Chagiga — Blatt 10b

1Die Tora hat nur die bezweckte Arbeitverboten, und daß die Arbeit eine bezweckte sein muß, ist in der Schrift nicht geschrieben.

2DIE FESTOPFER. Diese stehen ja in der Schrift geschrieben!? – Dieser ist so zu erklären, wie R.Papa zu Abajje sagte: Woher, daß [der Schriftvers]: ihr sollt es als Fest des Herrn feiern, ein Festopfer meint, vielleicht befiehlt der Allbarmherzige eine Feier abzuhalten!? –

3Es heißt auch: sie sollen mir in der Wüste ein Fest feiern; demnach wäre auch hier zu verstehen, eine Feier abhalten!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so heißt es ja: da sprach Moše: Du selbst mußt uns Schlacht- und Brandopfertiere mitgeben!? –

4Vielleicht meint es der Allbarmherzige wie folgt: esset und trinket, und feiert vor mir ein Fest!? – Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt : das Fett meines Fest[opfers] soll nicht bis zum nächsten Morgen übernachten, und was soll hierbei das Fett, wenn du sagen wolltest, darunter sei nur eine Feier zu verstehen!? –

5Vielleicht aber meint es der Allbarmherzige wie folgt: das Fett [von Opfern], die am Feste dargebracht werden, soll nicht übernachten!? –

6Sollte es demnach nur am Feste nicht übernachten, wohl aber das ganze Jahr, während es ja heißt: die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen!? –

7Aus diesem [Verse] würde man nur das Gebot entnommen haben, daher schrieb der Allbarmherzige jenen, wegen des Verbotes!? –

8Als Verbot gibt es einen anderen Schriftvers: und vom Fleische, das du am ersten Tage am Abend schlachtest, darf nichts bis zum nächsten Morgen übernachten. – Vielleicht deshalb, damit man dieserhalb zwei Verbote und ein Gebot übertrete!? –

9Vielmehr, es ist aus [dem Worte] Wüste zu folgern: hier heißt es: sie sollen mir in der Wüste ein Fest feiern, und dort heißt es: habt ihr mir denn in der Wüste Schlacht- und Speisopfer dargebracht; wie dort Schlachtopfer, ebenso auch hierbei Schlachtopfer. –

10Wieso heißt es demnach: wie Berge, die an einem Haare hängen!? – Weil nicht aus Worten der Propheten auf Worte der Tora zu folgern ist.

11VERUNTREUUNGEN. Diese stehen ja in der Schrift geschrieben!? Rami b. Ḥama erwiderte: Dies bezieht sich auf das, was wir gelernt haben: Hat der Beauftragte seinen Auftrag ausgeführt, so hat der Hausherr die Veruntreuung begangen, hat er seinen Auftrag nicht ausgeführt, so hat der Beauftragte die Veruntreuung begangen.

12Wieso hat nun jener die Veruntreuung begangen, falls dieser seinen Auftrag ausgeführt hat, kann denn einer eine Sünde begehen und der andere schuldig sein!? Deshalb heißt es: wie Berge, die an einem Haare hängen.

13Raba sprach: Was ist dies denn für ein Einwand: vielleicht ist die Veruntreuung anders, da diesbezüglich durch [das Wort] Sündevon der Hebe gefolgert wird: wie bei dieser der Beauftragte eines Menschen ihm selbst gleicht, ebenso gleicht auch bei jener der Beauftragte eines Menschen ihm selbst!? –

14Vielmehr, erklärte Raba, bezieht sich dies auf folgende Lehre: Erinnerte sich der Hausherr und der Beauftragte nicht, so hat der Beauftragte die Veruntreuung begangen. Was hat der arme Beauftragte getan!? Deshalb heißt es: wie Berge, die an einem Haare hängen.

15R. Aši sprach: Was ist dies für ein Einwand: so ist es bei jedem anderen, der [irrtümlich] Geld des Heiligtums für Profanes ausgibt!?

16Vielmehr, erklärte R. Aši, bezieht sich dies auf das, was wir gelernt haben: Hat jemand einen dem Heiligtume gehörigen Stein oder Balken genommen, so hat er keine Veruntreuung begangen; gab er ihn seinem Nächsten, so hat er eine Veruntreuung begangen, sein Nächster aber hat keine Veruntreuung begangen. Merke, er hat ihn ja genommen, was ist nun der Unterschied, ob er selbst oder sein Nächster [ihn behält]!? Deshalb heißt es: wie Berge, die an einem Haare hängen. –

17Was ist dies für ein Einwand: vielleicht ist dies nach Šemuél zu erklären, denn Šemuél sagte,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.