Chagiga — Blatt 11a
1hier handle es sich um einen Verwalter, dem die Bausteine anvertraut sind, die sich in einem Besitze befinden, wo sie auch sind!? –
2Vielmehr, dies bezieht sich auf den Schlußsatz: Baute er ihn in sein Haus ein, so hat er nicht eher eine Veruntreuung begangen, als bis er darin im Werte einer Peruṭa gewohnt hat. Merke, er hat ja damit eine Änderung vorgenommen, was ist nun der Unterschied, ob er [im Hause] gewohnt hat oder nicht !? Deshalb heißt es: wie Berge, die an einem Haare hängen. –
3Was ist dies für ein Einwand: vielleicht ist dies nach Rabh zu erklären, denn Rabh sagte, dies gelte von dem Falle, wenn er ihn nur zum Auflegen auf eine Luke verwandte; daher nur dann, wenn er [im Hause] gewohnt hat, sonst aber nicht!? –
4Vielmehr, tatsächlich ist dies auf die Lehre Rabas zu beziehen, wenn du aber einwendest, ebenso verhalte es sich bei jedem anderen, der [irrtümlich] Geld des Heiligtums für Profanes ausgibt, [so ist zu erwidern:] jener wußte, daß Geld des Heiligtums [bei ihm] sich befindet, und sollte vorsichtig sein, aber wußte es denn [der Beauftragte]!? Deshalb heißt es: wie Berge, die an einem Haare hängen.
5NUR WENIG BEHANDELT IN DER SCHRIFT SIND ZAHLREICH IHRE BESTIMMUNGEN. Es wird gelehrt: Die [Verunreinigung durch] Aussatz und Bezeltung wird in der Schrift nur wenig behandelt, während ihre Bestimmungen zahlreich sind. – Ist denn der Aussatz in der Schrift wenig behandelt, er ist ja in der Schrift viel behandelt!? R. Papa erwiderte: Er meint es wie folgt: der Aussatz ist in der Schrift viel behandelt und seine Bestimmungen sind wenig, die [Verunreinigung durch] Bezeltung wird in der Schrift wenig behandelt und seine Bestimmungen sind zahlreich. –
6In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Ist dir etwas über den Aussatz zweifelhaft, so forsche in der Schrift, ist dir etwas über die [Verunreinigung durch] BezeItung zweifelhaft, so forsche in der Mišna.
7DAS ZIVILRECHT. Dieses steht ja in der Schrift geschrieben!? – Dies bezieht sich auf die Lehre Rabbis,
8denn es wird gelehrt: Rabbi sagte: Leben um Leben, eine Geldentschädigung. Du sagst, eine Geldentschädigung, vielleicht ist dem nicht so, sondern wirklich Leben [um Leben]!? [Hier] unten heißt es geben und vorangehend heißt es geben, wie da eine Geldentschädigung, ebenso hierbei eine Geldentschädigung.
9DEN TEMPELDIENST. Dieser steht ja in der Schrift geschrieben!? – Dies bezieht sich auf das Hinbringen des Blutes [zum Altar], denn es wird gelehrt: Sie sollen darbringen, das ist die Aufnahme des Blutes;
10der Allbarmherzige gebraucht dafür den Ausdruck ‘bringen’, wie es heißt: der Priester soll alles zusammen darbringen und auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen, und der Meister sagte, damit sei das Hinbringen der Opferteile zur Altarrampe gemeint.
11Demnach ist das Hinbringen von der Aufnahme nicht auszuschließen.
12ÜBER REINHEIT. Diese stehen ja in der Schrift geschrieben!? – Dies bezieht sich auf das Maß des Tauchbades, denn es wird gelehrt: Er bade seinen Leib im Wasser, im Wasser des Tauchbades; seinen ganzen Leib, sein ganzer Leib muß vom Wasser umfangen sein. Wieviel ist dies? Eine Elle zu einer Elle in der Höhe von drei Ellen. Danach setzten die Weisen fest, daß das Tauchbad vierzig Sea͑ Wasser haben müsse.
13UND UNREINHEIT. Diese stehen ja in der Schrift geschrieben!? – Dies bezieht sich auf ein linsengroßes Stück von einem Kriechtiere, worüber in der Schrift nichts geschrieben ist.
14Es wird nämlich gelehrt: An ihnen; man könnte glauben, nur am ganzen, so heißt es: von ihnen; man könnte glauben, auch an einem Teilchen, so heißt es: an ihnen.
15Wie ist dies zu erklären? Wenn man einen Teil berührt, der einem ganzen gleicht. Die Weisen haben dies auf die Größe einer Linse bemessen, denn die Schneckeist zuerst groß wie eine Linse. R. Jose b. Jehuda sagte: [So groß] wie der Eidechsenschwanz.
16DIE INZESTGESETZE. Dies steht ja in der Schrift geschrieben!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.