Berachot — Blatt 36a

1aus allen anderen gekochten Kräutern. –

2Demnach ist ja das Öl Zukost zum Inogaron, das Hauptspeise ist, und wir haben gelernt, die Regel sei, bei Hauptspeise und Zukost spreche man den Segen über die Hauptspeise und dieser befreie die Zukost!? –

3Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn man Halsschmerzen hat. Es wird nämlich gelehrt: Wer Halsschmerzen hat, gurgele nicht am Šabbath mit Öl direkt, vielmehr tue er viel Öl in Inogaron und schlucke herunter. –

4Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man spreche überhaupt keinen Segen, da man nur die Heilung bezweckt, so lehrt er uns, daß man, da man davon einen Genuß hat, den Segen sprechen muß.

5Über Weizenmehl [spreche man], wie R. Jehuda sagt, ‘Der die Erdfrucht erschafft’, und wie R. Naḥman sagt. ‘Alles entsteht durch sein Wort’.

6Raba sprach zu R. Naḥman: Streite nicht gegen R. Jehuda, denn R. Joḥanan und Šemuél sind seiner Ansicht. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls, und ebenso sagte R. Jiçḥaq im Namen R. Joḥanans, daß man über Olivenöl den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’ spreche. Demnach verbleibt es bei seinem Wesen, obgleich es verändert wurde, ebenso verbleibt es hierbei bei seinem Wesen, obgleich es verändert wurde. –

7Es ist ja nicht gleich, [beim Öl] gibt es keine weitere Steigerung, hier bei aber gibt es noch eine weitere Steigerung, das Brot!? –

8Spricht man denn über eine Sache, bei der es noch eine weitere Steigerung gibt, nicht den Segen ‘Der die Erdfrucht erschafft’, sondern den Segen ‘Alles entsteht durch sein Wort’, R. Zera sagte ja im Namen R. Mathnas im Namen Šemuéls, daß man über rohen Kürbis und über Gerstenmehl den Segen ‘Alles entsteht durch sein Wort’ spreche; demnach spricht man über Weizenmehl ‘Der die Erdfrucht erschafft’!? –

9Nein, auch über Weizenmehl [spricht man] ‘Alles entsteht durch sein Wort’. –

10Sollte er es doch vom Weizenmehl lehren, und umsomehr gilt dies vom Gerstenmehl!? –

11Hätte er dies vom Weizenmehl gelehrt, so könnte man glauben, nur über Weizenmehl, über Gerstenmehl aber spreche man überhaupt keinen Segen, so lehrt er uns. –

12Ist es denn weniger als Salz und Salztunke, und wir haben gelernt, daß man über Salz und Salztunke ‘Alles entsteht durch sein Wort’ spreche!? – Dies ist nötig; man könnte glauben, allerdings pflegt man Salz und Salztunke in den Mund zu nehmen, Gerstenmehl aber ist wegen der Darmwürmer schädlich, somit spreche man darüber überhaupt keinen Segen, so lehrt er uns, daß man, da man einen Genuß davon hat, darüber den Segen spreche.

13Über Palmkraut [spreche man], wie R. Jehuda sagt, ‘Der die Erdfrucht erschafft’, und wie Šemuél sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’.

14R. Jehuda sagt, ‘Der die Erdfrucht erschafft’, denn es ist eine Frucht; Šemuél sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’, weil es später hart wird.

15Šemuél sprach zu R. Jehuda: Scharfsinniger, deine Ansicht ist einleuchtend, denn der Rettich wird ja ebenfalls später hart, dennoch spricht man über ihn den Segen ‘Der die Erdfrucht erschafft’. Das ist aber nichts; wohl pflanzt man den Rettich wegen des jungen Rettichs, man pflanzt aber nicht die Palme wegen des Palmkraules. –

16Spricht man denn über das, was nicht als solches gepflanzt wird, nicht diesen Segen, den Kapernstrauch pflanzt man ja wegen der Blüten, dennoch haben wir gelernt, daß man über die verschiedenen Arten der Kaper, über die Blätter und Blütenknospen ‘Der die Erdfrucht erschafft’ und über die Kerne und Schalen ’Der die Baumfrucht erschafft’ spreche!?

17R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Kapern pflanzt man wegen der Erzeugnisse, die Palme aber pflanzt man nicht wegen des Palmkrautes. Obgleich Šemuél R. Jehuda gelobt hat, ist die Halakha dennoch wie Šemuél.

18R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Außerhalb des Landes werfe man von ungeweihten Kapern die Kerne weg und esse die Schalen. – Demnach sind die Kerne eine Frucht und die Schalen keine Frucht, und dem widersprechend wird gelehrt, daß man über die verschiedenen Arten der Kaper, über die Blätter und Blütenknospen ‘Der die Erdfrucht erschafft’ und über die Kerne und Schalen ‘Der die Baumfrucht erschafft’ spreche!? –

19Er ist der Ansicht R. A͑qibas. Wir haben nämlich gelernt: R. Elie͑zer sagt, von der Kaper seien die Blütenknospen, die Kerne und die Schalen zehntpflichtig; R. A͑qiba sagt, nur die Kerne seien zehntpflichtig, weil sie die Frucht sind. –

20Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. A͑qiba!? – Hätte er gesagt, die Halakha sei wie R. A͑qiba, so könnte man glauben, auch innerhalb des Landes, so lehrt er uns, daß, wenn jemand erleichternd ist für das [Jisraél]land, die Halakha wie er sei außerhalb des Landes, nicht aber im [Jisraél]land. –

21Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. A͑qiba außerhalb des Landes, weil, wenn jemand für das [Jisraél]land erleichternd ist, die Halakha wie er sei außerhalb des Landes!? – Hätte er so gesagt, so könnte man glauben, dies gelte nur vom Zehnten der Baumfrüchte, der auch im [Jisraél]land selbst nur rabbanitisch ist, beim Ungeweihten aber, das im [Jisraél]land [ein Verbot] der Tora ist, sei es auch außerhalb des Landes verboten, so lehrt er uns.

22Rabina traf Mar b. R. Aši die Kerne wegwerfen und die Schalen essen; da sprach er zu ihm: Du bist wohl der Ansicht R. A͑qibas, der erleichternd ist, der Meister kann ja nach der Schule Šammajs verfahren, die noch erleichternder ist. Wir haben nämlich gelernt: Die Kaper ist, wie die Schule Šammajs sagt, im Weinberge Mischsaat, und wie die Schule Hillels sagt, im Weinberge keine Mischsaat; diese und jene stimmen überein, daß diese dem Gesetze vom Ungeweihten unterliegt. –

23Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst sagst du, die Kaper sei nach der Schule Šammajs im Weinberge Mischsaat, wonach sie eine Krautart ist, nachher aber lehrt er, diese und jene stimmen überein, daß diese dem Gesetze vom Ungeweihten unterliege, wonach sie eine Baumart ist!? –

24Das ist kein Widerspruch; der Schule Šammajs ist es zweifelhaft, und sie entscheidet da erschwerend und dort erschwerend. Immerhin ist dies nach der Schule Šammajs zweifelhaft Ungeweihtes, und wir haben gelernt, das zweifelhaft Ungeweihte sei im Jisraélland verboten und in Syrien erlaubt, und außerhalb des Landes dürfe man gehen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.