Berachot — Blatt 6b
1Diese alle sind auch in der [Tephilla] des Arms geschrieben.
2Rabin b. R. Ada sagte im Namen R. Jiçḥaqs: Wer [täglich] in das Bethaus zu gehen pflegt und einen Tag nicht kommt, nach dem erkundigt sich der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt: wer unter euch, der den Herrn fürchtet, der da höret auf die Stimme seines Knechtes; wer im Finstern wandelt und kein Licht hat.
3Ist er zur Ausübung eines Gebotes gegangen, so ist ihm Licht, ist er aber zu freigestellten Dingen gegangen, so ist ihm kein Licht.
4Der vertraue auf den Namen des Herrn: aus dem Grunde, weil er auf den Namen des Herrn vertrauen sollte, aber nicht vertraut hat.
5R. Joḥanan sagte: Wenn der Heilige, gepriesen sei er, in das Bethaus kommt und da keine zehn [Personen] findet, gerät er sofort in Zorn, wie es heißt: warum kam ich, und niemand war da, ich rief, und niemand antwortete.
6R. Ḥelbo sagte im Namen R. Honas: Wer einen Ort für sein Gebet bestimmt, dem steht der Gott Abrahams bei,
7und wenn er stirbt, sagt man über ihn: Wo ist der Demütige, wo ist der Fromme, von den Schülern unseres Vaters Abraham? –
8Woher, daß unser Vater Abraham einen Ort [für das Gebet] bestimmt hatte? – es heißt: und Abraham machte sich am Morgen früh auf zu dem Orte, woselbst er gestanden, und stehen bedeutet nichts anderes als beten, denn es heißt: und Pinḥas stand auf und betete.
9R. Ḥelbo sagte im Namen R. Honas: Wer aus dem Bethause geht, mache keine großen Schritte. Abajje sagte: Dies bezieht sich nur auf das Herausgehen, beim Hineingehen aber ist es sogar Gebot, zu laufen, denn es heißt: lasset uns nachjagen, um den Herrn zu erkennen.
10R. Zera sagte: Früher glaubte ich, als ich die Rabbanan am Šabbath zum Vortrag laufen sah, sie entweihten den Šabbath, seitdem ich aber gehört habe, was R. Tanḥum im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi sagte, daß nämlich der Mensch stets zur Halakha eile, selbst am Šabbath, denn es heißt: dem Herrn sollen sie folgen, wie ein Löwe brüllt er, laufe ich ebenfalls.
11R. Zera sagte: Das Verdienst der Vorlesung ist das Laufen.
12Abajje sagte: Das Verdienst des öffentlichen Vortrages ist das Gedränge.
13Raba sagte: Das Verdienst der Lehre ist das Grübeln.
14R. Papa sagte: Das Verdienst der Beileidsbezeugung ist das Schweigen.
15Mar Zuṭra sagte: Das Verdienst des Fastens ist die Almosengabe.
16R. Šešeth sagte: Das Verdienst der Trauer ist das Erheben [der Klage].
17R. Aši sagte: Das Verdienst des Hochzeitsfestes ist die Unterhaltung.
18R. Hona sagte: Wer hinter dem Bethaus betet, heißt Gottloser, denn es heißt: ringsum wandeln die Gottlosen.
19Abajje sagte: Dies nur dann, wenn er sein Gesicht nicht nach dem Bethause wendet, wenn er aber sein Gesicht dem Bethause zuwendet, so ist nichts daran.
20Einst betete jemand hinter dem Bethause und wandte sein Gesicht nicht dem Bethause zu; da ging Elijahu an ihm vorüber, der ihm wie ein Araber erschien, und als er ihn sah, sprach er zu ihm: Mit dem Rücken gewendet stehst du vor deinem Herrn!? Da zog er sein Schwert und tötete ihn.
21Einer der Jünger sprach zu R. Bebaj b. Abajje, manche sagen, R. Bebaj b. Abajje zu R. Naḥman b. Jiçḥaq: Wie das Erhabene den Menschenkindern als Geringschätzigkeit gilt; was bedeutet dies?
22Dieser erwiderte: Es sind die Dinge, die in der Höhe der Welt stehen, die aber die Menschen gering schätzen.
23R. Joḥanan und R. Elea͑zar sagten beide: Sobald ein Mensch der Mitmenschen benötigt, wird sein Gesicht wie Kerum verändert, wie es heißt: Kerum [wie das Erhabene] gilt den Menschenkindern als Geringschätzigkeit.
24Was ist Kerum? Als R. Dimi kam, erklärte er: In den [über]seeischen Städten gibt es einen Vogel, der Kerum heißt, der, sobald die Sonne ihn bescheint, seine Farbe verwandelt.
25R. Ami und R. Asi sagten beide: Wie wenn er von zwei Strafgerichten, dem Feuer und dem Wasser, heimgesucht worden wäre, denn es heißt: du hast den Menschen auf unserem Haupte reiten lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten.
26Ferner sagte R. Ḥelbo im Namen R. Honas: Stets achte der Mensch auf das Vespergebet, denn Elijahu wurde ja nur beim Vespergebet erhört, wie es heißt: es war zur Zeit, wo das Nachmittagsopfer dargebracht wird, da trat der Prophet Elijahu hin und sprach &c.: Erhöre mich, o Herr, erhöre mich.
27Erhöre mich, daß ein Feuer vom Himmel herabkomme, und erhöre mich, daß sie nicht sagen, es sei Zauberwerk.
28R. Jonathan sagte: Auch auf das Abendgebet, denn es heißt: mein Gebet möge wie Räucherwerk vor dir bereitet sein, die Erhebung meiner Hände wie das Abendopfer. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Auch auf das Morgengebet, denn es heißt: am Morgen erhöre meine Stimme, o Herr, am Morgen rüste ich mich vor dir und harre.
29Ferner sagte R. Ḥelbo im Namen R. Honas: Wer vom Gastmahl des Bräutigams genießt und ihn nicht erheitert, übertritt fünf Stimmen, denn es heißt: Stimme der Wonne und Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut, Stimme derer, die da sprechen: Danket dem Herrn der Heerscharen.
30Was ist seine Belohnung, wenn er ihn aber erheitert? R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Ihm wird die Tora zuteil, die durch fünf Stimmen gegeben wurde, wie es heißt: es geschah am dritten Tage, des Morgens, da waren [Donner]stimmen und Blitze und schweres Gewölk auf dem Berge, und die Stimme der Posaune &c.; und es war die Stimme der Posaune; und Gott antwortete ihm mit der Stimme. –
31Dem ist ja aber nicht so, es heißt ja auch: das ganze Volk sah die Stimmen!? –
32Dies waren Stimmen vor der Tora.
33R. Abahu sagte: Es ist ebenso, als hätte er Dankopfer dargebracht, denn es heißt: sie bringen Dankopfer in das Haus des Herrn. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Es ist ebenso, als hätte er eine von den Ruinen Jerušalems aufgebaut, denn es heißt: denn ich werde die Gefangenschaft des Landes zurückführen wie ehemals, spricht der Herr.
34Ferner sagte R. Ḥelbo im Namen R. Honas: Wem Gottesfurcht eigen, dessen Worte werden erhört, denn es heißt: endlich wird alles dem erhört, der Gott fürchtet &c. –
35Was bedeutet: denn dies ist der ganze Mensch? R. Elea͑zar erwiderte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: die ganze Welt ist nur seinethalben erschaffen worden.
36R. Abba b. Kahana sagte: Dieser wiegt die ganze Welt auf. R. Šimo͑n b. A͑zaj, manche sagen, R. Šimo͑n b. Zoma, sagte: Die ganze Welt wurde nur dazu geschaffen, um sich diesem anzuschließen.
37Ferner sagte R. Ḥelbo im Namen R. Honas: Wenn jemand von seinem Nächsten weiß, daß er ihn zu grüßen pflegt, so komme er diesem mit seinem Gruße zuvor, denn es heißt: suche den Frieden und jage ihm nach. Wenn er ihm aber seinen Gruß nicht erwidert, so wird er Räuber genannt, denn es heißt: ihr habt abgeweidet den Weinberg, der Raub des Armen ist in eueren Häusern.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.