Berachot — Blatt 6a
1R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Ihm sind folgende Segnungen beschieden: Wenn du auf meine Gebote gewartet hättest, so würde einem Strome gleich dein Friede sein und den Wellen des Meeres gleich dein Sieg; wie der Ufersand dein Same und die Sprößlinge deines Leibes &c.
2Es wird gelehrt: Abba Binjamin sagte: Wäre dem Auge die Macht zu sehen gegeben, so könnte kein Geschöpf vor [dem Anblick der] Gespenster bestehen.
3Abajje sagte: Sie sind zahlreicher als wir; sie umgeben uns, wie die Furche das Beet.
4R. Hona sagte: Jeder von uns hat deren Tausend an seiner Linken und Myriaden an seiner Rechten.
5Raba sagte: Das Gedränge beim Vortrag rührt von ihnen her; daß die Kniee matt werden, rührt von ihnen her; daß die Kleider der Gelehrten schäbig werden, rührt von ihrer Reibung her; daß die Füße verwundet werden, rührt von ihnen her.
6Wer Kenntnis von ihnen haben will, nehme gesiebte Asche und streue sie um das Bett; am Morgen wird er Fußspuren wie von einem Hahne sehen. Wer sie sehen will, nehme die Nachgeburt einer Katze, einer schwarzen von einer schwarzen geboren, einer erstgeborenen von einer erstgeborenen geboren, verbrenne sie im Feuer, zerreibe sie und streue sich davon etwas in die Augen; dann wird er sie sehen. Sodann tue man sie in ein eisernes Rohr und versiegle es mit einem eisernen Siegelring, denn sonst könnten sie davon stehlen; man schließe aber auch den Mund, damit man nicht zu Schaden komme. R. Bebaj b. Abajje tat dies und kam zu Schaden. Da beteten die Gelehrten für ihn, und er genas.
7Es wird gelehrt: Abba Binjamin sagte: Das Gebet des Menschen wird nirgends als im Bethause erhört, denn es heißt: den Gesang und das Gebet zu hören; wo der Gesang, da auch das Gebet.
8Rabin b. R. Ada sagte im Namen R. Jiçḥaqs: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, im Bethause zu finden ist? – es heißt: Gott steht in der Gottesgemeinde.
9Woher, daß, wenn zehn beten, die Göttlichkeit mit ihnen ist? – es heißt: Gott steht in der Gottesgemeinde.
10Woher, daß, wenn drei zu Gericht sitzen, die Göttlichkeit mit ihnen ist? – es heißt: er richtet in der Mitte der Richter.
11Woher, daß, wenn zwei sitzen und sich mit der Tora befassen, die Göttlichkeit mit ihnen ist? – es heißt: dann unterhielten sich die Gottesfürchtigen, einer mit seinem Nächsten, und der Herr horchte &c.
12Was heißt: die da denken an seinen Namen? R. Aši erwiderte: Wenn der Mensch ein Gebot auszuüben dachte, und durch einen Notfall es auszuüben verhindert wird, so rechnet die Schrift es ihm an, als hätte er es ausgeübt.
13Und woher, daß, wenn auch nur einer sich mit der Tora befaßt, die Göttlichkeit mit ihm ist? – es heißt: an jedem Orte, wo ich meinen Namen erwähnt wissen werde, werde ich zu dir kommen und dich segnen. –
14Wenn dies schon bei einem geschieht, wozu ist dies von zweien [zu lehren] nötig? – Bei zweien werden ihre Worte in das Gedenkbuch eingetragen, bei einem aber werden seine Worte nicht in das Gedenkbuch eingetragen. –
15Wenn aber dies schon bei zweien geschieht, wozu ist dies von dreien [zu lehren] nötig? – Man könnte glauben, die Gerichtssitzung sei nur ein Schlichtungsakt, wobei die göttliche Niederlassung sich nicht befindet, so lehrt er uns, daß auch das Gericht Gesetzeskunde ist. –
16Wenn aber dies sogar bei dreien geschieht, wozu ist dies vor zehn [zu lehren] nötig? – Bei zehn kommt die göttliche Niederlassung vorher, bei drei aber, erst wenn sie sitzen.
17R. Abin b. R. Ada sagte im Namen R. Jiçḥaqs: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, Tephillin anlegt? –
18es heißt: Der Herr hat bei seiner Rechten geschworen und bei seinem mächtigen Arm. Seine Rechte, das ist die Tora, wie es heißt: an meiner Rechten ist ein Feuer des Gesetzes für sie. Bei seinem mächtigen Arm, das sind die Tephillin, wie es heißt: der Herr wird seinem Volke Macht verleihen. –
19Woher, daß die Tephillin eine Macht Jisraéls sind? – Es heißt: und alle Völker der Erde werden sehen, daß der Name des Herrn über dich genannt wird, und sie werden sich vor Dir fürchten, und hierzu wird gelehrt, R. Elie͑zer der Große sagte, dies seien die Tephillin des Hauptes.
20R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu R. Ḥija b. Abin: Was steht in den Tephillin des Herrn der Welt geschrieben? Dieser erwiderte: Wer ist wie dein Volk Jisraél ein einziges Volk auf Erden. – Prahlt denn der Heilige, gepriesen sei er, mit dem Ruhme Jisraéls? –
21Freilich; es heißt ja: du hast heute den Herrn verherrlicht, und darauf folgt: und der Herr hat dich heute verherrlicht. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Ihr habt mich zu einer Verherrlichung auf der Welt gemacht, daher werde ich euch zu einer Verherrlichung auf der Welt machen.
22Ihr habt mich zu einer Verherrlichung auf der Welt gemacht, denn es heißt: höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig. Auch ich mache euch zu einer Verherrlichung auf der Welt, denn es heißt: wer ist wie dein Volk Jisraél ein einziges Volk auf Erden.
23R. Aḥa b. Raba sprach zu R. Aši: Allerdings in dem einen Gehäuse, was aber steht in den übrigen Gehäusen?
24Dieser erwiderte: Denn wer ist ein großes Volk; Welches große Volk; Heil dir, Jisraél; Hat ein Gott etwa versucht; Daß er dich zum, Höchsten mache. –
25Demnach sind es ja mehr Gehäuse!? – Vielmehr [die Verse:] Denn wer ist ein großes Volk, und: Welches große Volk, die einander gleichen, in einem Gehäuse; [die Verse:] Heil dir, Jisraél, und: Wer ist wie dein Volk Jisraél, ebenfalls in einem Gehäuse; [der Vers:] Hat ein Gott etwa versucht, in einem Gehäuse; und [der Vers:] Daß er dich zum Höchsten mache, in einem Gehäuse.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.