Beza — Blatt 21b
1für euch, und nicht für Hunde – so R. Jose der Galiläer. R. A͑qiba sagt, auch die Seele eines Tieres sei einbegriffen. Wieso aber heißt es euch? Für euch und nicht für Nichtjuden. –
2Was veranlaßt dich, Hunde einzuschließen und Nichtjuden auszuschließen? – Ich schließe Hunde ein, weil deren Verpflegung dir obliegt, und ich schließe Nichtjuden aus, weil deren Verpflegung dir nicht obliegt.
3Abajje sprach zu R. Joseph: Wieso dürfen wir nach R. Jose dem Galiläer, welcher erklärt: für euch und nicht für Hunde, am Festtage Fruchtkerne vor die Tiere werfen!?
4Dieser erwiderte: Weil man sie zum Heizen verwenden kann. – Allerdings trockene, wie ist es aber hinsichtlich feuchter zu erklären!? Dieser erwiderte: Sie sind bei einem großen Feuer verwendbar. –
5Allerdings am Festtage, wie ist es aber hinsichtlich des Šabbaths zu erklären!? – Man wirft sie zusammen mit Brot. Dies nach Šemuél, denn Šemuél sagte, man dürfe das Brot zu jedem Gebrauche verwenden.
6Er streitet somit gegen R. Jehošua͑ b.Levi, denn R. Jehošua͑ b.Levi sagte, man dürfe einen Nichtjuden zur Mahlzeit am Šabbath einladen, nicht aber am Festtage, mit Rücksicht darauf, man könnte seinetwegen mehr [kochen].
7R. Aha b.Ja͑qob sagte, auch nicht am Šabbath, wegen der Reste der Becher. – Demnach ist dies ja auch bei unseren der Fall!? – Unsere sind für Hühner verwendbar. – Auch ihre sind ja für Hühner verwendbar!? – Bei ihren ist die Nutznießung verboten. –
8Man kann sie ja wegen der Becher fortbewegen, sagte etwa nicht Raba, man dürfe die Kohlenpfanne wegen der Asche fortbewegen, auch wenn Holzstücke sich in dieser befinden!? –
9Da ist die Nutznießung nicht verboten, diese aber sind zur Nutznießung verboten.
10R. Aḥa aus Diphte sprach zu Rabina: Diese sollten ja nicht weniger sein als ein Kotbecken!? Dieser erwiderte: Darf man von vornherein etwas zum Kotbecken machen!?
11Raba führte Mar Šemuél umher und trug ihm vor: Man darf einen Nichtjuden zur Mahlzeit am Šabbath einladen, nicht aber am Festtage, mit Rücksicht darauf, man könnte seinetwegen mehr [kochen]. Wenn ein Nichtjude Meremar und Mar Zuṭra an einem Festtage besuchte, sprachen sie zu ihm: Bist du mit dem zufrieden, was wir für uns bereitet haben, so ist es recht, wenn aber nicht, so können wir uns deinetwegen besonders nicht bemühen.
12DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN DÜRFE KEIN WASSER FÜR DIE FÜSSE WÄRMEN, ES SEI DENN, DASS ES AUCH ZUM TRINKEN BRAUCHBAR IST; DIE SCHULE HILLELS ERLAUBT DIES. MAN DARF EINE FLAMME HERRICHTEN UND SICH DARAN WÄRMEN.
13GEMARA. Sie fragten: Wer lehrte die [Lehre] von der Flamme: sind alle dieser Ansicht, und die Schule Šammajs unterscheidet zwischen dem Genusse des ganzen Körpers und dem Genusse eines einzelnen Gliedes, oder lehrt dies die Schule Hillels, und die Schule Šammajs unterscheidet nicht? –
14Komm und höre: Die Schule Šammajs sagt, man dürfe keine Flamme herrichten, um sich daran zu wärmen; die Schule Hillels erlaubt dies.
15BEI DREI DINGEN IST R. GAMLIÉL ERSCHWEREND, NACH DER SCHULE ŠAMMAJS: MAN DARF AM FESTTAGE NICHT VON VORNHEREIN WASSER [FÜR DEN ŠABBATH] WARMSTELLEN; MAN DARF AM FESTTAGE KEINE LEUCHTE AUFRICHTEN; MAN DARF [AM FESTE] KEINE GROBEN BROTE, SONDERN NUR FLADEN BACKEN. R. GAMLIÉL SAGTE: IN MEINEM VATERHAUSE BACKTEN SIE NIE GROBE BROTE, SONDERN NUR FLADEN. JENE ERWIDERTEN IHM: WAS SOLL UNS DEIN VATERHAUS: SIE WAREN ERSCHWEREND FÜR SICH UND ERLEICHTERND FÜR GANZ JISRAÉL, AUCH GROBES BROT UND KUCHEN ZU BACKEN.
16GEMARA. In welchem Falle: hat man einen Speisen-E͑rub niedergelegt, was ist demnach der Grund der Schule Šammajs, und hat man keinen Speisen-E͑rub niedergelegt, was ist demnach der Grund der Schule Hillels!? R. Hona erwiderte: Tatsächlich, wenn man keinen Speisen-E͑rub niedergelegt hat, denn das zum Leben Nötige haben die Rabbanan erlaubt.
17R. Hona vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Hona sagte: Wer keinen Speisen-E͑rub niedergelegt hat, für den darf man ein Brot backen, eine Speise kochen
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.