Beza — Blatt 25b
1lehrt uns Lebensart.
2Es wird nämlich gelehrt: Man beginne Knoblauch oder Zwiebel nicht an der Kopfseite zu essen, sondern an der Blätterseite; wer so ißt, ist gefräßig. Desgleichen trinke man seinen Becher nicht mit einem Zuge aus; wer so trinkt, ist gierig. Die Rabbanan lehrten: Wer seinen Becher in einem Zuge trinkt, ist gierig, wer in zwei, ist gesittet, wer in drei, ist hochmütig.
3Ferner sagte Rami b.Abba: Der Epheu hackt die Füße der Frevler ab.
4Die Pflanze hackt die Füße der Schlächter und der Menstruierenden Beiwohnenden ab.
5Die Lupine hackt die Füße der Feinde Jisraéls ab, denn es heißt: die Kinder Jisraéls fuhren fort das zu tun, was dem Herrn mißfiel, und sie verehrten die Baa͑le, die Aštaroth, die Götter Arams, die Götter Çidons, die Götter Moabs, die Götter der A͑mmoniten und die Götter der Pelištim; sie verließen den Herrn und verehrten ihn nicht.
6Wenn es heißt: sie verließen den Herrn, so weiß ich ja, daß sie ihn nicht verehrten, wozu heißt es: und sie verehrten ihn nicht? R. Elea͑zar erwiderte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht einmal der Lupine, die man siebenmal kocht und zum Nachtisch ißt, haben meine Kinder mich gleichgestellt.
7Im Namen R. Meírs wurde gelehrt: Die Tora wurde deshalb den Jisraéliten gegeben, weil sie keck sind. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: An seiner Rechten ein feuriges Gesetz für sie; der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Diese sind würdig, daß ihnen das feurige Gesetz verliehen werde. Manche erklären: Die Eigenheit dieser ist wie Feuer; wäre nämlich den Jisraéliten die Tora nicht gegeben worden, so könnte kein Volk und kein Sprachstamm vor ihnen bestehen.
8Das ist es, was Šimo͑n b. Laqiš gesagt hat: Es gibt drei Kecke: Jisraél unter den Völkern, den Hund unter den Tieren und den Hahn unter den Vögeln. Manche sagen, auch die Ziege unter dem Kleinvieh. Manche sagen, auch die Kaper unter den Sträuchern.
9HAT MAN ES AUF DEM FELDE GESCHLACHTET, SO DARF MAN ES NICHT AN EINER STANGE HEIMBRINGEN. Die Rabbanan lehrten: Der Blinde darf [am Feste] nicht mit seinem Stabe ausgehen, noch der Hirt mit seiner Tasche; ferner darf weder ein Mann noch eine Frau in einem Tragsessel ausgehen. –
10Dem ist ja aber nicht so, R. Ja͑qob b.Idi ließ ja mitteilen: In unserer Nachbarschaft war ein Greis, der auf einer Sänfte getragen wurde, und als man vor R. Jehošua͑ b.Levi kam und ihn diesbezüglich fragte, erwiderte er: Wenn die Menge seiner bedarf, ist es erlaubt.
11Unsere Meister stützten sich auch auf die worte des Aḥi Šaqja, der erzählte, er habe R. Hona von Hini nach Šili und von Šili nach Hini gebracht. Ferner erzählte auch R. Naḥman b. Jiçḥaq, er habe Mar Šemuél von der Sonne nach dem Schatten und vom Schatten nach der Sonne gebracht!? – Da wird ja auch der Grund angegeben: wenn die Menge seiner bedarf, ist es erlaubt.
12R. Naḥman sprach zu Ḥama b.Ada: Çijons-Bote, wenn du dort hingehst, mache einen Umweg und gehe über den Stufengang vor Çor; besuche da R. Ja͑qob b.Idi und frage ihn: Was sagt ihr vom Tragsessel?
13Während er hinging, kehrte die Seele des R. Ja͑qob b. Idi zur Ruhe ein, und als er da eintraf, fand er R. Zeriqa vor und fragte ihn: Was sagt ihr vom Tragsessel? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Ami: Nur darf man nicht schultern. – Was heißt: nur darf man nicht schultern? R. Jose, der Sohn Rabas, erwiderte: Auf einer Schultertrage. –
14Dem ist ja aber nicht so, R. Naḥman erlaubte ja [seiner Frau] Jalta, sich auf einer Schultertrage tragen zu lassen!? – Anders war es bei Jalta, die ängstlich war.
15Amemar und Mar Zuṭra trug man am Šabbath der Festwoche auf einer Schultertrage, weil sie ängstlich waren, und manche sagen, wegen der Belästigung des Publikums.
16IST EIN ERSTGEBORENES IN EINE GRUBE GEFALLEN, SO STEIGE EIN SACHKUNDIGER HINAB UND UNTERSUCHE ES;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.