Chagiga — Blatt 10a
1eines, wenn gewaltsam, und eines, wenn willig. Wenn du aber willst, sage ich: beides, wenn gewaltsam, dennoch besteht hier kein Widerspruch; denn eines gilt von einer Priestersfrau und eines von einer Jisraélitenfrau.
2Für den Aus- und Einziehenden gibt es keinen Frieden. Rabh sagte: Sobald jemand von der Halakha fortgeht, so gibt es für ihn keinen Frieden mehr.
3Šemuél sagte: Wenn jemand sich vom Talmud zur Mišna wendet. R. Joḥanan sagte: Sogar wenn von Talmud zu Talmud.
4DIE AUFLÖSUNG VON GELÜBDEN SCHWEBT IN DER LUFT UND HAT NICHTS, WORAUF ES SICH STÜTZEN KÖNNTE.
5DIE GESETZE ÜBER DEN ŠABBATH, ÜBER DIE FESTOPFER UND ÜBER DIE VERUNTREUUNGEN SIND WIE BERGE, DIE AN EINEM HAARE HÄNGEN; NUR WENIG IN DER SCHRIFT [BEHANDELT], SIND ZAHLREICH IHRE BESTIMMUNGEN. DAS ZIVILRECHT, [DIE GESETZE ÜBER DEN] TEMPELDIENST, [DIE GESETZE ÜBER] REINHEIT UND UNREINHEIT UND DIE INZESTGESETZE HABEN, WORAUF SIE SICH STÜTZEN; SIE SIND KERNSTÜCKE DER TORA.
6GEMARA. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Es hat, worauf es sich stützt, denn es heißt zweimal: wenn jemand [ein Gelübde] ausspricht; einmal [deutet es] auf das Geloben und einmal auf die Auflösung.
7R.Jehošua͑ sagte: Es hat, worauf es sich stützt, denn es heißt: was ich in meinem Zorne geschworen habe; ich habe es in meinem Zorne geschworen, bin aber davon zurückgetreten.
8R. Jiçḥaq sagte: Es hat, worauf es sich stützt, denn es heißt: jeder, den sein Herz dazu treibt. Ḥananja, Bruderssohn des R. Jehošua͑, sagte: Es hat, worauf es sich stützt, denn es heißt : ich habe geschworen und hielt es, deine gerechten Ordnungen zu beobachten.
9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wenn ich da wäre, so würde ich zu ihnen gesagt haben: Mein [Beleg] ist besser als eure. Es heißt: er soll sein Wort nicht brechen, er selbst darf es nicht brechen, andere aber dürfen es ihm brechen. Raba sprach: All diese [Belege] sind zu widerlegen, ausgenommen der des Šemuél, der nicht zu widerlegen ist.
10Gegen den des R. Elie͑zer [ist einzuwenden]: vielleicht ist er nach R. Jehuda im Namen R. Tryphons zu erklären, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen R. Tryphons: Keiner von beiden ist Naziräer, weil das Nazirat bestimmt ausgesprochen werdenmuß.
11Gegen den des R. Jehošua͑ [ist einzuwenden]: vielleicht meint er es wie folgt: ich habe in meinem Zorne geschworen und trete davon nicht zurück. Gegen den des R. Jiçḥaq [ist einzuwenden]: vielleicht schließt dies nur die Lehre Šemuéls aus, denn Šemuél sagte: Hat er es im Herzen beschlossen, so muß er es auch aus den Lippen hervorbringen. Dies lehrt nun: obgleich er es nicht aus den Lippen hervorgebracht hat.
12Gegen den des Ḥananja, des Bruderssohnes R. Jehošua͑s, [ist einzuwenden]: vielleicht deutet dieser auf die Lehre R. Gidels im Namen Rabhs, denn R. Gidel sagte im Namen Rabhs : Woher, daß man die Gebote auszuüben schwöre? Es heißt: ich habe geschworen und hielt es, deine gerechten Ordnungen zu beobachten.
13Der des Šemuél ist aber nicht zu widerlegen. Raba, nach anderen R. Naḥman b. Jiçḥaq, sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Besser ein scharfes Pfefferkorn als ein Korb voll Kürbisse.
14DIE GESETZE ÜBER DEN ŠABBATH. Diese stehen ja in der Schrift geschrieben!? – Dies bezieht sich auf eine Lehre R. Abbas, denn R. Abba sagte: Wer am Šabbath eine Vertiefung gräbt und nur die Erde braucht, ist frei. –
15Also nach R. Šimo͑n, welcher sagt, man sei wegen einer an sich nicht nötigen Arbeit frei!? –
16Du kannst auch sagen, nach R. Jehuda, denn daist [die Tätigkeit] eine verbessernde, hierbei aber eine verschlechternde. –
17Wieso heißt es demnach:Berge, die an einem Haare hängen!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.