Beza — Blatt 15b
1WENN EIN FESTTAG AUF EINEN VORABEND DES ŠABBATHS FÄLLT, SO DARF MAN NICHT AM FESTTAGE DIREKT FÜR DEN ŠABBATH KOCHEN, VIELMEHR KOCHE MAN FÜR DEN FESTTAG, UND WAS ZURÜCKBLEIBT, BLEIBE FÜR DEN ŠABBATH. AM VORABEND DES FESTTAGES BEREITE MAN EINE SPEISE [ALS E͑RUB], WORAUF MAN SICH FÜR DEN ŠABBATH STÜTZE.
2DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZWEI SPEISEN, UND DIE SCHULE HILLELS SAGT, EINE SPEISE; BEIDE STIMMEN JEDOCH ÜBEREIN, DASS EIN FISCH UND DAS EI DARAUF ALS ZWEI SPEISEN GELTEN.
3HAT MAN [DIE SPEISE] AUFGEGESSEN ODER IST SIE ABHANDEN GEKOMMEN, SO DARF MAN DARAUFHIN NICHT DIREKT KOCHEN; HAT MAN DAVON ETWAS ZURÜCKGELASSEN, SO STÜTZE MAN SICH DARAUF [BEIM KOCHEN] FÜR DEN ŠABBATH.
4GEMARA. Woher dies? Šemuél erwiderte: Die Schrift sagt: gedenke den Šabbathtag zu heiligen, denke an ihn, sobald du ihn vergessen könntest. –
5Aus welchem Grunde? Raba erwiderte: Damit man eine schöne Portion für den Šabbath und eine schöne Portion für den Festtag wähle.
6R. Aši erwiderte: Damit man folgere: wenn man am Festtage für den Šabbath nicht backen darf, um wieviel weniger (am Festtage) für den Wochentag. –
7Wir haben gelernt: Am Vorabend des Festtages bereite man eine Speise, worauf man sich für den Šabbath stütze. Erklärlich ist es nach R. Aši, welcher sagt, damit man sage: wenn man am Festtage für den Šabbath nicht backen darf [&c.], daß dies am Vorabend des Festes erfolge und nicht aber am Festtage selbst, wieso aber nach Raba am Vorabend des Festes, dies könnte nach ihm ja auch am Festtage selbst erfolgen!? –
8Dem ist auch so, nur ist eine Fahrlässigkeit berücksichtigt worden.
9Folgender Tanna entnimmt dies hieraus: Was ihr backen wollt, backet, und was ihr kochen wollt, kochet; hieraus folgerte R. Elea͑zar, man dürfe backen, nur was bereits gebacken, und kochen, nur was bereits gekocht ist. Hierin finden die Weisen eine Anlehnung für den Speisen-E͑rub in der Tora.
10Die Rabbanan lehrten: Einst saß R. Elie͑zer und trug den ganzen Tag über die Gesetze des Festtages vor. Als die erste Gruppe hinausging, sprach er: Das sind Leute der Tonne. Als die zweite Gruppe [hinausging], sprach er: Das sind Leute des Fasses. Als die dritte Gruppe [hinausging], sprach er: Das sind Leute des Kruges.
11Als die vierte Gruppe [hinausging], sprach er: Das sind Leute der Flasche. Als die fünfte Gruppe [hinausging], sprach er: Das sind Leute des Bechers. Als die sechste Gruppe hinauszugehen begann, sprach er: Das sind Leute des Fluches.
12Hierauf richtete er seine Augen auf seine Schüler, und ihre Gesichter fingen an, sich zu verändern. Da sprach er zu ihnen: Kinder, nicht über euch sagte ich dies, sondern über jene, die hinausgegangen sind, die nämlich das ewige Leben lassen und sich mit dem zeitlichen Leben befassen.
13Bei ihrer Verabschiedung sprach er zu ihnen: Gehet, esset Fettes, trinkt Süßes und schickt Anteile an den, für den nichts angerichtet ist; denn der heutige Tag ist unserem Herrn heilig. Darum seid nicht traurig, denn die Freude an dem Herrn ist eure Stärke.
14Der Meister sagte: Die das ewige Leben lassen und sich mit dem zeitlichen Leben befassen. Die Festfreude ist ja Gebot!? – R. Elie͑zer vertritt seine Ansicht, die Festfreude sei Freigestelltes.
15Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagt, am Festtage tue man nichts als nur essen und trinken, oder nur sitzen und lernen; R. Jehošua͑ sagt, man teile ihn: die Hälfte für den Herrn und die Hälfte für sich.
16R. Joḥanan sagte: Beide folgerten aus denselben Schriftversen; ein Schriftvers lautet: eine Festversammlung für den Herrn, deinen Gott, dagegen lautet ein anderer: eine Festversammlung für euch; wie ist dies zu erklären? R. Elie͑zer erklärt: entweder ausschließlich für den Herrn oder ausschließlich für euch; und R. Jehošua͑ erklärt: man teile ihn, die Hälfte für den Herrn und die Hälfte für euch.
17Was heißt: für den nichts angerichtet ist? R. Ḥisda erwiderte: Für den, der keinen Speisen-E͑rub niedergelegt hat. Manche erklären: Für den, der nichts hatte, einen Speisen-E͑rub niederzulegen; wer aber hatte und keinen niedergelegt hat, ist ein Frevler. –
18Was heißt: denn die Freude an dem Herrn, die ist eure Stärke? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Kinder, borgt auf meine Rechnung und feiert die Heiligkeit des Tages; vertraut auf mich, denn ich werde es bezahlen.
19Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n: Wenn jemand wünscht, daß ihm seine Güter erhalten bleiben, so pflanze er in ihnen eine Eiche [adar], denn es heißt: mächtig [adir] ist der Herr in der Höhe.
20Oder worauf schon der Name ‘idra’ deutet, denn die Leute sagen: Was bedeutet ‘idra’? Was von Generation zu Generation [dare dare] bestehen bleibt. Ebenso wird gelehrt: Ein Feld, in dem eine Eiche sich befindet, wird weder entrissen noch geraubt, und sein Ertrag bleibt gewahrt.
21R. Taḥlipha, Bruder des Rabanaj aus Ḥozäa, lehrte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.