen, denn es heißt: und du hast ihr Herz rückwärts gewendet R. Šemuél b. R. Jiçḥaq sagte: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, zurückgetreten und Elijahu zugestimmt hat? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.