Berachot — Blatt 50a
1auch ‘preiset’, besser aber, ‘wir wollen preisen’. R. Ada b. Ahaba sagte nämlich im Namen der Schule Rabhs: Es wird gelehrt: Sechs bis zehn dürfen sich trennen.
2Erklärlich ist es, daß sie sich trennen dürfen, wenn du sagst, ‘wir wollen preisen’ sei vorzuziehen, wieso aber dürfen sie sich trennen, wenn du sagst, ‘preiset’ sei vorzuziehen!? Hieraus ist somit zu entnehmen, daß ‘wir wollen preisen’ vorzuziehen ist. Schließe hieraus.
3Ebenso wird gelehrt: Einerlei, ob er ‘preiset’ gesagt hat, oder er ‘wir wollen preisen’ gesagt hat; man behellige ihn deswegen nicht; die Wortklauber aber behelligen jemanden deswegen. An den Segenssprüchen eines Menschen ist auch zu erkennen, ob er ein Schriftgelehrter ist oder nicht. Wieso? Rabbi sagte: [Sagt jemand] ‘durch seine Güte’, so ist es ein Schriftgelehrter, wenn ‘von seiner Güte’, so ist es ein Unwissender.
4Abajje sprach zu R. Dimi: Es heißt: und von deinem Segen werde das Haus deines Knechtes ewig gesegnet!? – Anders ist es bei einer Bitte. – Auch bei einer Bitte heißt es ja: öffne deinen Mund, daß ich ihn fülle!? – Dies bezieht sich auf Worte der Tora.
5Es wird gelehrt: Rabbi sagte: [Sagt jemand] ‘durch seine Güte leben wir’, so ist es ein Schriftgelehrter, wenn ‘leben sie’, so ist es ein Unwissender. Die Neharbelaenser lehren es entgegengesetzt. Die Halakha ist aber nicht wie die Neharbelaenser.
6R. Joḥanan sagte: [Sagt jemand] ‘wir wollen preisen, dessen wir gegessen haben’, so ist es ein Schriftgelehrter; wenn ‘den, dessen wir gegessen haben’, so ist es ein Unwissender.
7R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: Wir sagen ja: ‘den, der unseren Vätern und uns allen diese Wunder vollbracht hat’!? Dieser erwiderte: Hier ist es ja deutlich, daß nur der Heilige, gepriesen sei er, es ist, der die Wunder vollbringt.
8R. Joḥanan sagte: [Sagt jemand] ‘gepriesen sei er, dessen wir gegessen haben’, so ist es ein Schriftgelehrter, wenn ‘für die Speise, die wir gegessen haben’, so ist es ein Unwissender.
9R. Hona, der Sohn R. Jehošua͑s, sagte: Dies nur bei drei, wo der Name Gottes nicht genannt wird, bei zehn aber, wo der Name Gottes genannt wird, ist es deutlich, wie wir ja gelernt haben: Wie er die Preisung spricht, so antworten sie: ‘Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, der Gott der Heerscharen, der über den Kherubim thront, für die Speise, die wir gegessen haben.’
10EINERLEI OB ZEHN ODER ZEHN MYRIADEN. Dies widerspricht sich ja selbst; zuerst sagst du: einerlei ob zehn oder zehn Myriaden, wonach es einerlei ist, nachher aber lehrt er: wenn hundert, spreche er [so], wenn tausend, spreche er [so], wenn eine Myriade, spreche er [so]!?
11R. Joseph erwiderte: Das ist kein Widerspruch; dies nach R. Jose dem Galiläer, jenes nach R. A͑qiba. Es wird nämlich gelehrt: R. Jose der Galiläer sagt, er spreche die Preisung gemäß der Menge der Gesellschaft, denn es heißt: in Gesellschaften preiset Gott
12R. A͑QIBA SAGTE: WIE WIR ES IM BETHAUSE FINDEN &C. Wofür verwendet R. A͑qiba den von R. Jose dem Galiläer angezogenen Schriftvers? – Diesen verwendet er für folgende Lehre: R. Meír sagte: Woher, daß sogar Kinder im Mutterleibe am Meere den Lobgesang gesungen haben? – es heißt: in Versammlungen preiset Gott, den Herrn, ihr aus der Quelle Jisraéls. – Und jener!? – Er folgert dies aus [dem Worte] Quelle.
13Raba sagte: Die Halakha ist wie R. A͑qiba. Als einst Rabina und R. Ḥama b. Buzi beim Exilarchen waren, stand R. Ḥama auf und suchte nach hundert; da sprach Rabina zu ihm: Das ist nicht nötig; so sagte Raba: Die Halakha ist wie R. A͑qiba.
14Raba erzählte: Als wir beim Exilarchen speisten, pflegten wir je drei den Tischsegen zu sprechen. – Sollten sie je zehn sprechen!? – Der Exilarch könnte es hören und übel nehmen. – Sollten sie sich ihrer Pflicht mit dem Tischsegen des Exilarchen entledigen!? – Da alle [Tischgenossen] laut antworteten, hörte man nicht.
15Rabba Tosphaáh sagte: Wenn drei zusammen gespeist haben, und einer von ihnen zuerst fertig wurde und den Tischsegen für sich gesprochen hat, so entledigen sich jene ihrer Pflicht zum gemeinsamen Tischsegen durch ihn, er aber entledigt sich nicht seiner Pflicht zum gemeinsamen Tischsegen durch sie, weil es rückwärts keinen Zusammenschluß gibt.
16R. JISMA͑ÉL SAGT. Raphram b. Papa war im Bethause des Abi Gibar; da stand er auf und las in der Schrift und sprach: ‘Preiset den Herrn’. Dann brach er ab und setzte nicht fort: ‘den Vielgepriesenen’. Das Publikum antwortete: ‘Preiset den Herrn, den Vielgepriesenen’. Da rief Raba: Schwarzer Topf, warum mischest du dich in einen Streit? Außerdem verfährt ja die ganze Welt nach R. Jišma͑él.
17WENN DREI ZUSAMMEN GEGESSEN HABEN, SO DÜRFEN SIE SICH NICHT TRENNEN, EBENSO VIER, EBENSO FÜNF; SECHS BIS ZEHN DÜRFEN SICH TRENNEN, ZEHN ABER DÜRFEN SICH NICHT TRENNEN, BIS SIE ZWANZIG SIND.
18WENN ZWEI GESELLSCHAFTEN IN EINEM RAUME SPEISEN, SO VEREINIGEN SIE SICH ZUM GEMEINSAMEN TISCHSEGEN, FALLS SIE SICH TEILWEISE GEGENSEITIG SEHEN KÖNNEN; WENN ABER NICHT, SO SPRECHEN DIESE DEN GEMEINSAMEN TISCHSEGEN FÜR SICH, UND JENE SPRECHEN DEN GEMEINSAMEN TISCHSEGEN FÜR SICH.
19MAN SPRECHE DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN NICHT EHER, ALS BIS MAN WASSER HINEINGETAN HAT – SO R. ELIE͑ZER; DIE WEISEN SAGEN, MAN SPRECHE WOHL.
20GEMARA. Was lehrt er uns da, wir haben ja bereits gelernt, daß, wenn drei zusammen gespeist haben, sie verpflichtet sind, den Tischsegen gemeinsam zu sprechen!? –
21Er lehrt uns das, was R. Abba im Namen Šemuéls gesagt hat: Wenn drei sich zusammen zum Essen hingesetzt und noch nicht gegessen haben, so dürfen sie sich nicht mehr trennen.
22Eine andere Lesart: R. Abba sagt im Namen Šemuéls: Folgendes lehrt er: Wenn drei sich zusammen zum Essen hingesetzt haben, so dürfen sie, auch wenn jeder seinen eigenen Laib ißt, sich nicht mehr trennen. Oder das, was R. Hona gesagt hat, denn R. Hona sagte: Wenn drei aus drei verschiedenen Tischgesellschaften zusammengekommen sind, so dürfen sie sich nicht mehr trennen.
23R. Ḥisda sagte: Dies nur, wenn sie aus drei Tischgesellschaften von je drei Personen gekommen sind.
24Raba sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.