Beza — Blatt 16a
1Der ganze Lebensbedarf des Menschen wird ihm [in den Tagen zwischen] Neujahr und dem Versöhnungstage bestimmt, ausgenommen die Ausgaben für die Šabbathe und die Festtage und für den Unterricht seiner Kinder in der Tora. Hat er dafür weniger ausgegeben, so zieht man es ihm ab, hat er dafür mehr ausgegeben, so legt man ihm zu.
2R. Abahu sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: stoßet am Neumonde in die Posaune, am Verborgenen auf den Tag unseres Festes; an welchem Feste bleibt der Mond verborgen? Sage: am Neujahrsfeste. Und darauf heißt es: denn das ist eine Festsetzung für Jisraél, ein Recht des Gottes Ja͑qobs. –
3Wieso ist es erwiesen, daß Festsetzung die Bedeutung Lebensbedarf hat? – Es heißt: sie aßen das Festgesetzte, das ihnen der Pareo gab. Mar Zuṭra entnimmt es hieraus: Laß mich mein festgesetztes Brot dahinnehmen.
4Es wird gelehrt: Man erzählt von Šammaj dem Älteren, daß er an jedem Tage zu Ehren des Šabbaths aß. Fand er ein schönes Vieh, so sprach er: Dieses sei zu Ehren des Šabbaths. Fand er darauf ein schöneres, so hob er dieses auf und aß das erste.
5Anders aber war das Verfahren Hillels des Älteren; all seine Werke waren um des Himmels willen, denn es heißt: gepriesen sei der Herr Tag für Tag. Ebenso wird gelehrt: Die Schule Šammajs sagt, vom Sonntag ab für den Šabbath; die Schule Hillels sagt, gepriesen sei der Herr Tag für Tag.
6R. Ḥama b.R. Ḥanina sagte: Wer seinem Nächsten ein Geschenk macht, braucht es ihn nicht wissen zu lassen, denn es heißt: Moše wußte nicht, daß die Haut seines Antlitzes strahlend geworden war.
7Man wandte ein: Um kund zu tun, daß ich der Herr bin, der euch heiligt. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich zu Moše: Moše, ich habe ein kostbares Geschenk in meiner Schatzkammer, dessen Name ist Šabbath, und ich will es Jisraél geben; geh und teile es ihnen mit. Hieraus folgernd, sagte R. Šimo͑n b.Gamliél: Wer einem Kinde ein Stückchen Brot gibt, lasse es seine Mutter wissen!? –
8Das ist kein Widerspruch; das eine gilt von einem Geschenke, das [auch sonst] bekannt wird, und das andere gilt von einem Geschenke, das [sonst] nicht bekannt wird. – Aber auch der Šabbath würde ja auch sonst bekannt geworden sein!? – Dessen Belohnung würde nicht bekannt geworden sein.
9Der Meister sagte: Wer einem Kinde ein Stückchen Brot gibt, lasse es seine Mutter wissen. – Wie mache man es? – Man bestreiche es mit Öl, oder trage ihm etwas Schminke auf. – Jetzt aber, wo wir Zauberei befürchten? R. Papa erwiderte: Man bestreiche es mit derselben Art.
10R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Alle Gebote, die der Heilige, gepriesen sei er, Jisraél erteilt hat, erteilte er ihnen öffentlich, ausgenommen den Šabbath, den er ihnen heimlich verliehen hat, wie es heißt: ein Zeichen [des Bündnisses] sei er zwischen mir und den Kindern Jisraéls für immer. –
11Demnach sollten ja die Nichtjuden dessentwegen nicht bestraft werden!? – Den Šabbath teilte er ihnen mit, dessen Belohnung aber teilte er ihnen nicht mit. Wenn du aber willst, sage ich: auch dessen Belohnung teilte er ihnen mit, jedoch ließ er sie von der erweiterten Seele nichts wissen.
12R. Šimo͑n b. Laqiš sagte nämlich: Am Vorabend des Šabbaths gibt der Heilige, gepriesen sei er, dem Menschen eine erweiterte Seele, die er ihm beim Ausgange des Šabbaths abnimmt, denn es heißt: er ruhte und atmete auf; nachdem er geruht: wehe, fort ist die Seele.
13AM VORABEND DES FESTES BEREITE MAN EINE SPEISE. Abajje sagte: Sie lehrten dies nur von einer gekochten Speise, Brot aber nicht. –
14Weshalb kein Brot: wollte man sagen, es sei eine als Zukost dienende Speise erforderlich, was das Brot nicht ist, so ist ja auch der Graupenbrei keine Zukost, denn R. Zera sagte, die törichten Babylonier essen Brot mit Brot, dennoch sagte Niḥumi b.Zekharja im Namen Abajjes, man dürfe einen E͑rub aus Graupenbrei bereiten!? – Vielmehr, erforderlich ist eine seltenere Speise; Brot ist nicht selten, während Graupenbrei seltener ist.
15Manche lesen: Abajje sagte: Sie lehrten dies nur von einer gekochten Speise, Brot aber nicht. – Aus welchem Grunde: wollte man sagen, es sei eine seltenere Speise erforderlich, während das Brot nicht selten ist, so ist ja auch der Graupenbrei selten, dennoch sagte R. Niḥumi b. Zekharja im Namen Abajjes, man dürfe keinen E͑rub aus Graupenbrei bereiten!? – Vielmehr erforderlich ist eine als Zukost dienende Speise, was Brot nicht ist, und ebenso ist der Graupenbrei keine Zukost, denn R. Zera sagt, die törichten Babylonier essen Brot mit Brot.
16R. Ḥija lehrte: Die Linsen am Boden des Topfes dienen als Speisen-E͑rub; jedoch nur, wenn sie das Quantum einer Olive haben. R. Jiçḥaq, Sohn des R. Jehuda, sagte: Man darf das Fett von einem Messer abkratzen und es zum Speisen-E͑rub bestimmen, jedoch nur, wenn es das Quantum einer Olive hat.
17R. Aši sagte im Namen Rabhs: Bei kleinen gesalzenen Fischen gilt nicht [das Verbot] des von Nichtjuden Gekochten. R.Joseph sagte: Hat ein Nichtjude sie gebraten, so darf man sie als Speisen-E͑rub verwenden. Hat ein Nichtjude aus solchen eine Fischspeise gemacht, so ist sie verboten. –
18Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, d
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.