Beza — Blatt 16b
1ie Fischtunke sei das Hauptsächliche, so lehrt er uns, daß das Mehl das Hauptsächliche ist.
2R. Abba sagte: Der Speisen-E͑rub muß Olivengröße haben. Sie fragten: Eine Olive für alle [Beteiligten] zusammen oder eine Olive für jeden besonders? – Komm und höre: R. Abba sagte im Namen Rabhs: Der Speisen-E͑rub muß Olivengröße haben, ob für einen oder für hundert. –
3Wir haben gelernt: Hat man [diese Speise] aufgegessen oder ist sie abhanden gekommen, so darf man daraufhin nicht direkt kochen; hat man davon etwas zurückbehalten, so stütze man sich darauf [beim Kochen] für den Šabbath. Unter ‘etwas’ ist wohl zu verstehen, auch wenn sie keine Olivengröße hat!? – Nein, nur wenn sie Olivengröße hat. –
4Komm und höre: Diese Speise soll eigentlich gebraten sein, jedoch kann sie auch eingelegt, gesotten und gekocht sein, der spanische Thunfisch, auch wenn man ihn am Vorabend des Festes mit heißem Wasser begossen hat. Für den anfänglichen [E͑rub] und für den zurückbleibenden Rest desselben ist kein Quantum festgesetzt. Doch wohl überhaupt kein festgesetztes Quantum!? – Nein, kein festgesetztes Quantum nach oben, wohl aber nach unten.
5R. Hona sagte im Namen Rabhs: Beim Speisen-E͑rub ist die Kenntnis erforderlich. – Selbstverständlich ist die Kenntnis des Niederlegenden erforderlich, ist aber auch die Kenntnis dessen erforderlich, für den er niedergelegt worden ist oder nicht?
6Komm und höre: Der Vater Šemuéls pflegte den E͑rub für ganz Nehardea͑, und R. Ami und R. Asi pflegten ihn für ganz Ṭiberjas niederzulegen. R. Ja͑qob b.Idi ließ bekannt machen: Wer keinen Speisen-E͑rub niedergelegt hat, komme und verlasse sich auf meinen. – Bis zu welcher Entfernung? R. Niḥumi b.Zekharja erwiderte im Namen Abajjes: Bis zur Šabbathgrenze.
7Einst bemerkte Mar Šemuél, daß der Blinde, der vor ihm Agada vorzutragen pflegte, betrübt war. Da fragte er ihn: Weshalb bist du betrübt? Dieser erwiderte: Weil ich keinen Speisen-E͑rub niedergelegt habe. Da sprach er zu ihm: Verlasse dich auf meinen. Als er im nächsten Jahre wiederum bemerkte, daß er betrübt war, fragte er ihn: Weshalb bist du betrübt? Dieser erwiderte: Weil ich keinen Speisen-E͑rub niedergelegt habe. Da sprach er zu ihm: Du bist ein Frevler; für alle Welt ist es erlaubt, für dich aber verboten.
8Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Festtag auf einen Vorabend des Šabbaths fällt, so darf man weder einen Gebiets-E͑rub, noch einen Hof-E͑rub machen;
9Rabbi sagte, man dürfe einen Hof-E͑rub machen, jedoch keinen Gebiets-E͑rub, denn du kannst ihm verbieten, was [an diesem Tage] verboten ist, nicht aber, was an diesem erlaubt ist.
10Es wurde gelehrt: Rabh sagt, die Halakha sei wie der erste Tanna, und Šemuél sagt, die Halakha sei wie Rabbi. Sie fragten: Ist die Halakha wie Rabbi erleichternd oder erschwerend? –
11Selbstverständlich erleichternd!? – Weil nämlich R. Elea͑zar der Diaspora bekannt machen ließ: Nicht wie ihr in Babylonien lehrt, Rabbi erlaube und die Weisen verbieten, vielmehr verbietet Rabbi und die Weisen erlauben. Wie ist es nun? –
12Komm und höre. R. Taḥlipha b.Evdämi entschied einst nach Šemuél, und Rabh bemerkte hierüber: Schon die erste Entscheidung dieses Gelehrtenjüngers ist verderblich. Allerdings verderblich, wenn du sagst, er meine es erleichternd, wieso aber verderblich, wenn du sagst, er meine es erschwerend!? –
13Da viele [durch die Unterlassung] zu einem Verstoße kommen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.