Beza — Blatt 12a

1nach der einen Ansicht berücksichtige man bei der Angel in der Mitte die Angel an der Seite, und nach der anderen Ansicht berücksichtige man dies nicht.

2DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN DÜRFE EIN KIND, EINEN FESTSTRAUSS, ODER EINE TORAROLLE NICHT AUF ÖFFENTLICHES GEBIET HINAUSTRAGEN; DIE SCHULE HILLELS ERLAUBT DIES.

3GEMARA. Ein Schüler rezitierte vor R. Jiçḥaq b. Evdämi: Wer am Feste ein freiwilliges Brandopfer darbringt, erhält Geißelhiebe.

4Dieser sprach zu ihm: Dies hast du wohl von der Schule Šammajs, nach der man nicht sage, da das Hinaustragen für das Nötige erlaubt worden ist, sei es auch für das Unnötige erlaubt, denn nach der Schule Hillels, nach der man sage, da das Hinaustragen für das Nötige erlaubt worden ist, sei es auch für das Unnötige erlaubt, sollte man auch hierbei sagen: da das Schlachten für das Nötige erlaubt worden ist, sei es auch für das Unnötige erlaubt.

5Rabba wandte ein: Woher, daß die Schule Šammajs und die Schule Hillels hierüber streiten, vielleicht streiten sie darüber, ob [das Gesetz] vom Hinausbringen und dem E͑rub nur für den Šabbath gilt und nicht für das Fest.

6Eine ist der Ansicht, [das Gesetz] vom Hinausbringen und dem E͑rub gilt für den Šabbath und für das Fest,

7und eine ist der Ansicht, [das Gesetz] vom Hinausbringen und dem E͑rub gilt für den Šabbath und nicht für das Fest, wie es heißt: ihr sollt am Šabbathtage keine Last aus euren Häusern tragen, nur am Šabbath und nicht am Feste.

8R.Joseph entgegnete: Demnach sollten sie über [das Hinaustragen von] Steinen streiten!? Da sie nun nicht über [das Hinaustragen von] Steinen streiten,

9so streiten sie wohl über das Hinaustragen von Unnötigem.

10Und auch R. Joḥanan ist der Ansicht, daß sie darüber streiten, ob es, da es für das Nötige erlaubt worden ist, auch für das Unnötige erlaubt ist. Ein Schüler rezitierte nämlich vor R. Joḥanan: Wer am Festtage die Spannader mit Milch kocht und sie ißt, erhält fünffach Geißelhiebe:

11Geißelhiebe wegen des Kochens der Spannader [am Feste], Geißelhiebe wegen des Essens der Spannader, Geißelhiebe wegen des Kochens von Fleisch mit Milch, Geißelhiebe wegen des Essens von Fleischmit Milch und Geißelhiebe

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.