Berachot — Blatt 49b

1und wieder von Anfang begann, sprach er zu ihm: Weshalb tut dies der Meister? Dieser erwiderte: R. Šila sagte im Namen Rabhs, wer sich geirrt hat, beginne wieder vom Anfang. –

2R. Hona sagte ja aber im Namen Rabhs, wer sich geirrt hat, spreche: ‘Gepriesen sei er, der gegeben hat [&c.]’!? Da erwiderte dieser: Hierzu ist ja gelehrt worden: R. Menasja b. Taḥlipha sagte im Namen Rabhs, dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn man ‘Der Gute und Gütige’ noch nicht begonnen, hat man aber ‘Der Gute und Gütige’ begonnen, so beginne man wieder vom Anfang.

3R. Idi b. Abin sagte im Namen R. A͑mrams im Namen R. Naḥmans im Namen Šemuéls: Wenn jemand sich geirrt und des Neumondes im Gebete nicht erwähnt hat, so läßt man ihn wiederholen; wenn im Tischsegen, so läßt man ihn nicht wiederholen.

4R. Abin sprach zu R. A͑mram: Womit ist es beim Gebete anders als beim Tischsegen? Dieser erwiderte: Auch mir war dies fraglich, und ich fragte es R. Naḥman, und er erwiderte mir, er habe es von Meister Šemuél nicht gehört. Aber wir wollen es selber erklären: Beim Gebete, das eine Pflicht ist, heißt man ihn wiederholen, beim Tischsegen hingegen, heißt man ihn, da er, wenn er will, ißt, und wenn er will, nicht ißt, nicht wiederholen. –

5An Šabbathen und an Festtagen aber, an denen es nicht angeht, nicht zu essen, sollte man wiederholen lassen, wenn man sich geirrt hat!? Dieser erwiderte: Freilich, R. Šila sagte auch im Namen Rabhs, wer sich geirrt hat, beginne wieder vom Anfang. – R. Hona sagte ja aber im Namen Rabhs, wer sich geirrt hat, spreche: ‘Gepriesen sei er, der gegeben hat [&c.]’!? – Hierzu ist ja auch gelehrt worden, dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn man ‘Der Gute und Gütige’ noch nicht begonnen, hat man aber ‘Der Gute und Gütige’ begonnen, so beginne man wieder vom Anfang.

6WIEVIEL [MUSS MAN &C.] GEMEINSAMEN TISCHSEGEN &C.

7Demnach ist nach R. Meír das Quantum einer Olive und nach R. Jehuda das Quantum eines Eies erforderlich, und anderweitig sind sie ja entgegengesetzter Ansicht!? Wir haben nämlich gelernt: Ebenso muß, wer Jerušalem verlassen und sich erinnert hat, daß er bei sich heiliges Fleisch habe, falls er an Çophim vorüber ist, es an Ort und Stelle verbrennen, wenn aber nicht, umkehren und es vor der Tempelhalle mit dem Holze des Altars verbrennen.

8Wegen wieviel muß man zurückkehren? R. Meír sagt, in beiden Fällen beim Quantum eines Eies; R. Jehuda sagt, in beiden Fällen beim Quantum einer Olive.

9R. Joḥanan erwiderte: Die Ansichten sind zu vertauschen. Abajje erwiderte: Tatsächlich brauchst du sie nicht zu vertauschen. Hier streiten sie nämlich über [den Sinn] des Schriftverses; R. Meír erklärt : wenn du gegessen, dies bezieht sich auf das Essen, und dich gesättigt, dies bezieht sich auf das Trinken, und Essen [heißt es] beim Quantum einer Olive; und R. Jehuda erklärt: wenn du gegessen und dich gesättigt, ein Essen, das sättigend ist, und dies ist es beim Quantum eines Eies.

10Dort aber streiten sie über eine Auffassung; R. Meír ist der Ansicht, das Quantum zur Rückkehr gleiche dem Quantum zur Verunreinigung, wie es im Quantum eines Eies verunreinigungsfähig ist, so ist auch zur Rückkehr das Quantum eines Eies erforderlich; und R. Jehuda ist der Ansicht, das Quantum zur Rückkehr gleiche dem Quantum des Verbotenen, wie es im Quantum einer Olive verboten ist, so ist auch zur Rückkehr das Quantum einer Olive erforderlich.

11WIE LAUTET DIE ‘VORBEREITUNG’ ZUM GEMEINSAMEN TISCHSEGEN? SIND ES DREI, SO SPRECHE ER: WIR WOLLEN PREISEN. WENN DREI UND ER, SO SPRECHE ER: PREISET.

12WENN ZEHN, SO SPRECHE ER: WIR WOLLEN UNSEREN GOTT PREISEN. WENN ZEHN UND ER, SO SPRECHE ER: PREISET. EINERLEI OB ZEHN ODER ZEHN MYRIADEN.

13WENN HUNDERT, SO SPRECHE ER: WIR WOLLEN DEN HERRN, UNSEREN GOTT, PREISEN. WENN HUNDERT UND ER, SO SPRECHE ER: PREISET. WENN TAUSEND, SO SPRECHE ER: WIR WOLLEN DEN HERRN, UNSEREN GOTT, DEN GOTT JISRAÉLS PREISEN. WENN TAUSEND UND ER, SO SPRECHE ER: PREISET. WENN EINE MYRIADE, SO SPRECHE ER: WIR WOLLEN DEN HERRN, UNSEREN GOTT, DEN GOTT JISRAÉLS, DEN GOTT DER HEERSCHAREN, DER ÜBER DEN KHERUBIM THRONT, FÜR DIE SPEISE, DIE WIR GEGESSEN HABEN, PREISEN. WENN EINE MYRIADE UND ER, SO SPRECHE ER: PREISET.

14WIE ER DIE PREISUNG SPRICHT, SO ANTWORTEN SIE: ‘GEPRIESEN SEI DER HERR, UNSER GOTT, DER GOTT JISRAÉLS, DER GOTT DER HEERSCHAREN, DER ÜBER DEN KHERUBIM THRONT, FÜR DIE SPEISE, DIE WIR GEGESSEN HABEN.’

15R. JOSE DER GALILÄER SAGT, ER SPRECHE DIE PREISUNG GEMÄSS DER MENGE DER GESELLSCHAFT, DENN ES HEISST: in Gesellschaften preiset Gott, den Herrn, ihr am der Quelle Jisraéls. R. A͑QIBA SAGTE: WIE WIR ES IM BETHAUSE FINDEN: OB VIEL ODER WENIG, SPRECHE ER STETS: PREISET DEN HERRN. R. JIŠMA͑ÉL SAGTE: PREISET DEN HERRN, DEN VIELGEPRIESENEN.

16GEMARA. Šemuél sagte: Nie schließe der Mensch sich aus der Gemeinschaft aus. –

17Wir haben ja aber gelernt, wenn drei und er, spreche er: ‘preiset’!? –

18Sage:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.